Die Lanke: Seit langem mal wieder auch im Winter ein Freizeitpark. Foto: macron
Die Winter werden deutlich wärmer. Seit 1940 ist die Durchschnittstemperatur um mehr als vier Grad gestiegen. Was bedeutet das für Schlittschuhlaufen, Eispartys und Wintertraditionen in unserer Stadt – und wie lange wird es das noch geben?
Von: macron
Wenn die Lanke in Neuruppin zufriert, zeigt sich ein Stück klassischer Winter. Doch diese Phasen werden seltener. Eine Auswertung der Temperaturdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Station Neuruppin aus den Monaten Dezember bis März (Zeitraum 1940–2024) zeigt einen klaren Trend: Die durchschnittlichen Wintertemperaturen haben sich um mehr als vier Grad Celsius erhöht. Das entspricht rund 0,5 Grad pro Jahrzehnt

Diese Entwicklung entspricht den Erkenntnissen der Klimaforschung: Der starke Temperaturanstieg lässt sich überwiegend durch den menschengemachten Klimawandel erklären, ausgelöst durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan.
Seen als Klimaindikatoren
Damit ein See zufriert, braucht es längere Frostperioden. Diese treten heute immer seltener auf. Statt anhaltender Kälte gibt es häufiger kurze Frostphasen mit Tauwetter. Eisdecken bleiben dünn oder bilden sich gar nicht mehr. Seen reagieren besonders sensibel auf Temperaturveränderungen und gelten deshalb als wichtige natürliche Klimaindikatoren .
Folgen für die Natur
Das Ausbleiben der Eisdecke hat ökologische Konsequenzen:
- Veränderte Stoff- und Energieflüsse: Ohne isolierende Eisdecke gelangen mehr Wärme, Windenergie und atmosphärische Stoffe in den See. Dadurch verändern sich Durchmischung, Nährstoffverfügbarkeit und Kohlenstoffkreisläufe, was die Bedingungen für das Frühjahr grundlegend verschiebt .
- Verschobene Planktonentwicklung: Unter Eis wachsen spezialisierte Winteralgen, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für Zooplankton bilden. Fällt diese Phase aus, kann es zu Störungen in der Frühjahrsblüte und im gesamten Nahrungsnetz kommen – mit möglichen Auswirkungen bis zu den Fischbeständen.
- Mehr Blaualgen und schlechtere Wasserqualität: Seen ohne Eis erwärmen sich im Frühjahr schneller. Das begünstigt wärmeliebende Cyanobakterien (Blaualgen), die giftige Stoffe bilden können und die Nutzung als Badegewässer einschränken.
- Verlust von Winterlebensräumen: Viele Organismen sind an kalte, lichtarme Winterbedingungen angepasst. Wenn diese ausbleiben, verändern sich Artenzusammensetzung und Häufigkeit bestimmter Arten dauerhaft .
- Sauerstoffmangel in tieferen Wasserschichten: Durch veränderte Schichtung und längere stabile Warmwasserphasen kann der Sauerstoffgehalt im Tiefenwasser sinken, was insbesondere für Fische und wirbellose Tiere problematisch ist Brandenburg besonders betroffen
Brandenburg zählt bereits heute zu den Regionen Deutschlands, die besonders stark von steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit betroffen sind. Der zusätzliche Stress durch mildere Winter verstärkt die Belastung für Seen und Feuchtgebiete .

Winter in Neuruppin – die Zahlen
Zeitraum: 1940–2024 (Monatsmittel Dez– März) Datenquelle: Deutscher Wetterdienst
Temperaturtrend:
+0,53 °C pro Jahrzehnt,
ca. +4,4 °C insgesamt
Kälteste Winter:
Anfang der 1940er: bis –5,5 °C
Wärmste Winter:
Seit 2000 mehrfach über +4 °C
Früher:
viele Winter unter 0 °C
Heute:
Mehrheit der Winter über +2 °C
Folge für Seen (z. B. Lanke):
stabile Eisdecken werden seltener
Ein lokales Zeichen des menschengemachten Klimawandels
Die Entwicklung der Wintertemperaturen in Neuruppin zeigt im Kleinen, was weltweit zu beobachten ist: Der Klimawandel verändert natürliche Abläufe. Ob die Lanke zufriert oder nicht, wird damit zu einer messbaren Folge menschlichen Handelns .
Setzt sich der Trend fort, werden geschlossene Eisdecken auf natürlichen Gewässern immer seltener. Die Frage ist daher nicht nur, ob man künftig noch auf der Lanke Schlittschuh laufen kann – sondern wie sich die Natur verändert, wenn selbst der Winter seine verlässliche Kälte verliert.
