Wolken über Schloss Rheinsberg – ein Zeichen drohenden Unheils?
In einem Artikel in der Wochenzeitung “Die Zeit” wird der Konklikt um die Trägerschaft für das Tucholsky-Museum in Rheinsberg als offen dargestellt. Und zugleich als festgefahren. Stadt oder Landkreis – das sei die Frage, verbunden mit dem Problem der Schwerpunktsetzung, etwa im Hinblick auf die Forschung. Fortsetzen oder fallen lassen? Es geht um viel Geld. Womöglich wird das Thema am Montag bei der Veranstaltung “Bürger fragen – Politiker antworten” im Dorfgemeinschaftshaus Wildberg aufgegriffen. Und die Pauschalkritik der Journalistin ebenfalls?
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Um es vorweg zu sagen: Die Reportage von Ann-Kristin Tlusty lässt vieles offen. Dass der aufgebrachte Stadtschreiber Max Czollek und der gern als AfD-nah eingeordnete Rheinsberger Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow aufeinandergetroffen sind, als es im Museum um die Gefährdung desselben und seine Erhaltung ging, scheint nicht bekannt zu sein. Peter Graf, der für das Programm Hauptverantwortliche, wird von der Journalistin nach ihrem Besuch zitiert: “Es gibt keinen Einfluss vonseiten der Stadt auf das, was wir hier machen.” Bei Versuchen politischer Einflussnahme würde er Konsequenzen ziehen. Da darf man gespannt sein, wie sich die Kandidaten für das Amt des Landrats in OPR positionieren, falls Anlass besteht.

Schwochow (BVB/Freie Wähler) wies seinerzeit die von Czollek gewählte Terminologie entschieden zurück, denn er sei kein “Rechtsextremist”. Und seine Wähler seien nicht als “nicht-demokratisch” einzustufen. An der Bedeutung des Schriftstellers und Journalisten Kurt Tucholsky für Rheinsberg und weit darüber hinaus ließ Schwochow – als Bürger – keinen Zweifel. Max Czollek nahm nichts zurück an Argwohn und Kritik, Schwochow hörte, was Czollek im Rheinsberger Bogen notierte: “Tucholsky ist mehr als Tourismus, Rheinsberg ist auch mehr als sein Bürgermeister.” Und der Landkreis, falls…?
Wie aber steht das Tucholsky-Literaturmuseum eigentlich selbst derzeit da? Ann-Kristin Tlusty nimmt kein Blatt vor den Mund: “Das museale Andenken an den großen Autor ist gegenwärtig schon in keinem rundweg erfreulichen Zustand.” Ein Foto, auf dem man Besucher und Besucherinnen vergebens sucht, aber genug altmodische hohe Glasvitrinen mit prägnanten Objekten sieht, außerdem weiteres Anschauungsmaterial an den Wänden, hat die lakonische Bildunterschrift: “So wenig aufregend, wie es Literaturmuseen leider oft sind”.

Fotos: VHS
Folgt man dieser Sicht, erreichen die Finanzierungsfragen eine ganz andere Dimension. Hält man sie – wie der Verfasser – für ein wenig übertrieben, bleibt doch – insbesondere nach einem Besuch im Wustrau im neu aufgestellten (privaten) Brandenburg-Preußen-Museum – der Eindruck, im Hinblick auf Mediennutzung wäre mehr möglich. Und die Kontroverse um das Tucholsky-Wort aus dem Jahre 1931, Soldaten seien Mörder, hat an Brisanz auch nichts verloren. Da geht noch was. Und da kommt vermutlich noch mehr Zündstoff. Ein Schaukasten mit möglichst aktuellem Bildmaterial hätte seinen Bezug zu Tucholsky schon durch jeweils ein Zitat. Nehmen wir doch mal das Folgende, ebenfalls aus dem Jahr 1931: “Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.”
In Wildberg sind ab 18 Uhr Amtsinhaber Ralf Reinhardt (SPD) und die Kandidaten Thomas Kresse (parteilos) und Torsten Arndt (AfD) im Bürgerdialog zu erleben. Zu den Moderierenden gehört die Kulturjournalistin Christina Tillmann.
