Visualisierung der geplanten Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes Rheinsberger Tor: Der heutige Parkplatz soll einem grüneren Mobilitätsknoten mit kurzen Wegen zwischen Bahn, Bus, Rad- und Fußverkehr sowie neuen Aufenthaltsbereichen weichen. Visualisierung: Adrian Calitz. Grafik: © WES Landschaftsarchitekten
Noch dominieren Autos den Vorplatz am Bahnhof Rheinsberger Tor. Ab September soll sich das grundlegend ändern. Kurz vor dem geplanten Baustart hat die Fontanestadt Neuruppin jetzt eine eigene Projektwebsite freigeschaltet. Dort werden nicht nur die Planungen vorgestellt, sondern künftig auch Informationen zum Bauablauf, zu Sperrungen und aktuellen Entwicklungen veröffentlicht.
Von macron
Über die Pläne für das Rheinsberger Tor wird in Neuruppin schon seit Jahren gesprochen. Im Dezember 2025 wurde es dann finanziell konkret: Brandenburgs damaliger Infrastrukturminister Detlef Tabbert übergab einen Förderbescheid über rund 3,1 Millionen Euro. in-neuruppin.de berichtete seinerzeit ausführlich über das Vorhaben, aus dem bisherigen Bahnhofsvorplatz einen modernen Verknüpfungspunkt von Bahn, Bus und Fahrrad zu machen.
Nun rückt der Baubeginn näher. Nach Angaben der Stadt sollen die Arbeiten im September 2026 beginnen und voraussichtlich bis Dezember 2027 dauern. Die Gesamtinvestitionen werden inzwischen mit rund 5,05 Millionen Euro angegeben, davon kommen rund 3,1 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „ÖPNV-Invest“ des Landes Brandenburg.
Dass eine eigene Projektseite eingerichtet wird, ist durchaus bemerkenswert. Nach unserem Bericht über die Fördermittelübergabe hatte ein Leser auf in-neuruppin.de kritisiert, dass konkrete Planungen und Unterlagen auf den Internetseiten der Stadt kaum zu finden seien. Gefragt wurde damals unter anderem nach Baumfällungen, Versiegelung, Aufenthaltsqualität und den konkreten Elementen einer angekündigten „Schwammstadt“. Viele dieser Fragen beantwortet die neue Seite nun erstmals gebündelt.
Der Handlungsbedarf am Rheinsberger Tor ist offensichtlich. Der Bahnhof ist Neuruppins wichtigster Verkehrsknotenpunkt, doch ein erheblicher Teil des Vorplatzes wird bislang als Parkplatz genutzt. Die Busse halten dagegen an der Karl-Marx-Straße. Gerade zu den Hauptverkehrszeiten treffen dort wartende Fahrgäste, Fußgänger, Radfahrer und Autos auf vergleichsweise engem Raum aufeinander. Wer an der Haltestelle auf der Seite des Kulturhauses ein- oder aussteigt, muss zudem die Karl-Marx-Straße überqueren.
Genau das soll sich ändern. Die Busse werden künftig unmittelbar am Bahnhof halten. Vorgesehen sind fünf barrierefreie Haltestellen und eine zusätzliche Position für wartende Busse. Hinzu kommen neue Fahrradabstellmöglichkeiten, 100 Fahrrad-Etagenparker und 20 Fahrradboxen, Möglichkeiten zum Laden von Akkus beziehungsweise zur Fahrradreparatur, digitale Fahrgastinformationen, Sitzgelegenheiten sowie eine öffentliche Toilette. Der gesamte Bereich soll barrierefrei mit stufenlosen Wegen und taktilen Leitelementen gestaltet werden.
Der heutige P+R-Parkplatz verschwindet damit weitgehend vom Bahnhofsvorplatz. Zusätzliche Stellplätze für Pendler wurden stattdessen entlang der Ernst-Toller-Straße geschaffen. Während der Bauzeit soll außerdem die P+R-Anlage am Bahnhof Neuruppin West um 200 Stellplätze erweitert werden.
Damit verändert sich am Rheinsberger Tor mehr als nur die Verkehrsführung. Der Platz soll vom Parkplatz zu einem Stadtraum werden, der zugleich Verkehrsknoten, Aufenthaltsort und Eingang zur Altstadt ist. Bereits beim Rundgang zum Tag der Städtebauförderung im Frühjahr hatte Baudezernent Jan Juraschek auf neue Bäume, Regenwassernutzung und Elemente des Schwammstadt-Prinzips hingewiesen. in-neuruppin.de berichtete damals auch darüber, dass die Umgestaltung des Bahnhofs mit weiteren Projekten wie den P+R-Flächen an der Ernst-Toller-Straße und der Entwicklung des Kirchplatzes zusammenhängt.
Dass für die Neugestaltung zunächst Bäume weichen müssen, dürfte dennoch Diskussionen auslösen. Nach Angaben der Stadt sollen 15 Bäume gefällt, anschließend jedoch 25 neue Bäume sowie zusätzliche Grünflächen angelegt werden. Verwendet werden sollen standortgerechte und klimaresiliente Arten. Auch die Regenentwässerung wird nach Angaben der Stadt so angelegt, dass Niederschlagswasser möglichst den Baumstandorten und Grünflächen zugutekommt.

Foto: Macron
Baudezernent Jan Juraschek spricht deshalb von einem „zukunftsgerechten Stadtraum“, der sowohl den Anforderungen der Mobilitätswende als auch der Klimaanpassung gerecht werden solle. Entscheidend wird am Ende sein, ob sich dieser Anspruch auch im gebauten Ergebnis wiederfindet: kurze und sichere Wege, ausreichend Schatten und Grün, gute Bedingungen für Radfahrende und Fußgänger und vor allem ein komfortabler Übergang zwischen Bus und Bahn.
Denn ein moderner Bahnhofsvorplatz allein löst noch nicht alle Verkehrsprobleme Neuruppins. Schon beim Tag der Städtebauförderung wurde deutlich, dass für Bürgermeister Nico Ruhle, Landrat Ralf Reinhardt und Baudezernent Jan Juraschek die Qualität des Verkehrsknotens eng mit der Qualität des Bahnangebotes verbunden ist. Sie warben gegenüber Infrastrukturminister Robert Crumbach erneut für eine dichtere Bahnanbindung der Stadt.
Auch die Stadt stellt auf ihrer neuen Projektseite einen Zusammenhang zum Ausbauprogramm i2030 her. Die Elektrifizierung der Strecke und die geplante Verlängerung der RB55 sollen perspektivisch einen verlässlichen 30-Minuten-Takt zwischen Neuruppin und Hennigsdorf ermöglichen – langfristig soll die Verbindung weiter in Richtung Berlin reichen.
Während der rund 15-monatigen Bauzeit wird es allerdings Einschränkungen geben. Die Bushaltestellen sollen grundsätzlich erhalten, zeitweise aber verlegt werden; Fahrpläne und Linienführungen sollen nach Angaben der Stadt unverändert bleiben. Zeitweise werden der Gehweg an der Karl-Marx-Straße sowie der Durchgang zwischen Kommunikation und Karl-Marx-Straße gesperrt. Der Weg von den Wallanlagen zum Rheinsberger Tor soll während der Bauarbeiten nicht nutzbar sein.
Gerade deshalb kommt der jetzt gestarteten Projektkommunikation Bedeutung zu. Die Stadt kündigt neben der Internetseite Informationen über soziale Medien und im öffentlichen Raum an. Wenn dies tatsächlich kontinuierlich geschieht, wäre das nicht nur bei möglichen Verkehrsbehinderungen hilfreich. Es könnte auch dafür sorgen, dass eines der größten aktuellen Stadtentwicklungsprojekte Neuruppins für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer wird.
Aus einem Parkplatz soll ein Mobilitätsknoten und Stadteingang werden. Ab September wird sich zeigen, wie dieser Anspruch Stück für Stück Realität wird.







