LESUNG Michael Succow „Das Abenteuer des Lebens“

LESUNG Michael Succow „Das Abenteuer des Lebens“
Michael Succows „Das Abenteuer des Lebens. Erfahrungen und Erkenntnisse eines Ökologen, Weltbürgers und Mutmachers“, gemeinsam mit der Journalistin Christiane Grefe entstanden, ist keine klassische Autobiografie. Das 2026 erschienene Buch verbindet persönliche Erinnerungen, Zeitgeschichte und ökologische Analyse zu einer Art biografischer Collage.
Succow erzählt von seinem Weg vom Bauernsohn in Brandenburg zum international anerkannten Ökologen und Naturschützer. Ein wichtiger Teil des Buches betrifft seine Erfahrungen in der DDR. Seine Sympathie für den Prager Frühling brachte ihn in Konflikt mit dem politischen System und unterbrach seine wissenschaftliche Karriere. Trotzdem entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten Moorforscher und Naturschützer der DDR.
Einen Höhepunkt bildet die Zeit der politischen Wende 1989/90. Als stellvertretender DDR-Umweltminister gelang Succow gemeinsam mit Mitstreitern kurz vor der deutschen Einheit das Nationalparkprogramm der DDR. Dadurch wurden etwa 4,5 Prozent der damaligen DDR-Fläche als Nationalparks, Biosphärenreservate oder Naturparks dauerhaft geschützt. Für Succow zeigt diese Erfahrung, dass politische Umbruchsituationen Möglichkeiten eröffnen können, die zuvor kaum vorstellbar erschienen.
Nach der Wiedervereinigung verlagerte sich sein Engagement zunehmend auf die internationale Arbeit. Reisen und Naturschutzprojekte führten ihn unter anderem nach Russland, Zentralasien, in die Mongolei und den Kaukasus. Immer wieder geht es dabei um die Frage, wie Landschaften bewahrt und gleichzeitig so genutzt werden können, dass Menschen von ihnen leben können. Besonders wichtig sind Succow dabei Moore, Feuchtgebiete und großräumige, möglichst naturnahe Landschaften.
Der eigentliche Kern des Buches geht jedoch über Succows Lebensgeschichte hinaus. Er fragt, wie wir angesichts von Klimakrise, Artenverlust und einer auf stetiges wirtschaftliches Wachstum ausgerichteten Gesellschaft leben wollen. Naturschutz erscheint dabei nicht als Luxus, sondern als Voraussetzung für menschliches Leben. Succow setzt der Resignation die Erfahrung entgegen, dass einzelne Menschen durchaus Veränderungen anstoßen können – vorausgesetzt, sie bleiben beharrlich, suchen Verbündete und nutzen politische Möglichkeiten, wenn sie sich ergeben.
Kurz gesagt: „Das Abenteuer des Lebens“ ist Lebensgeschichte, Zeitzeugnis und ökologisches Plädoyer zugleich. Succows zentrale Botschaft lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Wir sind Teil der Natur und nicht ihre Herren. Deshalb müssen wir lernen, natürliche Lebensgrundlagen zu bewahren und unsere Ansprüche an Ressourcen und Wachstum zu begrenzen. Gleichzeitig gibt es trotz der ökologischen Krisen Grund zur Hoffnung, weil engagiertes Handeln tatsächlich etwas verändern kann
Eine Veranstaltung des Vereins Klima und Alltag e. V.
