Glosse: Arndt und Buch – ein ungeklärtes Kapitel

Das Stechen naht. Die Stichwahl steht vor der Tür. Wer wird Landrat? Ralf Reinhardt oder Torsten Arndt? Der AfD-Mann, der in Buch zur Welt kam, wirbt für sich, als wäre ein Feuer zu bekämpfen. Aber was steckt dahinter? Wer eine Suchmaschine mit “Arndt” und “Buch” auf die Suche schickt, erfährt Überraschendes. Arndt – ein nationalistischer Verseschmied?

Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Vereint zur guten Stunde, wir starker, deutscher Männerchor”, hebt Arndt an. Welches Mannsbild alter deutscher Schule sänge da nicht gerne mit? “Verderben allen, die es höhnen!” Das gilt den Spöttern, so Deutschlands Sohn. Die Hände hoch? Nein! “Die Hände und die Herzen hoch! Es lebe alte deutsche Treue! Glück dem, der mit ihm fällt und steht!” Am Ende geht’s um das “Heil, das uns kein Teufel raubt”. Über die Presse lässt sich dieser Arndt auch aus: “Ja presset mit eurer Presse, setzt, presset, drucket allein. Ich kenn′ eine feurige Esse, die schmiedet und gießt auch fein.”
AfD-Vormann Tino Chrupala wurde mal gefragt nach Gedichten, die ihm zusagten und auswendig gelernt werden sollten. Die AfD ist ja ganz heiß auf deutsche Leitkultur. Die Antwort: Schweigen. Verlegenheit. Stille. Auf Arndt hätte er zurückgreifen können. Der frug: „Was ist des Deutschen Vaterland? Ist′s Preußenland, ist′s Schwabenland? Ist′s, wo am Rhein die Rebe blüht? Ist′s, wo am Belt die Möwe zieht?“ Die Antwort: „O Nein! Nein! Nein! Sein Vaterland muß größer sein.“ Die Folgen sind bekannt. Aber schlimmer geht immer: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte, drum gab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in seine Rechte, drum gab er ihm den kühnen Mut, den Zorn der freien Rede, dass er bestände bis aufs Blut, bis in den Tod die Fehde.“ Die Zeitung Junge Freiheit lädt schon länger dazu ein, sich mit Arndt zu befassen.

Nach rechts geht’s Elle um Elle einfach nur noch bergab…
Fotos: VHS

Endlich kommt man dahinter. Das sind gar keine Texte aus Torsten Arndts Musikerleben. Ernst Moritz Arndt ist der Verfasser der Verse. In der Tat ein schwieriger Fall. Von preußischer Polizei heimgesucht. Von den Nazis hofiert und adaptiert. Doch weiter mit “Arndt” und “Buch”. Da geht noch was, da gibt’s noch mehr. Susan Arndt hat sich als Autorin mit Rassismus und Sexismus befasst. Nun gilt ihre Sorge dem “fruchtbaren Boden”, auf den die Afd im Osten der BRD treffe. “Ich bin ostdeutsch”, beginnt ihr Buchtitel. Hätte man sie doch bloß schon 2025 in den Landkreis OPR zum Literarischen Bilderbogen eingeladen. “Die AfD steht für eine nationalistiche Wende, in der ‘Volk’ im Sinne von Leitkultur ‘weiß’ und christlich sozialisiert bedeutet.” Und weiter: “Nazisprech wird kopiert, Kolonialismus und Nationalsozialismus werden verharmlost.” Ob sie ahnt, dass ein namensgleicher Arndt die Wahlberechtigten in OPR auf AfD-Art umgarnt? “Nicht für linke Hände”, steht auf einem Zollstock, den Torsten Arndt zur Stichwahl verschenkt. Nun sieht man überall im Landkreis Menschen, die nur mit der Rechten am Zollstock herumfummeln, um ihren Horizont zu vermessen, und schon im Ansatz elend scheitern. Es sei nicht wörtlich gemeint, hört man aus dem Umfeld des Feuerwehrautos. Also doch Lyrik? So wegweisend wie die folgenden Verse von Arndt? “Einfalt, Demut, Redlichkeit stehn dir wohl, o Sohn vom Teut.“

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