Wasser aus dem Ruppiner See – heute noch erlaubt, morgen vielleicht nicht mehr?

Noch dürfen Anlieger Wasser aus dem Ruppiner See zur Gartenbewässerung nutzen. Doch zunehmende Hitze, längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserreserven werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wie selbstverständlich können wir künftig mit Wasser umgehen? Ein Blick auf Neuruppin zeigt, warum es dabei längst nicht nur um den Gartenschlauch am Seeufer geht.

Von macron

Der Ruppiner See gehört zu Neuruppin wie die Klosterkirche, Fontane und die Promenade. Er prägt das Stadtbild, ist Erholungsraum, Lebensraum und ein wichtiger Teil der Identität der Fontanestadt. Doch auch der größte See Brandenburgs nach natürlicher Ausdehnung steht zunehmend unter dem Einfluss einer Entwicklung, die längst nicht mehr nur ferne Regionen betrifft: Wasser wird knapper. Heiße Sommer, lange Trockenphasen und sinkende Wasserstände gehören inzwischen auch in Brandenburg immer häufiger zur Realität. In mehreren Landkreisen wurde deshalb die private Entnahme von Wasser aus Seen und Flüssen bereits eingeschränkt oder untersagt. Zuletzt hatte die Märkische Oderzeitung darüber berichtet, dass die Regelungen in Brandenburg sehr unterschiedlich gehandhabt werden.

Damit stellt sich auch für Neuruppin die Frage: Darf Wasser aus dem Ruppiner See eigentlich weiterhin genutzt werden, um den eigenen Garten zu bewässern? Die Antwort lautet derzeit: ja – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen. Wer mit seinem Grundstück unmittelbar an den See grenzt, darf im Rahmen des sogenannten Anliegergebrauchs grundsätzlich Wasser aus dem Gewässer entnehmen. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin besteht aktuell kein allgemeines Verbot der Wasserentnahme aus Seen und Flüssen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies dauerhaft so bleiben muss. Bereits jetzt zeigen sich die Folgen zunehmender Trockenperioden auch in der Region. Nach Angaben der zuständigen Behörden haben besonders kleinere Fließgewässer wie die Temnitz oder der Klappgraben in trockenen Jahren deutlich unter Wassermangel gelitten. Auch wenn die größeren Seen wie der Ruppiner See durch ihr Wasservolumen widerstandsfähiger erscheinen, reagieren auch sie auf längere Trockenphasen.

Der Klimawandel verändert dabei die Grundlagen des regionalen Wasserhaushalts. Höhere Temperaturen führen zu stärkerer Verdunstung, während Niederschläge unregelmäßiger fallen. Immer häufiger wechseln sich lange trockene Perioden mit Starkregenereignissen ab. Das Problem: Starkregen kann den Wassermangel häufig nicht ausgleichen. Trockene Böden nehmen große Wassermengen schlechter auf, ein Teil fließt oberirdisch ab, statt langfristig das Grundwasser zu erneuern.

Gerade Brandenburg ist besonders betroffen. Das Land gehört zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands. Nach Einschätzung des Landesumweltamtes ist die Grundwassersituation vielerorts angespannt, weil die Speicher nach mehreren trockenen Jahren nicht ausreichend aufgefüllt wurden.

Trinkwassertiefbrunnen bei Treskow

Damit rückt auch eine zweite Frage stärker in den Mittelpunkt: Ist es wirklich besser, den Garten mit Trinkwasser aus der Leitung zu bewässern?

Auf den ersten Blick scheint dies die naheliegende Alternative zu sein, wenn die Entnahme aus Seen begrenzt wird. Doch auch Trinkwasser ist keine unbegrenzt verfügbare Ressource. In Brandenburg wird es fast vollständig aus Grundwasser gewonnen. Dieses Wasser muss gefördert, gereinigt, kontrolliert und über ein aufwendiges Leitungssystem verteilt werden. Hochwertiges Trinkwasser, das eigentlich als Lebensmittel bereitgestellt wird, landet dann im Sommer auf Rasenflächen oder Beeten.

Damit entsteht ein Zielkonflikt: Wird Wasser aus natürlichen Gewässern entnommen, kann dies Seen und Flüsse belasten. Wird stattdessen Trinkwasser genutzt, steigt der Druck auf die Grundwasservorräte. Die eigentliche Lösung liegt deshalb vermutlich nicht in der Frage „See oder Wasserhahn“, sondern in einem grundsätzlich sparsameren Umgang mit Wasser.
Viele Maßnahmen beginnen bereits im Kleinen: Regenwasser sammeln, Zisternen nutzen, Böden entsiegeln, Wasser im Garten halten und Pflanzen auswählen, die besser mit trockenen Sommern zurechtkommen. Auch die Vorstellung vom immergrünen englischen Rasen könnte in Zeiten des Klimawandels zunehmend hinterfragt werden müssen.
Für eine Stadt wie Neuruppin geht es dabei um weit mehr als private Gartenpflege. Der Ruppiner See ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Grundlage für Tourismus und Naherholung und ein sensibles Ökosystem. Sinkende Wasserstände und steigende Temperaturen können Sauerstoffgehalt und Wasserqualität beeinflussen und unter anderem Algenwachstum begünstigen.Noch gibt es am Ruppiner See kein akutes Entnahmeverbot. Doch die Erfahrungen anderer Regionen zeigen, dass solche Entscheidungen oft schneller notwendig werden, als viele erwarten. Was heute noch selbstverständlich erscheint, könnte in wenigen Jahren neu bewertet werden müssen.

Die entscheidende Frage wird deshalb nicht sein, wer in Zukunft noch Wasser entnehmen darf. Entscheidend wird sein, wie es gelingt, die vorhandenen Wasserressourcen so zu nutzen, dass Mensch, Natur und kommende Generationen gleichermaßen davon profitieren.Denn der Ruppiner See ist mehr als ein Wasserspeicher vor der eigenen Haustür. Er ist eines der wertvollsten Naturgüter Neuruppins – und sein Schutz beginnt nicht erst dann, wenn der Pegel sichtbar sinkt.

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