Musca domestica – ein kitzliges Ding

PRAXISTIPP NUMMER 1

Sommer, Hitze, offene Fenster – und plötzlich sind sie wieder da: die gemeinen Stubenfliegen. Eine Glosse mit einem überraschend einfachen Praxistipp gegen die lästigen Sommergäste.

Von Otto Wynen

Ihr kennt das – gerade in diesen Tagen machen sich die lästigsten und unnützesten Begleiter der Menschen wieder breit: Fliegen. Genauer: Die Gemeine Stubenfliege – Musca domestica. Es gibt sie milliardenfach. Und es sind beileibe keine Eintagsfliegen. Bei zuträglichen Bedingungen, also entsprechender Luftfeuchtigkeit und Temperatur, werden Fliegen bis zu 10 Wochen alt. Zu den sogenannten 10 biblischen Plagen zählten unsere Quälgeister trotzdem nicht. Warum nicht? Weil sie nicht stechen.

Einfach tot schlagen?
Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Was aber viel schlimmer ist: sie kitzeln. Es ist ein ganz leichter, kaum wahrnehmbarer Kitzel, der einem den Verstand rauben kann. An heißen Tagen im Sommer am frühen Morgen, wenn man möglichst textilfrei noch in den Tag hineindösen möchte, spürt man plötzlich irgendwo am Körper diesen leichten Kitzel. Noch ganz schlaftrunken, und noch gar nicht so recht geistesgegenwärtig, glaubt man, der Sache mit einer kleinen Bewegung, einem leichten Zucken begegnen zu können. Und richtig: im Nu scheint das Problem gelöst, der Kitzel verschwindet und man spürt bestenfalls wieder einen leichten Lufthauch auf der Haut. Aber kaum sind zehn, zwanzig Sekunden vergangen, meldet sich der Kitzel an einer anderen Stelle. Wieder reagiere ich mit einem leichten Körperzucken. Und wieder scheint das Problem beseitigt zu sein. Aber Pustekuchen: so eine Fliege denkt offenbar in anderen Dimensionen, in anderen Kategorien. Und durch ein leichtes Zucken lässt sie sich in ihrem Treiben kaum irritieren. Aber, was um Himmels Willen, treibt dieses Insekt auf meiner Haut? Inzwischen bin ich hellwach und meine Gedanken – eigentlich auf sommerliche Trägheit gepolt – kreisen nur noch um den Gedanken, wie ich dieser einen Fliege (oder sind es vielleicht sogar zwei?) den Garaus machen kann.

Oder Gift ?
Bild von Josué Ferreira auf Pixabay

Ich bin „ein Kind des 20. Jahrhunderts“ – durch und durch. Folglich ein Kind des technischen Fortschritts. Folglich ein Kind der chemischen Industrie. Also denke ich zuerst: Gift. (Zu meiner Rechtfertigung: es ist ja noch früh am Morgen; da dämmert die Vernunft noch ein bisschen weiter). Irgendwo im Badezimmer muss ich doch eine dieser verdammten Spraydosen haben. Was dem Einsatz dieser chemischen Keule entgegensteht, ist keineswegs mein inzwischen erwachendes ökologisches Bewusstsein, sondern allein meine Faulheit. Ich müsste aufstehen, den Weg ins Badezimmer nehmen undsoweiter.
Noch scheint die Qual nicht quälend genug zu sein, um diesen Schritt (es ist ja nicht nur einer, es sind Schritte, mehrere!) zu tun, obwohl die Musca domestica weiter ihr völlig unerklärliches Unwesen treibt. Kurzum: ich werde wahnsinnig. Dieses kleine Ding, dieser Winzling, dieses Nichts, schafft es, was kein AfDler (wie komme ich denn jetzt auf diese Idee? Egal!) schafft: es treibt mich zur Weißglut. Und dabei ist es noch nicht einmal sechs Uhr. Ich kann doch in den kommenden Minuten und Stunden nicht wild zuckend und zuweilen um mich schlagend, den Tag beginnen. Und ich spüre doch auch schon die Erschöpfung, die Verzweiflung. Gegen diese Gemeine Stubenfliege ist kein Kraut gewachsen. Denk ich. Aber da bin ich auf dem Holzweg. Und woher weiß ich das?
Das traue ich mich jetzt aber nur zu flüstern: ich frag „meine KI“: „Wie kann ich lästige Fliegen ohne Einsatz von Gift verscheuchen?“ Die Antwort kommt prompt: „Schneiden Sie eine Zitrone auf und stecken Sie reichlich Gewürznelken rein.“

Dabei liegt die Lösung in der Natur der Sache.
Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Ich habe – als letzte Rettung sozusagen – diesen Ratschlag sofort befolgt. Und siehe da: seither ist die Welt um mich herum fliegenfrei. Ohne Gift. Ohne Fliegenklatsche. Folglich auch ohne ekelerregende Fliegenleichen. Wo sind die Fliegen jetzt? Ich vermute, draußen an der frischen Luft. Und da warten die Schwalben und Mauersegler auf sie. Geschieht ihnen recht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auch interessant