Yvonne Zitzmann liest in der Fontane-Buchhandlung aus “Die geteilte Schuld”

War die Autorin in “Tage des Vergessens” durch einen abgründigen Humor aufgefallen, wird man nun von schonungsloser Auseinandersetzung sprechen dürfen. Am 18. Januar 2026 wird Yvonne Zitzmann in der Fontane-Buchhandlung ab 15 Uhr aus dem Werk lesen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Im Sommer 2023 war sie im Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg zu Gast. Die Lesung aus “Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester” war Teil des Fontane-Literaturfestivals. “Was haben die Menschen?”, wird in dem Werk zur Schicksalsfrage. Die Resonanz war seinerzeit sehr positiv.
Nun also “Die geteilte Schuld”. Titel und Werk haben tatsächlich einen Rückbezug auf Christa Wolfs Erzählung “Der geteilte Himmel” aus dem Jahr 1963. Aber die Erzählerin schaut ganz anders auf das geteilte Deutschland. Elternschaft rückt in den Mittelpunkt. Also das geteilte Glück?

Tina wird Mutter. Mischa wird Vater. 1977 haben sie sich kennen gelernt. Sie ist junge Kranführerin auf einer Großbaustelle. Er arbeitet mit an einem fernen Trassenprojekt in der UdSSR. Musik ist eigentlich seine Leidenschaft. Ein ostdeutscher Liedermacher mit Lust auf mehr Freiheit. Bis zur Schwangerschaft vergehen noch ein paar Jahre.
Markus wird Vater. Katja wird Mutter. Erst vor ein paar Jahren, von heute aus betrachtet, haben sie sich kennen gelernt. Er arbeitet im Mediensektor, leitend. Sie ist Autorin, Abteilung leichte Unterhaltung, hat aber auch Zeitungserfahrung. Er ist verheiratet und bereits Vater. Die Liebschaft führt in schlichte Hotelzimmer. Und nun das…
Katja ist übrigens die Tochter von Tina und Mischa. Der war 1986 nach einem Konzert im Westen nicht in den Osten zurückgekehrt. Seiner Poesie ist die Frage nach Verantwortung und Schuld nicht abträglich. Er kann das trennen. Die Maueröffnung führt Tina an den Rand des Wahnsinns. Und Yvonne Zitzmann nimmt die Lesenden einfach mit. Geschont wird man nicht.
Wie viel Autobiografisches in Katja steckt, wird die Autorin bei Fontane sicherlich gerne erläutern. Das Werk ist vielgestaltig. Der politische Hintergrund wird unaufdringlich erhellt. Ein Briefwechsel wirkt authentisch. Ebenso Mischas Poesie. Satire kann Yvonne Zitzmann übrigens auch. Im Fall der Suche nach einem Job in der Medienwelt von heute mit Jean im Gepäck ist es vermutlich Realsatire: “Können Sie sicherstellen, dass Sie alles stehen und liegen lassen, wenn ich am Abend vor dem Druckbeginn anrufe, weil mir einige Artikel nicht gefallen?”

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