Im Erdgeschoss des Alten Gymnasiums haben sich viele Interessierte eingefunden. Es geht um die Gestaltung der großen Plätze von Neuruppin. Im Obergeschoss ist es etwas übersichtlicher. Der gebürtige Neuruppiner Timo Took liest aus seiner Trilogie “Dolmatum”. Er lockt hinein in die Welt von König Arnoth. “Den Leuten im Raum stockte der Atem.” Im Roman. In der Bibliothek herrscht bloß fantastische Stille.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Als Timo Took 1990 zur Welt kam, war noch nicht von der “Fontanestadt” die Rede. Das Profil hat man sich 1998 gegeben. Wenn der inzwischen in Schottland lebende Märker mal nach Deutschland kommt, darf mit einer Lesung gerechnet werden. So geschehen im April, da ging es um Band 1 der Fantasytrilogie um “Dolmatum”. Nun im November Band 2, “Die Flamme der Erkenntnis”. Im Dezember soll schon Band 3 erscheinen. Also?
Damit Quereinsteiger mitkommen, gibt es ein paar Basisinformationen. Dass der Autor von “Charakteren” spricht, wenn es um Silvana, Tiannna und Filbur geht, ist nicht selbstverständlich. Sollte unser Begriff aus Alltagsethik und Dramenanalyse taugen, wo Fantasy waltet? Klar: Mit nichts als Neologismen ließe sich der im Dudenwörterland verwurzelte Mensch kaum erreichen. Also gut dosiert, die Kunstworte. Und die Namen sollen vom Klang zum Charakter passen, ist später auf Nachfrage zu erfahren. Was mag hinter “Olfur” stecken?
Der Autor liest, was aufhorchen lässt: “Damit werde ich mit sofortiger Wirkung die Führung des Landes abgeben.” König Arnoth spricht, nicht Dietmar Woidke am Nachmittag. Kleinlaut räumt der Held ein, er habe sich einen unverzeihlichen Fehltritt erlaubt. Herrscher sein, heißt hier, sich für die Untertanen verantwortlich zu fühlen. Das gab’s. Das gibt’s. Timo Took kann als Fantasyautor in der Geschichte schürfen, Fabelwesen schaffen, Unvorstellbares in Buchstaben bannen und damit auch die Imaginationskraft seiner Leserschaft oder eines solchen Auditoriums prüfen. Dass ein Zwerg das Kommando übernehmen darf, zeugt von Humor. Riesige Aufgaben liegen vor ihm. Und dann ist da in jener Schneewelt ja auch noch dieses Monster, dieses Ungetüm, eben Tum, nicht Tummetott.
.

Umschlagmotiv – hier in Schwarz-Weiß
Die Häppchen sind gut portioniert. Man wird zum Kauf motiviert. Ganz unaufdringlich. Der Autor lebt ja nicht von den Druckwerken. Er verdient sein Brot in einer Whiskybrennerei. Nein, nicht als Vorkoster. Er führt die Touristen, erzählt und unterhält. Liegen seine Werke auf Englisch vor, kann er sie vielleicht auch dort anbieten. Ohne Nebenwirkungen sind sie allerdings auch nicht unbedingt. Bei Fantasy und Gaming, Tino Tooks zweiter Leidenschaft, wird gelegentlich schon von Sucht gesprochen. Im schlimmsten Fall läuft’s wie bei Olfur: “Sein Herz raste und blieb zugleich stehen.”

