Schwert und Flügel – wie aus einem Guss von der AfD in NRW plakatiert. Plakatausschnitt der AfD in NRW
Das Hermannsdenkmal steht vermutlich an der falschen Stelle. Aber die Aufregung rund um den Teutoburger Wald ist dennoch erheblich. Große Windkraftanlagen sollen geplant sein. Dagegen mobilisiert die AfD, vorneweg ihre streng patriotische Jugendorganisation. Anlass genug, mal das Terrain in Hakenberg bei Fehrbellin zu betrachten, wo ebenfalls Heldengedenken angesagt ist.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Das Plakat der AfD irritiert. Sollen die Kräfte gestärkt werden, die angeblich Windkraftanlagen unweit des Hermannsdenkmals platzieren wollen? Flügel und Schwert wie aus einem Guss? Eine Performance wie Kriegsballett? Der Germane mit Rückenwind? Sie üben wohl noch in Sachen Design. Aber der Termin für eine Protestdemonstration in Detmold scheint zu stehen. Ob das Denkmal, mit dem an einen folgenreichen Sieg der Cherusker gegen die Römer erinnert wird, nicht besser unweit von Osnabrück stünde, ist immer noch nicht geklärt. Selbst Tacitus schwieg darüber.
Im Landkreis OPR wird derzeit am Windplan der Zukunft gearbeitet. An der A 24 liegt ein Schwerpunkt in Höhe der Abfahrt Neuruppin. Die Abfahrt Fehrbellin wirkt gänzlich anders. Und rund um Hakenberg ist kein einziges Windrad zu sehen. Also bleibt es der Vorstellungskraft überlassen, das Denkmal, mit dem an die Schlacht bei Fehrbellin von 1675 erinnert wird, mit vergleichbaren Anlagen auszuschmücken. Ob das zu Protest führen würde, dem der AfD in NRW vergleichbar?

Foto: VHS
“Eines unserer nationalen Wahrzeichen ist in Gefahr”, liest man auf Facebook. Das Denkmal werde verzwergt, so die AfD. Der Wald werde massiv geschädigt. Die Anlagen sollen demnach 250 Meter hoch aufragen. Als Redner ist MdB Maximilian Kneller aus Bielefeld angekündigt, der für das Buch verantwortlich zeichnet, das wie ein besorgter Ratgeber daherkommt: “20 Gründe, mit dem Linkssein aufzuhören”.
Dort heißt es, dass Milliarden Insekten an den Rotoren zerquetscht würden. Traditionelle Kulturlandschaften würden durch Spargeltürme samt Rotorblättern ruiniert. Kneller kurz und kritisch-ironisch: “Notwendige Opfer auf dem Weg zum Klimasozialismus”.
Ob der Raum rund um das Denkmal von Hakenberg geschichtsbewusst und großzügig freigehalten wurde bei den bisherigen Maßnahmen zur Nutzung alternativer Energiequellen dieser Art? Oder käme dergleichen im Linumer Luch und drum herum ohnehin nicht in Frage? Die Gedenkstätte selbst hat eine überaus wechselvolle Geschichte, von der Einweihung am 2. September 1879, dem Sedantag, über Feierverbote zur NS-Zeit, Abrisspläne wegen Verfalls zur DDR-Zeit bis zur Restaurierung im Jahr 2000.
Der Dichter Heinrich von Kleist hat sich mit beiden Fällen befasst. Das Drama “Hermannsschlacht” hat zugleich Bezug zur Niederlage gegen Frankreich im Jahr 1808. “Prinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin”, etwas später verfasst, stand 2025 in Netzeband auf dem Freiluftprogramm, deutlich näher an Windkraftanlagenfeldern entlang der immer noch primär fossil geprägten Autobahnbewegungen.
