ZWISCHEN.ORTE: Ein Kunstprojekt

Kunst dort, wo man sonst achtlos vorbeigeht: Das Projekt „ZWISCHEN.ORTE“ verwandelt drei öffentliche Orte in Neuruppin in Räume für Entdeckung, Begegnung und neue Perspektiven. Drahtskulpturen, Baumkunst und elektronische Live-Musik machen aus Alltagsorten überraschende Erfahrungsräume.

Von Carla Ruppin

Schon der Titel macht neugierig, regt zur freien Reflektion an. Was sind das für ORTE? ORTE einer Zwischenwelt? Und was ist das für eine Welt? Etwas aus der Romantik klingt an. Hier ist es die Zeit. Die Nacht als Zeit aller Entgrenzung. Wir kennen das aus Märchen. Um Mitternacht geschieht das Wunder.
Und wunderbar geht es auch am ersten Ort des Rundgangs zu. Er wirkt wie eine Grotte oder Höhle und es ist doch ein ganz realer Ort. Am Schwarzen Weg begibt sich die Neuruppiner Künstlerin Franziska Zänker auf die Suche nach der Stimmung eines kleinen, nicht einmal versteckten Platzes, der dicht an einem Fuß- und Fahrradweg grenzt. Menschen eilen hin und her und manchmal bleiben sie stehen und schauen und entdecken die zauberhaften Drahtobjekte, die in den Bäumen hängen oder auf dem Boden stehen: Eine riesige Schnecke schleppt ihr Schneckenhaus einen schrägen Baumstamm hinauf; große Tropfen hängen an den Zweigen; ein Vogel sitzt auf dem Brombeergebüsch, als würde er die Früchte pflücken wollen…Märchenhaft! Franziska Zänker arbeitet zum Teil direkt am Ort an ihren Drahtskulpturen, lädt dazu ein, ihre Arbeit zu beobachten oder mit ihr darüber zu sprechen.

Möglich macht das ein Projekt von Sonja Linde, das im Rahmen von „Von hier aus Zukunft – Kulturland Brandenburg 2026/2027“ gefördert wird mit den Mitteln des Landes Brandenburg, der Brandenburgischen Sparkasse und der Fontanestadt Neuruppin. Das alles findet im Zeitraum vom 26. September bis zum 3. Oktober an leeren öffentlichen Räumen oder Orten statt, die sonst eher wenig beachtet werden, an denen man einfach so vorbeigeht, ein anderes Ziel im Sinn. Es soll uns neue Perspektiven auf unser Wohnumfeld eröffnen und öffentliche Räume durch Kunst zu Orten des Gespräches, des Zusammenlebens machen. Die Moderation bei geführten Rundgängen übernimmt Otto Wynen. Und während also die einen vorbeieilen auf dem Weg zum Einkauf, nach Hause oder wo auch sonst hin, bleiben andere stehen und lassen sich einfangen von den zauberhaften Wesen der Franziska Zänker. Merkwürdig, dass man diesen höhlenartigen Raum noch nie beachtet hat…

Am zweiten Ort des Rundganges, einer Rasenfläche zwischen Bäumen neben dem Spielplatz Junckerburg, lädt eine weitere Neuruppiner Künstlerin, Annett Glöckner, zum „Gespräch mit Bäumen“. Stühle und Tische fordern zum Sitzen und Mitgestalten auf; an einer Leine zwischen den Bäumen hängen die Ergebnisse kreativen Gestaltens: mit Farbe gestaltete Bäume in jeder erdenklichen Vielfalt, aber auch Geschriebenes hauptsächlich über Bäume. Es sind sogenannte Textzeichnungen, ein bevorzugtes Genre der Künstlerin. Auch hier spielt das Wunder eine Rolle: Bäume als Wunderwerke der Natur. Im Gespräch wird deutlich, dass der Mensch sein Verhältnis zum Baum neu sortiert. Seine Bedeutung für die Natur, aber auch für den Menschen rückt in den letzten Jahren wieder stärker in das Bewusstsein. Beim Nachdenken darüber gibt es dafür mehrere Gründe. Dazu gehört, dass unsere Bäume leiden und dieses Leid wahrgenommen wird. Aber auch, dass die Wissenschaft Erstaunliches über das Leben unserer Bäume und ihre Kommunikation untereinander herausgefunden hat. Vielleicht nehmen wir Menschen Bäume inzwischen als komplexere Lebewesen wahr, die im Netz der globalen Artenvielfalt eine große Rolle spielen. An der Zeit wäre es! Annett Glöckner jedenfalls möchte uns mit ihrer Begeisterung für die Natur anstecken und regt dazu an, selbst künstlerisch tätig zu werden. Und jeden Tag folgen ihr Menschen, besonders viele Kinder.

„Gespräch mit Bäumen“: Annett Glöckner lädt bei „ZWISCHEN.ORTE“ zum Mitgestalten und Nachdenken über unsere Beziehung zur Natur ein. Zwischen den Bäumen werden Zeichnungen, Texte und Gedanken der Besucherinnen und Besucher selbst Teil des Kunstprojekts
Fotos: privat

Nun, an der dritten Station des Rundgangs, weitet sich der Raum erneut. Eine Wiese an der Ecke Heinrich-Rau-Straße / Junckerstraße hat es Ed Davenport angetan. Ein Pavillon beschirmt Technik, die jedes Herz für elektronische Musik höherschlagen lässt. Liegestühle laden zum Verweilen, zum Chillen und Zuhören ein. Es kann auch getanzt werden, je nach Lust und Laune und nach angebotener Musik. Der britische Künstler Ed Davenport ist Teil der internationalen Szene für elektronische Musik. Er lebt mit seiner Familie in Neuruppin. Sein Projekt trägt den Titel „Green Wave Soundsystem“ – Offenes Studio und Live-Pro-gramm. In diesen Tagen präsentiert er mit vielen auch namenhaften Künstlerkolleginnen und -kollegen, mit Musikproduzentinnen und Musikproduzenten Live-Performances, Sessions im offenen Studio und er bietet Workshops an. An dieser Station geht es um das Erkunden neuer musikalischer Räume. Anders als bei einem DJ entsteht dabei die Musik in diesem Augenblick, geprägt von Improvisation und Experimentierfreude und im Zusammenspiel mit den Zuhörern. Und sie geht in die Knie, denn niemand kann bei diesem Sound stillstehen!

Am Samstag, dem 3.10., wird Ed Davenport ab 15.00 Uhr dann die Musik zum Abschlussfest gestalten, davor gibt es einen letzten Rundgang ab 14. 00 Uhr. Treffpunkt dazu ist das Stadtteilzentrum Krümelkiste in der Otto-Grotewohl-Straße 1a. Und alle Angebote sind kostenfrei und an Jedermann gerichtet.
Wer eine Antwort auf die Frage finden möchte, wie Kunst das städtische Zusammenleben bereichern kann, dem sei empfohlen, sich auf den Weg zu machen und die drei ZWISCHEN.ORTE aufzusuchen. Gespräche darüber, neue Ideen und Vorstellungen dazu hat es jedenfalls schon zahlreiche gegeben in den letzten Tagen.

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