Nachhaltige Strohtektur – in Lindow wird erfahrbar, was sich dahinter verbirgt

Strohhalme und Strohsterne kennt man. Aber Strohsteine? In Lindow hat der Berliner Architekt Alessandro Tonnarelli mit dem Strohhaus NOW Neuland betreten. Der Anspruch: nachhaltig bauen, also ökologisch handeln, etwa durch weitgehende Wiederverwertbarkeit. Ein Besuch hinterlässt Eindrücke, auch wenn man das Haus nicht betreten hat. Anschauliche Informationen gibt es im Internet. Zu Besichtigung und Erläuterung werden Interessierte immer wieder eingeladen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

“Stroh im Kopf”, das gilt in pädagogischen Fachkreisen nicht gerade als gute Kopfnote. Alessandro Tonnarelli, der in Italien und Spanien Architektur studiert hat, hat reichlich Stroh im Kopf, das zeigen die eigenen Verlautbarungen zum Projekt NOW. Nüchtern gerechnet wird auch. Alleine in der Gebäudehülle habe man durch die Verwendung von Stroh und Holz eine Einsparung von 18 Tonnen CO2 erreicht, heißt es in einer Presseerklärung. Im Inneren fänden Holz. Lehm und Kork Verwendung, was zu einem gesunden und feuchteregulierendes Innenraumklima führe. Auf dem Dach befindet sich eine Fotovoltaikanlage. Am Grunde wird sichtbar, dass es keine Unterkellerung gibt. Das schafft Bodenfreiheit und verringert den Eingriff in die Natur. Holzstufen bieten an den geeigneten Stellen Zugang zum Haus.
Die Anstrichfarbe des Strohhauses wurde vermutlich nicht zufällig gewählt. Im Landschaftsbild von Wald, See und Flur hat das Haus etwas Sonniges – so ganz am Rande der Gemeinde Lindow. Die Fotos im Internet, die den Blick freigeben auf die Räumlichkeiten, vermitteln Atmosphäre, wirken einladend. Ästhetische Einfachheit sei der Anspruch, innen wie außen, heißt es. Wärmeströme, von Ernst Bloch zur philosophischen Kategorie erhoben, fänden Beachtung bei der baulichen Konzeption, hier wortwörtlich verstanden. Heizen ist ja längst zum Politikum geworden.

NOW – Neues für Wandernde in der Mark Brandenburg.
Fotos: VHS

Schauen wir mal ganz unaufgeregt auf die Stichwortliste einer Tagung: “Stroh als Dämmstoff der Zukunft, Strohballenbau, Lebenszyklus Baustoff Stroh, serielle Vorfertigung, Planung und Bau eines strohgedämmten Gebäudes unter Nachhaltigkeits- und Kreislaufaspekten, CO2-Werte und andere soziale und ökologische Aspekte des Gebäudes, Strohdämmung direkt verputzt, Lehm- und Kalk auf Stroh – Merkmale und Besonderheiten, Aufbau der Putzschichten, einzelne Arbeitsschritte, Anschlüsse, Laibungen, Stürze. Preise und Kosten…”
Ob das Schule macht? Und vor allem Hochschule? Ob auch größere Projekte möglich sind? Also “Stroh zu Gold” – nun in Lindow? Man darf gespannt sein. Anders als in Grimms Märchen von “Rumpelstilzchen” geht es Alessandro Tonnarelli und den am Projekt NOW Beteiligten um Solidität, Substanz und Glaubwürdigkeit. Reine Spinnerei wäre ja wohl auch das Letzte, was die Baukultur in Gegenwart und Zukunft braucht.

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