Wanderer auf NS-Spuren im schönen Ruppiner Seenland?

Auf ein KfZ-Kennzeichen mit den Buchstaben NP – D wird man in Neuruppin wohl kaum treffen. Das hat gute Gründe. Zu sehr sind bestimmte Abkürzungen mit der Nazizeit verbunden, im Fall der NPD mit massivem Alt- oder Neonaziverdacht in der BRD seit den 60er-Jahren. Umso mehr wundert man sich, wenn plötzlich in Neuruppin vom “NS-Raum” zu lesen ist. Eine Ausstellung? Möglich. Ein Treff? Undenkbar. Und was ist mit Fontanes Leitwort, nur wenige Meter von einer Grundschule entfernt?

Von Volkmar Heuer-Strathmann

“Es ist ein weites Feld”, steht gut lesbar auf der Tür. Der Wanderstock lässt ebenfalls sofort an Theodor Fontane denken. Die Verknüpfung ist allerdings überraschend. Die Feststellung aus Fontanes Roman “Effi Briest” hat metaphorische Züge. Im Schlussatz wird die Wendung abgewandelt: “Ach, Louise, lass… das ist ein zu weites Feld.” Die Eltern ziehen eine Lebenbilanz der früh verstorbenen Tochter und stellen (sich) auch Schuldfragen. Es geht also um mehr als die bloße Veranschaulichung von Orientierungsschwierigkeiten.
Was die genannten Orte angeht, kann man doch gleich mal in den “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” blättern. “Eingesponnen in Gärten und Laub liegt es da”, heißt es über Molchow. Die Auflistung der Textstellen mit Bezug zu Fontanes Geburtsstadt Neuruppin nimmt fast eine Buchseite in Anspruch. Karwe und Wustrau zählt der erzählende Wanderer zu den “hübschen Dörfern” am Ruppiner See. An Ortsteile Neuruppins ist noch nicht zu denken. Von purer Schwärmerei ist Fontane weit entfernt, wenn es um seine Heimat im engeren Sinne geht, also um die Stadt Neuruppin. Dem Stock folgend, wird auf Google Maps für die reine Strecke von Molchow über Neuruppin bis nach Karwe und dann nach Wustrau ein halber Tag als Fußgängerzeit berechnet, ohne Station, ohne Pause, ohne Sehens- und Denkwürdigkeiten. Echte Wanderer und Wanderinnen gehen natürlich anders durch die Welt.

Aufs Ganze gesehen: Eine Tür mit einigem Hintersinn.
Fotos: VHS

Beispielsweise durch die Friedrich-Engels-Straße. Womöglich will jemand zu Fuß vom Braschplatz zum Schinkel-Denkmal und hält sich auf der “Engels” entsprechend links. Dann ist wenige Schritte von der Montessori-Schule entfernt allerlei Wand- und Türmalerei zu entdecken. Beim Museum hatte man vielleicht bereits über einen Aphorismus Fontanes zum Thema “Kriegsacker” nachgedacht. Nun also der “NS – Raum”. Plötzlich der genaue Blick. Keine Rede vom “NS-Raum”. Was fehlt, zählt. Die Leerstellen. Klarer Fall: Niedrigspannungsraum. Nur keine heillose Aufregung! Aber auch davor ist mit dem üblichen Blitzzeichen zu warnen.
Und der Fall Montessori? Seit Beginn des laufenden Kalenderjahres gibt es ein Forschungsprojekt an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf mit dem Titel “Montessori-Pädagogik im Kontext des Nationalsozialismus”. Also doch wieder NS-Raum. Einzelne Enthüllungen von Anbiederungen und Mittun sollen bereits elektrisiert haben, zumindest in der Bildungslandschaft, diesem weiten Minenfeld…

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