„Lass sie mal machen“

Rundgang zur Städtebauförderung zeigt, wie sich Neuruppin verändert

Städtebauförderung am Bahnhof, Seetor, Kirchplatz und Schulplatz: Beim Rundgang wurde deutlich, welchen Einfluss Städtebauförderung auf Stadtentwicklung hat. Dabei wurde nicht nur über Baustellen, sondern auch über Zukunft, Bahnverkehr, Bürgerbeteiligung und neue Stadträume diskutiert.

Von macron

„Was machen die denn hier alle?“ fragte sie und blieb einen Moment stehen. Vor dem Bahnhof Rheinsberger Tor hatte sich eine kleine Menschentraube gebildet, Menschen mit Warnwesten, Stadtplänen und ernsten Gesichtern. Er sah kurz hinüber, musterte das Ganze mit jener Mischung aus Skepsis und märkischer Gelassenheit, die man in Neuruppin häufiger antrifft als echte Aufregung.
„Ach“, sagte er, „irgendwas mit Stadtumbau und Baustellen.“ Sie nickte langsam, fast versöhnt mit der Welt und ihren dauernden Veränderungen. „Na denn“, sagte sie schließlich, „lass sie mal machen.“

Ein beiläufiger Dialog am Rand des diesjährigen Rundgangs zum bundesweiten Tag der Städtebauförderung – und zugleich vielleicht die treffendste Zusammenfassung der Veranstaltung. Denn genau darum ging es: darum zu zeigen, was in Neuruppin bereits entstanden ist, was sich gerade verändert und welche Projekte in den kommenden Jahren noch umgesetzt werden sollen.

Gemeinsam führten Baudezernent Jan Juraschek, Bürgermeister Nico Ruhle, Landrat Ralf Reinhardt sowie Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach die Teilnehmenden durch mehrere Stationen aktueller und geplanter Stadtentwicklungsprojekte.

Der Tag der Städtebauförderung soll bundesweit sichtbar machen, wie Städte und Gemeinden mit Hilfe von Fördermitteln öffentliche Räume, Verkehrswege und soziale Infrastruktur entwickeln. In Neuruppin wurde dabei deutlich: Ohne die Städtebauförderung der vergangenen 35 Jahre sähe die Stadt heute anders aus. Immer wieder war von einer „Erfolgsgeschichte“ die Rede. Millionenbeträge aus Landes- und Bundesförderung seien in dieser Zeit nach Neuruppin geflossen und hätten zahlreiche Projekte überhaupt erst möglich gemacht.

Erste Station des Rundgangs war der Bereich am Bahnhof Rheinsberger Tor. Dort erläuterte Jan Juraschek die geplante Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Entstehen sollen unter anderem neue zentrale Bushaltestellen, überdachte Fahrradabstellanlagen, zusätzliche Fahrradboxen mit Ladefunktion, Sitzmöglichkeiten sowie erstmals auch eine öffentliche WC-Anlage. Besonderes Augenmerk liege auf klimaangepasster Stadtplanung mit neuen Bäumen, Regenwassernutzung und sogenannten Schwammstadt-Elementen. Für die Maßnahme seien Fördermittel in Höhe von rund 3,1 Millionen Euro bewilligt worden.

Ein weiteres zentrales Thema des Rundgangs war die Bahnanbindung Neuruppins. Sowohl Bürgermeister Nico Ruhle, Landrat Ralf Reinhardt als auch Baudezernent Jan Juraschek appellierten mehrfach an Infrastrukturminister Robert Crumbach, sich im Ministerium und gegenüber dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg weiterhin mit Nachdruck für einen Halbstundentakt der Bahnverbindung nach Berlin einzusetzen. Immer wieder wurde hervorgehoben, wie wichtig eine zuverlässige und engere Taktung für die Entwicklung Neuruppins als Wohn-, Arbeits- und Verwaltungsstandort sei.

Viele Fragen zur Gestaltung der Parkplatzanlage in der Ernst-Toller Straße


Von dort führte der Rundgang weiter zum neuen Kreisel am Seetor und in die Ernst-Toller-Straße. Hier wurde deutlich, welche Dimension die laufenden Tiefbau- und Leitungsarbeiten inzwischen erreicht haben. Gemeinsam mit den Stadtwerken und dem Landesbetrieb Straßenwesen entstehe eine vollständig erneuerte Verkehrsinfrastruktur – inklusive neuer Radverkehrsführungen, zusätzlicher Bäume und moderner Aufenthaltsbereiche. Immer wieder wurde betont, dass die Maßnahmen nicht nur funktional gedacht seien, sondern auch die Aufenthaltsqualität verbessern sollen.

Diskutiert wurde dabei auch die Situation für Radfahrerinnen und Radfahrer im Bereich der neuen Park-&-Ride-Stellplätze in der Ernst-Toller-Straße. Kritische Nachfragen gab es insbesondere zu den dort nicht vorgesehenen separaten Radwegen sowie zur Unfallgefahr durch rückwärts ausparkende Fahrzeuge. Vertreter der Stadt verwiesen darauf, dass alternative Fahrradführungen über den Stadtmauer-Rundweg sowie neue Schutzstreifen vorgesehen seien. Dennoch wurde deutlich, dass die Frage einer sicheren Radverkehrsführung viele Teilnehmende weiterhin beschäftigt.

Wie werden Fußgänger und Radfahrer geführt? Großartig waren die Leistungen der Stadtwerke, bei der Erneuerung des Leitungsnetzes. Die Maßnahmen fanden im laufenden Betrieb statt, es ist nur einmal kurz das Internet ausgefallen.

Am Seetor wurde dabei auch intensiv über die Situation für Fußgänger und Radfahrer auf dem Seedamm diskutiert. Mehrere Teilnehmende sprachen die hohe Verkehrsbelastung und die schwierige Situation insbesondere für Radfahrende an. Aus dem Teilnehmerkreis wurde sogar angemerkt, die aktuelle Ruhe während der Baustellensituation zeige eigentlich, wie attraktiv eine stärker fahrradfreundliche Lösung künftig sein könnte. Auch die neue Verkehrsführung am Kreisverkehr wurde unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit für Fuß- und Radverkehr ausführlich diskutiert.

Robert Crumbach reagierte darauf mit Verständnis und bezeichnete die Forderung als nachvollziehbar und berechtigt. Er betonte, ihm sei bewusst, welche Bedeutung die Bahnverbindung für Neuruppin habe. Gleichzeitig machte er deutlich, dass ein funktionierendes Verkehrskonzept für ganz Brandenburg und den VBB entwickelt werden müsse und nicht alle Wünsche kurzfristig umsetzbar seien. Die Forderungen aus Neuruppin nehme er jedoch ausdrücklich mit.

Bei der Neugestaltung des Busstreifens am Kirchplatz wollen Bürger und Baudezernat den Überblick behalten

Besonders anschaulich wurde es am Kirchplatz. Dort wurde bereits ein Teil der Asphaltfläche entsiegelt und in eine kleine Blühwiese verwandelt. Die Aktion entstand unter konkreter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und soll zeigen, wie sich der gesamte Bereich künftig verändern könnte. Der ehemalige Busbahnhof soll langfristig zu einem neuen Stadtraum mit mehr Grün, Aufenthaltsqualität, Schattenflächen und klimaangepasster Gestaltung entwickelt werden. Die Planungen stehen zugleich im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Schinkel-Jahr 2031, dem 250. Geburtstag von Karl Friedrich Schinkel.

Der Kirchplatz selbst war während des Rundgangs auch ein Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung zunehmend als gemeinschaftlicher Prozess verstanden werden soll. Immer wieder war von „kooperativer Stadtentwicklung“ die Rede – also davon, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam an Veränderungen arbeiten zu lassen. Jan Juraschek warb ausdrücklich dafür, dass sich Bürgerinnen und Bürger weiter einbringen und ihre Stadt aktiv mitgestalten.

Den Abschluss fand die Veranstaltung am Schulplatz mit einer Ausstellung zu 35 Jahren Städtebauförderung

Den Abschluss fand die Veranstaltung schließlich an der Ausstellung auf dem Schulplatz. Dort blickten die Beteiligten noch einmal auf 35 Jahre Städtebauförderung zurück – und zugleich nach vorn. Vieles sei bereits erreicht worden, vieles aber auch noch in Bewegung.

Oder, wie es die Frau am Rheinsberger Tor formulierte:
„Na denn – lass sie mal machen.“

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