Das Luch bei Wall
Die Waldbrände in Südfrankreich wirken weit entfernt – doch auch in Ostprignitz-Ruppin können trockene Kiefernwälder und entwässerte Moore zu einer erheblichen Gefahr werden. Wenn Torfböden austrocknen, kann sich ein Feuer unterirdisch ausbreiten und über lange Zeit weiterschwelen. Umso wichtiger sind Wiedervernässung, Waldumbau und die konsequente Einhaltung der vereinbarten Klimaziele.
Von macron
Wie schnell Feuer bei Trockenheit und Wind außer Kontrolle geraten kann, zeigte sich Ende Juli 2026 in der Region. Bei Neuruppin-Treskow brannten etwa sieben Hektar eines Feldes. Die Flammen näherten sich einem Wohngebiet bis auf wenige Meter. Bei Braunsberg nahe Rheinsberg waren rund 90 Hektar landwirtschaftliche Fläche betroffen. Es handelte sich nicht um Moorbrände. Die Ereignisse zeigen aber, wie leicht Hitze, Trockenheit, Wind und brennbare Vegetation eine gefährliche Verbindung eingehen.
Greenpeace verweist in einer Petition auf Parallelen zwischen den Waldgebieten der französischen Gironde und den großflächigen Nadelholzbeständen in Brandenburg und Sachsen. „Gesunde, naturnahe Wälder binden große Mengen CO₂ und sind damit aktiver Klimaschutz“, heißt es darin. Gleichförmige Nadelholzbestände seien jedoch häufig weniger widerstandsfähig gegen Hitze, Trockenheit und Schädlinge als naturnahe Mischwälder.
Der Vergleich mit Südfrankreich darf nicht überzogen werden. Die klimatischen Bedingungen sind unterschiedlich. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten: Brandenburg gehört zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands, viele Wälder stehen auf sandigen Böden, die nur wenig Wasser speichern, und die Kiefer ist weiterhin die mit Abstand häufigste Baumarthttps://forst.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/BWI4%20Brandenburg-WEB.pdf. In dichten Kiefernbeständen können trockene Nadeln, Gras, Heide, Reisig und abgestorbene Äste eine hohe Brandlast bilden. Niedrige Äste und dichter Jungwuchs wirken wie eine Leiter, über die Bodenfeuer in die Baumkronen gelangen können. Bei Trockenheit und starkem Wind kann sich ein kleiner Brand deshalb schnell über große Flächen ausbreiten.
Besonders problematisch sind entwässerte Moore. In einem intakten Moor bleiben abgestorbene Pflanzenreste unter Wasser und Luftabschluss erhalten. So entsteht Torf, in dem über Jahrhunderte große Mengen Kohlenstoff gespeichert werden. Solange der Wasserstand hoch ist, kann dieser Boden kaum brennen. Sinkt der Wasserstand durch Entwässerung, gelangt Sauerstoff in den Torf. Er beginnt sich zu zersetzen, sackt ab und setzt Kohlendioxid frei. In längeren Trockenperioden kann er so stark austrocknen, dass er entzündlich wird. Ein Feuer kann dann in den Boden eindringen und sich entlang trockener Torfschichten und Wurzeln ausbreiten. Solche Schwelbrände sind schwer zu erkennen, aufwendig zu löschen und können nach Tagen erneut aufflammen.
Auch Ostprignitz-Ruppin besitzt zahlreiche Niederungen, Bruchwälder und Moorstandorte. Einige wurden bereits als geschädigt oder renaturierungsbedürftig erfasst. Im Kunstertal bei Neuruppin und am Großen Wummsee wurden Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushalts untersucht oder umgesetzt. Am Wummsee wurden unter anderem Staue eingebaut und Entwässerungsgräben teilweise verschlossen, damit mehr Wasser in der Landschaft bleibt. Diese Projekte zeigen, dass Wiedervernässung möglich ist. Sie zeigen zugleich, dass die Entwässerung vieler Moore bis heute nachwirkt. Wo Gräben weiterhin Wasser ableiten und Grundwasserstände dauerhaft niedrig bleiben, gehen die Zersetzung und Austrocknung des Torfes weiter. Damit steigen sowohl die Treibhausgasemissionen als auch die Gefahr schwer beherrschbarer Schwelbrände.

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Die zunehmende Wald- und Moorbrandgefahr ist kein zufälliges Naturereignis. Sie steht im Zusammenhang mit der menschengemachten Erderwärmung. Durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas steigt die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Hitzeperioden werden wahrscheinlicher, Trockenzeiten länger und Niederschläge unregelmäßiger. Einzelne Brände brauchen zwar immer eine konkrete Zündquelle. Die Klimakrise schafft jedoch zunehmend die Bedingungen, unter denen Feuer leichter entstehen und sich schneller ausbreiten. Waldbrandschutz darf deshalb nicht allein als Aufgabe der Feuerwehren verstanden werden. Übungen wie die große Waldbrandübung in der Rüthnicker Heide sind unverzichtbar. Die Feuerwehren können im Einsatz jedoch nicht ersetzen, was langfristig notwendig ist: Wasser in der Landschaft zu halten, Moore zu schützen, Wälder widerstandsfähiger zu machen und den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu senken.
Der Landkreis sollte zunächst eine aktuelle Übersicht über entwässerte Moorflächen, Torfmächtigkeiten, Entwässerungsgräben und saisonale Wasserstände erstellen. Besonders gefährdete Flächen in der Nähe von Wäldern, Bahnstrecken, Straßen, landwirtschaftlichen Betrieben oder Siedlungen müssten gesondert untersucht werden. Die allgemeine Waldbrandgefahrenstufe reicht dafür nicht aus, weil sie nichts darüber aussagt, wie tief ein einzelner Torfkörper bereits ausgetrocknet ist. Wo es fachlich möglich ist, sollten Gräben verschlossen, angestaut oder zurückgebaut werden. Wiedervernässung bedeutet dabei nicht, Flächen unkontrolliert zu überfluten. Sie muss gemeinsam mit Eigentümern, Landwirtschaft, Wasserverbänden, Naturschutzbehörden und Kommunen geplant werden.
Auch die Nutzung ehemaliger Moorflächen muss neu gedacht werden. Eine Möglichkeit ist die Paludikultur, also die Bewirtschaftung nasser oder wiedervernässter Böden mit Pflanzen wie Schilf, Rohrkolben oder Seggen. Diese können beispielsweise als Bau-, Dämm- oder Substratmaterial genutzt werden. Dafür benötigen landwirtschaftliche Betriebe verlässliche Förderprogramme, Beratung und Absatzmöglichkeiten. Moorschutz darf nicht allein auf Kosten derjenigen gehen, die die Flächen bewirtschaften. Parallel muss der Waldumbau fortgesetzt werden. Gleichförmige Kiefernforste sollten auf geeigneten Standorten schrittweise zu vielfältigen, strukturreichen Mischwäldern entwickelt werden. Auf Moorböden steht dagegen nicht die Pflanzung anderer Bäume an erster Stelle, sondern die Wiederherstellung eines dauerhaft hohen Wasserstandes. Moorflächen müssen außerdem stärker in die Einsatzplanung des Katastrophenschutzes aufgenommen werden. Feuerwehren brauchen Informationen über Lage und Tiefe der Torfböden, Wasserentnahmestellen, befahrbare Wege und mögliche unterirdische Ausbreitungswege. Ein Moorbrand stellt andere Anforderungen als ein gewöhnlicher Wald- oder Feldbrand.
Neben diesen regionalen Maßnahmen müssen die vereinbarten Klimaziele eingehalten werden. Die Erderwärmung muss so weit wie möglich begrenzt werden. Dazu gehört ein schneller und verbindlicher Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Erdgas. Werden fossile Energien weiterhin in großem Umfang genutzt, werden auch die besten Anpassungsmaßnahmen irgendwann an ihre Grenzen stoßen.
Moorschutz, Waldumbau und Klimaschutz gehören zusammen. Intakte Moore speichern Kohlenstoff, halten Wasser zurück und können als natürliche Brandbarrieren wirken. Vielfältige Wälder sind gegenüber Hitze, Trockenheit und Schädlingen widerstandsfähiger als geschwächte Monokulturen.
Ostprignitz-Ruppin muss nicht zwangsläufig Brände erleben, wie wir sie aus Südfrankreich kennen. Doch die Voraussetzungen für gefährliche Vegetations- und Schwelbrände sind vorhanden. Vorbeugung beginnt deshalb nicht erst mit dem Löschfahrzeug. Sie beginnt mit Wasser im Moor, widerstandsfähigen Wäldern, einer angepassten Landnutzung und einer Klimapolitik, die ihre eigenen Ziele ernst nimmt. Denn wenn ein entwässertes Moor brennt, wird ein gefährlicher Kreislauf in Gang gesetzt: Die menschengemachte Erwärmung trocknet Wälder und Moore aus, Brände setzen zusätzliches Kohlendioxid frei und dieses beschleunigt die Erwärmung weiter. Je früher Wasser in der Landschaft gehalten, Moore wiedervernässt und Wälder umgebaut werden, desto größer ist die Chance, diese Entwicklung zu begrenzen.
