Nachdenklichkeit und Heiterkeit am 128. Todestag von Theodor Fontane

Das Projekt “Kunst unterwegs” widmete sich am 20. September dem Denkmal, mit dem in Neuruppin primär dank auswärtiger Spender seit 1907 an Theodor Fontane erinnert wird. Doch ganz anders als in jenem Jahr ging es 2026 überwiegend heiter zu und teils sogar richtig spaßig. Dabei war doch Todestag laut Kalender. “Nobody” zeigte, wie man ein Denkmal zum Leben erweckt ohne Zauberkünste oder Esoterik. Ob Karl Friedrich Schinkel auch so gut mitspielen würde?

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Uta Bartsch widmete sich als eine der beiden Projektinitiatorinnen nach der Begrüßung von Interessierten primär dem Bildhauer Max Wiese und den Menschen, die 1906 dafür gesorgt hatten, dass in der Geburtsstadt Theodor Fontanes ein entsprechender Auftrag an den Künstler ergehen konnte. Wenn man nur wüsste, wie oft das Werk schon fotografiert wurde. Und was die Leute so reden. Günter Grass war schon da und hat darüber geschrieben. Mittelmäßig. “Fonti” bei Fontane. Aber die vielen Namenlosen, die Schulklassen und Reisegruppen, die Wanderer durch die Mark und und und…

“Willkommen!”

Am Todestag versuchte “Nobody”, mit dem Dichter mal ins Gespräch zu kommen. Hinter dem Namen steckt die Künstlerin Chady Seubert. Hatte Robert Stadlober zwei Tage zuvor in Rheinsberg noch versucht, wie Kurt Tucholsky daherzukommen bei der Eröffnung des großartigen 1. Tucholsky-Literatur-Festivals, also mit Jacke und Schlips, mit Tuch und Hut, so hatte “Nobody” wahrlich gar nichts von Theodor Fontane. Und von Effi auch nicht. Und Stine schon gar nicht. “Nobodys” Performance war ein Gedicht. Sie reagiert auf, was niemand hört. Sie imaginiert. Sie sucht seine Nähe, sein Vertrauen. Bis Einvernehmen mit dem älteren Herrn hergestellt ist, kann sie natürlich nicht warten.
Für alle Fälle hat sie schöne Zettel dabei mit dem, was er mal verlauten ließ, ob in Briefen, in Werken oder in Kritiken. Das Themenfeld reicht von der unfreiwilligen Berufswahl bis zur Altersweisheit. Es geht um Liebe, um Wohl und Wehe, um Selbstwert und fremde Augen, um Revolution und Familienalltag. Emilies Bedeutung wird von “Nobody” besonders hervorgehoben. Und natürlich der Job. Die Schreiberei. Die Dichtkunst. Dann die Zeitungszeilen. Immer mal wieder konnte gelacht werden oder gelächelt. Und zur Nachdenklichkeit gab es auch genug Anlass.

“Ich bin Apotheker.”
Fotos: VHS

“Nobody” sieht Theodor Fontane im szenischen Gefüge am Platze. Die Geräuschkulisse gehört dazu, alle Protzer, dann die Lichteffekte des Tages, Bauliches und Erbauliches, Menschen, Tiere und Pflanzen, Sonne und Wind, Wolken und Blitze. Dann laufende oder weglaufend Ereignisse. Prominente Besucher, Verehrer, Verächter oder einfach irgendwer. Theodor Fontane ist für ein solches Kunst- und Weltverständnis hervorragend platziert. Und großartig geformt. Die Haltung, der Blick, ihm bleibt wirklich nichts verborgen. Folgt man dieser Spielart oder Lesart, öffnen sich Räume. Ob das bei Karl Friedrich Schinkel auch funktionieren würde? Oder beim Lyriker Erich Arendt? Oder bei Eva Strittmatter – immer noch ohne Denkmal? Materialien für “Nobody” haben Neuruppiner Kunstschaffende reichlich hinterlassen. Und wer hätte nicht bemerkt, wie sich Theodor Fontane plötzlich total entspannte, die Frage im Blick: “Und das ist wirklich alles von mir? Vom Apotheker? Großartig! Oder – Emilie?” Zur Mitternacht wäre die Begegnung womöglich sogar noch reizvoller.

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