Baneen Raboea und Nico Ruhle auf der Toleranzbank.
Eigentlich sollte das Projekt Toleranzbank schon 2024 in Neuruppin laufen, als das Grundgesetz seinen 75. Geburtstag feierte. Die Gründe für eine klare Grenzziehung gegenüber rassistischen Positionen und rassistisch eingestellten Personen sind seitdem nicht weniger geworden. Nun gibt es vor dem Eingang zum Rathaus A und zum Rathaus B jeweils eine Sitzgelegenheit dieser Art mit dem Hinweis: “Kein Platz für Rassismus!”
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Bürgermeister Nico Ruhle (SPD) betonte anlässlich der Einweihung, dass es zu seinem Verständnis von Kommunalpolitik und Gemeinwesen auf der Basis des Grundgesetzes gehöre, ein deutliches Signal gegen Rassismus zu setzen. Dazu böten diese Bänke Gelegenheit. Gemeinsam mit Baneen Raboea, der stellvertretenden Sprecherin des Migrationsrates, nahm Ruhle auf der Bank Platz. Sitzt dort jemand, sticht der kurze Hinweis noch mehr ins Auge. Wird das “K” verdeckt, öffnet sich ein Abgrund für Rassisten.
Die Initiative Tolerantes Bandenburg war ebenfalls vertreten. Außerdem Martin Osinski als Sprecher des Bündnisses “Neuruppin bleibt bunt” und weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger. Mario Zetzsche, der Leiter des Amtes für Kultur und Tourismus, führte die Versammelten zum Rathaus B. Insgesamt gibt es in Neuruppin nun vier solche Sitzgelegenheiten mit Leerstelle. Ob sie unbeschädigt bleiben, wird sich zeigen.

Fotos: VHS
Die aktuellen Debatten in der Partei Die Linke und prominente Austritte zeigen, dass es mit einem einfachen traditionellen Politikschema nicht mehr getan ist. Auch das wurde hier ganz am Rande Thema. Die Pointe auf den Punkt gebracht: “Was für den Betrachter Rechts ist, ist für die Rastmachenden Links.” Auf einer Veranstaltung im Cafe Tasca war erst zwei Tage zuvor diskutiert worden, ob bestimmte rassistische Denkschablonen nicht längst in der sogenannten Mitte angekommen seien, etwa in der Asyl- und Migrationspolitik auf Bundesebene oder im Rahmen der Europäischen Union.
Wer vom Vorplatz des Rathauses Richtung Innenstadt blickt, wird mit dem Urverständnis der Menschenrechte konfrontiert: “In jeder Brust schlägt das gleiche Herz.” Was macht das mit dem Puls von Rassisten und Rassistinnen und ihrem Menschen- und Weltbild?
