9 Uhr 30 – Stadtcafé

Eine Begegnung mit Volkmar Heuer-Strathmann – kurz: VHS

Hier sitzt er oft: Volkmar Heuer-Strathmann. Mit einer Tasse Kaffee – und einem offenen Ohr für alles, was Neuruppin bewegt. Gespräche über Kultur, Geschichte, Alltag und das Leben selbst entstehen ganz nebenbei.
Wer sich dazusetzt, nimmt meist mehr mit als nur einen guten Kaffee.

Von: Otto Wynen

Ein Geheimnis werden wir nicht lüften können – weil es ja kein Geheimnis ist, dass Volkmar Heuer-Strathmann gerne in den Morgenstunden eine Tasse Kaffee trinkt. Und wer Lust hat, sich dazuzusetzen, würde bestimmt nicht abgewiesen. Ganz im Gegenteil. Allein in diesem Stündchen geselligen Plauderns über Gott und die Welt und nicht zu vergessen Neuruppin hat VHS sich einen Einblick in das Leben und die Geschichte Neuruppins verschafft, den andere nicht in vielen Jahren gewinnen. Man muss eben neugierig sein. Unaufdringlich neugierig. Vielleicht auch weniger neugierig als hellhörig. Ein guter Zuhörer also. Und das ist der – jetzt muss es endlich gesagt werden – „langhaarige“ Kaffeetrinker. Manch einer hatte ihn hier und da schon mit der grünen Legende Wolfgang Freese verwechselt. Aber man muss gar nicht so genau hinschauen, um den Unterschied deutlich zu sehen. Trotzdem haben sie tatsächlich etwas gemeinsam: Sie sind, sie waren muss es richtiger heißen, beide Lehrer. Und nicht nur das: Sie waren beide engagierte, leidenschaftliche Lehrer. Und beide sind heute Rentner.

Aber wir wollten über Volkmar Heuer-Strathmann sprechen: Politiklehrer war er und Deutschlehrer und Lehrer für Darstellendes Spiel. Dem Theater galt und gilt seine ganze oder genauer gesagt: seine halbe Leidenschaft. Zwar inszenierte und inszeniert und schreibt er Theaterstücke, in erster Linie für SchülerInnen, aber nicht nur. Und hier in Neuruppin bahnt sich gerade eine Zusammenarbeit mit den Studenten der hiesigen Hochschule an. Aber die andere Hälfte seiner Leidenschaft gilt dem Journalismus. Seit mindestens vierzig Jahren. Bis heute und vermutlich bis in alle Ewigkeit.

Treten wir nochmal einen Schritt zurück. Wo kommt er denn her, dieser Volkmar Heuer-Strathmann? Fragt man ihn, bekommt man zunächst ein verschmitztes Lächeln und dann eine Antwort wie ein Puzzle-Spiel. Er ist ein wenig durch die deutsche Welt gekommen. Und immer war er in geradezu mythischen Landschaften. Geboren offenbar im Rheinland

Wieso er von dort nach Hannover ging, um dort Politik und Germanistik zu studieren, kann ich leider nicht sagen. Die Universität Hannover aber war, unsere „Wessis“ wissen das vielleicht, eine linke Hochburg. Keine Kaderschmiede wie Bremen, eher das Mekka der kritischen Theorie und kritischer linker Geister.
Wie Volkmar Heuer-Strathmann danach ins Berufsleben überwechselte, entzieht sich wieder meiner Kenntnis, ist vielleicht auch nicht so wichtig. Er wurde Gymnasiallehrer und wollte, selbst als er das Pensionsalter erreicht hatte, nicht von der Schule lassen.

VHS 2020 mit Enkel Levi im Schaumburger Land
Fotos: VHS


Es war ein – für uns alle – glücklicher Zufall, dass seine Tochter mit ihrer Familie vor ein paar Jahren nach Neuruppin zog. Zwei Kinder hat die Familie und weil beide Elternteile berufstätig sind, brauchte es einen helfenden Großvater. Und dies ist die nächste große Leidenschaft, die aller-alleroberste, allergrößte Leidenschaft: die Familie, die Enkelkinder. Mit denen zieht er tagein, tagaus, durch unsere schöne Stadt. Erzählt, spielt, hört zu und genießt.
Immer wieder frage ich mich, wie er das alles schafft: Kinderbetreuung, Kaffee trinken und schreiben, schreiben, schreiben. Seit VHS vor nunmehr zweieinhalb Jahren hier „aufschlug“ wurde er zum „festen Bestandteil“ des Kulturlebens. Ganz gleich, ob Theater, ob Literatur, ob Musik oder Film – es muss schon etwas Außergewöhnliches dazwischenkommen, dass er irgendeine dieser Veranstaltungen versäumt. Bei Aequinox war er wieder mal im Großeinsatz.
Wer einmal einen Text von ihm gelesen hat, könnte schnell süchtig werden. Da bekommt man nicht einfach „runtergekaut“, was es zu sehen oder zu hören gab; mit seinem ganz eigenen Blick, mit seinen Assoziationen und mit wahrlich enzyklopädischem Wissen verwandelt er das Gesehene oder Gehörte in ein ganz eigenes Kunstwerk. In Miniaturen der Neuruppiner Kunstgeschichte. Mit Johann Gottfried Herder und Wilhelm Busch als Gewährsleuten.
Wissen Sie jetzt etwas mehr über Volkmar Heuer-Strathmann?
Nein? Nicht?
Setzen Sie sich doch einfach dazu:
9 Uhr 30 – Stadtcafe´.

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