Stürmischer Ausklang der Sommerkonzertreihe mir “Into the winds”

Menschen beglücken, die Gäste durch musikalische Darbietungen verzücken und sie zumindest abends dem Alltag entrücken – so oder so ähnlich brachte Kirchenmusikdirektor Matthias Noack hin und wieder das Anliegen der Veranstalter der Sommerkonzertreihe 2026 zum Ausdruck. Zum Abschluss gab es “Into the winds” mit dem Wind-Quartett Neuruppin. Applaus und Atmosphäre legen den Verdacht nahe, dass auch diese Veranstaltung die angestrebte Wirkung nicht verfehlte.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Sabina Matthus-Bébié, Stefanie von Freymann, Sarah Frisch und Francisco Soutinho Ventura unterrichten an der Kreismusikschule Klarinette, Oboe, Querflöte oder Fagott – also Holzblasinstrumente, also Winds. Sicherlich waren auch deshalb prozentual mehr jüngere Menschen in der Klosterkirche als bei den vorausgehenden Konzerten. Sie durften die hohe instrumentelle Sicherheit bewundern, das wohlabgestimmte Zusammenspiel bestaunen, aber vor allem durften sie erleben, wie gut gelaunt und humorvoll konzertiert werden kann.
Man nehme nur die “Nachtmusik” zum Ausklang. Eugene Bozza hat keine Schlaflieder komponiert. Der Assoziationsraum ist offen. “Algero vivo” lässt sogar einen erneuten Aufbruch in die Nacht naheliegend erscheinen. Irgendwo ist immer was los. Temperamentvoll werden die vier Instrumente gespielt. Von Luise Hensels “Müde bin ich, geh’ zur Ruh’” kein Hauch. Nicht dass die Klosterkirche zur Schlafstätte wird.

Einfach stürmisch: Das Wind-Quartett

Eröffnet hatte das Wind-Quartett mit Fanfare und Marsch nach Gordon Jacob, allerdings nicht nach Art von Militärmusik. Instrumente wie Klarinette, Oboe, Querflöte und Fagott eigenen sich in ihren Eigenheiten nicht zur Monotonie und zum Gleichschritt – hinein ins Verhängnis. Die “Aubade” von Dinu Lipati gibt noch mehr Gelegenheit, den persönlichen Ton ins Spiel zu bringen, etwa zum Tanz. Die Klarinettistin erzählt, wie lange sie gezögert habe, sich ans Werk zu wagen. In diesem Quartett schien es möglich. Es war möglich und es war erfolgreich, der intensive Applaus war der beste Beweis. Dirigiert wird nicht. Man versteht sich fast blind und braucht auch keine erste Geige. Nur einen langen Atem. Und eine Fingerfertigkeit der besonderen Art! Was für ein Kollegium! Wenn das Schule machte! Lehrkräfte, die sich ins Rampenlicht trauen und sich selbst sehr viel abverlangen!

“Nachtmusik” mit Nachwirkungen…
Fotos: VHS

Gut 2500 Gäste bilanzierte Matthias Noack für diese Konzertreihe. Sein wunderbares Team ist ehrenamtlich aktiv. Sonderbar, dass die Stadt Neuruppin nicht stärker präsent ist, zumindest zum Auftakt und zum Ausklang. Die bildenden Künste erfahren da mehr persönliche und amtliche Aufmerksamkeit. Kirche und Staat bleiben eben streng getrennt. Das hat Verfassungsrang. Aber dieses Glücksgefühl, diese Inspiration, dieser Lebensquell – das würde auf den Ämtern doch sicher auch nicht schaden. 2027 kann kommen – in und für Neuruppin. Mal an die 3000 rangehen? Mit “Allegro risoluto” von Karl Goepfart lieferte das “Wind-Quartett” schon den Sound des Aufbruchs.
Wer nicht bis 2027 warten will auf Musikgenuss in Neuruppin, kann sich den 25. September 2026 schon vormerken für die “Nacht der Lichter”. Und noch einige andere Termine.

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