Untersuchung des “Todesmarschs” im April 1945 wird in Below vorgestellt

Die Gedenksteine sind kaum zu übersehen. An vielen Stellen im Landkreis OPR wird an den “Todesmarsch” vom April 1945 erinnert, der zunächst bis Below, heute Wittstock, führte. Am 25. Juli 2026 wird die Historikerin Janine Fubel ihre Untersuchung der “Auflösung des Konzentrationslagers Sachsenhausen 1945” in der Gedenkstätte in Below vorstellen. Im Buch geht es auch um den qualvollen Weg durch Orte wie Neuruppin oder Rheinsberg.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Entwicklung in den deutschen Konzentrationslagern in den Jahren 1944 und 1945 war nicht einheitlich. Das Kriegsgeschehen ist entscheidend und damit auch die geografische Lage. Auch Spurenbeseitigung wurde unterschiedlich betrieben. In Polen waren teils eigens dafür gebildete NS-Kommandoeinheiten unterwegs. Ein Gesamtplan lag nicht vor.
Dass es genau 80 Jahre gedauert hat bis zum Erscheinen einer Untersuchung der Auflösung des KZ Sachsenhausen im Frühjahr 1945 überrascht, wenn man sich vergegenwärtigt, wie zahlreich die Gedenksteine allein im Landkreis OPR an den entsprechenden Straßen und Plätzen sind. Nur wenige hundert Meter vom KZ selbst entfernt steht der erste. Auf einem einheitlichen Schild wird der Weg skizziert und die Ermordung von 6000 Häftlingen angeprangert. Das Symbol und das schemenhafte Bild lassen die Sichtweise zur DDR-Zeit erkennen. Janine Fubel indessen liefert ein differenzierteres Bild, etwa im Hinblick auf Frauen und Kinder und auf die unterschiedlichen Gruppen der NS-Opfer. Auch im Hinblick auf Täter und Täterinnen schaut die Historikerin genau hin. Und unterwegs kommt der Blick auf die Menschen an der Wegstrecke hinzu.
Wie die Beschränkung der Perspektive in der Gedenkstätte in Sachsenhausen selbst ab 1990 allmählich überwunden wurde, wird in dem von Günter Morsch und Astrid Ley herausgegebenen Band “Das Konzentrationslager Sachsenhausen – Ereignisse und Entwicklungen” beschrieben. Ausgangspunkt ist zunächst das Lagersystem mit zahlreichen Außenstellen. Der Beginn in Sachsenhausen liegt im Jahre 1936. Zwangsarbeit ist ein bestimmender Faktor in diesem Netz. Das KZ Oranienburg hat seine eigene kurze Geschichte ab März 1933. Dort kam zum Beispiel der Schriftsteller Erich Mühsam zu Tode.

Auch in Fretzdorf, Ortsteil von Wittstock, wird des Todesmarsches gedacht.

Codeworte wie “Flut”, “Hochwasser” oder “Dammbruch” markierten in Sachsenhausen Alarmstufen. “Bei Ausgabe der Stufe III war die sofortige Standortaufgabe einzuleiten”, schreibt die Historikerin. Aufbruch mit allen Insassen und Insassinnen? Oder nur mit weiterverwendbaren? Den Rest liquidieren? Und wohin mit der Masse – mit Tausenden? Der Wald von Below scheint sich erst allmählich als Übergangsziel herauskristallisiert zu haben.
Die dortige Gedenkstätte soll am 25. Juli 2026 zunächst vorgestellt werden. Eine kleine Führung findet ab 14 Uhr statt. Was Janine Fubel ab 15 Uhr in der kleinen Bildungsstätte aus ihrem umfangreichen Werk vorstellen wird, bleibt abzuwarten. Die Arbeit an den Quellen muss mühevoll gewesen sein, aber einträglich. So liest man über die auf fatale Weise deutlich werdende “begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit bzw. -bereitschaft” der Anwohnerschaften. Klischees von “Kriminellen und “Asozialen” herrschten vor. Und “Regimegegnerschaft” war kein Ehrentitel. Im Gegenteil. Von Hass ist auch mehrfach die Rede. Und vom qualvollen und letztlich tödlichen Aufderstreckebleiben der Opfer. Die Rolle von Polizei und SS wird eingehend untersucht, vom KZ ausgehend. Soweit möglich, werden die Namen der Agierenden genannt. Die Liste der Unterlagen ist lang. Die der Fachliteratur auch, nicht nur mit Bezug zum Holocaust.

Die Informationstafeln im Belower Wald in der Gesamtschau.
Fotos: VHS

“Hinter Rheinsberg gelang es einigen Frauen, die am Ende der Kolonnen liefen, den Transportführer zu überzeugen, sie zurückzulassen”, schreibt Fubel über Lichtblicke, ohne von der Finsternis und vom Grauen des Todesmarschs in seinen Verzweigungen etwas zu mindern oder zu mildern. Aktionen wie die Fahrt der “Weißen Busse” werden einbezogen. Wie mag Janine Fubel über die ins Auge stechenden Gedenksteine und -tafeln an der Strecke denken?
Ganz kompliziert wird es auch, wenn die Frage lautet, wer in NS-Deutschland im April 1945 das Sagen an der Spitze von NSDAP und NS-Staat hat und wo und wie und mit welchem Ziel agiert wurde. Soweit möglich nach Quellenlage, schreibt die Historikerin auch darüber. Bildmaterial steht im Werk nicht im Vordergrund. Skizzen erleichtern das Verständnis des Systems der Lager und der Auflösung. Anlässlich der Buchvorstellung in der Bildungsstätte im Belower Wald wird das Werk sicherlich zu erwerben sein. Im Shop in der Gedenkstätte Sachsenhausen gibt es manches denkwürdige Werk in mehreren Sprachen. Bald auch von Janine Fubel die Untersuchung mit dem Haupttitel “Krieg, Bewegung und extreme Gewalt”?

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