Neuruppin auf einem alten Gemälde, vermutlich 1668. Quelle: Wikipedia
„Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten, zu denen du sehr gern beitragen kannst“, liest man auf Wikipedia. Und weiter: „Seit März 2001 sind 3.088.708 Artikel in deutscher Sprache entstanden.“ Ein Vierteljahrhundert, das ist schon was. Eigentlich geht das Streben um belastbare Wissenquellen für alle Welt und auf allen Gebieten wesentlich weiter zurück. Letzte Fragen werden übrigens nicht beantwortet.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Ich weiß nicht, woraus das Rouge hergestellt ist, das ich meinen Wangen auflege”, soll Madame de Pompadour einmal bei Tisch gesagt haben. Man speiste mit König Ludwig XV. (1710 – 1774). Über die Chemie des Schießpulvers wurde angeblich auch gesprochen. Der Schriftsteller Voltaire (1694 – 1778) will das von einem Diener des Königs erfahren haben. Er erzählt allerdings davon, als wäre er selbst Augen- und Ohrenzeuge gewesen. Das Gespräch sei auf die auf Geheiß des Königs beschlagnahmte Enzyklopädie gekommen, aus der die Menschen in 21 Bänden erfahren könnten, was es mit Creme und Pulver auf sich hat und noch sehr viel mehr. Kluge Köpfe hatten sich an die Arbeit gemacht. Die Versammelten überzeugen sich selbst davon und staunen, doch es bleibt beim Verbot. Die ganze Geschichte lässt sich in gut 100 Zeilen nicht nacherzählen. Und das Erzählen ist sowieso nicht die Artikulationsvariante, die bei Wikipdia vorherrscht. Humor ist Tabu, außer thematisch. Ironie wäre das Letzte. Hetze das Allerletzte – außer als Tatbestand. Daten, Fakten, Sachaussagen bilden den Dreiklang. Kontroverses bleibt kontrovers. Bilder illustrieren. Zahlen zählen.
Schauen wir einmal, was über Neuruppin verlautet, Stichwort Stadtbrand, Stand 8. Januar 2026: „Ein Einschnitt in die Entwicklung der Stadt war der Flächenbrand vom Sonntag, dem 26. August 1787. Das Feuer brach in einer mit Getreide gefüllten Scheune am Bechliner Tor am Nachmittag aus und breitete sich rasch aus. Nur zwei schmale Bereiche am Ost- und Westrand der Stadt blieben erhalten. Insgesamt 401 bürgerliche Häuser, 159 Neben- und Hintergebäude, 228 Ställe und 38 Scheunen, die Pfarrkirche St. Marien, das Rathaus, die reformierte Kirche und das Prinzliche Palais wurden zerstört. Menschenleben waren nicht zu beklagen.“ Also „ausgebrochen“? Eine Art Selbstentzündung? Keine Brandstiftung? Die Aussagen wirken sachlich.

Quelle: Wir sind Neuruppin, Facebook-Account
Das Bemühen um Solidität ist zu spüren. Die Urheberschaft bleibt anonym. So geht man seit 25 Jahren vor – ehrenamtlich, offen für begründete Korrekturen, offen für neue Impulse. Beleg oder Verweis sind üblich.
Das Profil von Neuruppin umfasst weit mehr als nur, „Fontanestadt“ zu sein.
Auffällig ist, wie unnachgiebig im Fall von Neuruppin über Enthüllungen und Skandale berichtet wird, ebenso über Straftaten. Ein Beispiel: „Der ehemalige CDU-Stadtverordnete Olaf Kamrath wurde 2006 als ‚Kopf‘ der XY-Bande rechtskräftig unter anderem wegen bandenmäßigen Rauschgiftdelikten zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.“ Über die Bande ist an anderer Stelle mehr zu finden. Das Informationsnetz ist weit gespannt.
Zu tun bleibt immer etwas. Unter den Persönlichkeiten mit Bezug zum Ort wird Günter Rieger genannt: „Günter Rieger (* 1948), Verleger, Historiker, Maler und Fotograf, lebt und arbeitet im Neuruppiner Ortsteil Karwe.“ Ein Text zur Biografie ist noch nicht unterlegt. Also?
