Baudezernent Jan Juraschek begrüßt die Stadtradler auf dem Schulplatz in Neuruppin
Beim STADTRADELN führte Baudezernent Jan Juraschek knapp 20 Teilnehmende vom Schulplatz bis zur Badestelle Waldfrieden. Unterwegs und bei der abschließenden Diskussion ging es um aktuelle Radverkehrsprojekte, die Zukunft des Seedamms und die Frage, wie Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam die Mobilität in Neuruppin weiterentwickeln können.
Vom macron
Geplant im Rahmen des STADTRADELNs war eine Tour zu verschiedenen Projekten der Radverkehrsförderung in Neuruppin. Schnell entschied man sich jedoch für eine Diskussionsrunde an der Badestelle „Am Waldfrieden“. Dort entwickelte sich daraus ein intensiver Austausch über die Zukunft des Radverkehrs in Neuruppin. Knapp 20 Teilnehmende waren der Einladung von Baudezernent Jan Juraschek gefolgt. Bürgermeister Nico Ruhle musste seine angekündigte Teilnahme leider kurzfristig absagen und ließ sich entschuldigen. Für das leibliche Wohl unterwegs sorgte die Ladung eines Lastenrades, das Juraschek selbst steuerte.
Vom Schulplatz führte die Tour über das Bollwerk und den Seedamm bis zur Badestelle am Ruppiner See. Bereits unterwegs wurde deutlich, dass die Förderung des Radverkehrs für viele Teilnehmende ein wichtiges Thema ist. Juraschek nutzte die Gelegenheit, um über aktuelle und geplante Projekte der Stadt zu informieren und zugleich Anregungen und Kritik aufzunehmen. Dabei machte er deutlich, dass Neuruppin bereits heute gute Voraussetzungen für den Radverkehr bietet. Mehr als ein Drittel aller Wege innerhalb der Stadt würden bereits mit dem Fahrrad zurückgelegt.
„Über 80 Prozent unserer Mitbürger leben in einem Vier-Kilometer-Radius“, erklärte er und verwies darauf, dass viele Ziele innerhalb der Stadt mit dem Fahrrad oft schneller erreichbar seien als mit dem Auto.
Zu den angekündigten Maßnahmen gehören unter anderem neue Fahrradabstellanlagen am Bahnhof Rheinsberger Tor, Verbesserungen an der Steinstraße und der Karl-Marx-Straße sowie die weitere Entwicklung des Stadtmauerrundwegs. Auch neue Radwegeverbindungen in Richtung Alt Ruppin, Gildenhall und Werder stehen auf der Agenda.

Fotos: macron
Besonders intensiv wurde jedoch über den Seedamm gesprochen. Nach Angaben der Stadt nutzen täglich zwischen 1.500 und 2.000 Radfahrende diese wichtige Verbindung zwischen den Stadtteilen. Gleichzeitig passieren dort rund 8.000 Kraftfahrzeuge pro Tag. Die vorhandenen Wege gelten vielen als zu schmal und unübersichtlich. Mehrere Teilnehmende schilderten gefährliche Situationen und kritisierten Hindernisse wie Poller oder Umlaufsperren, die insbesondere für Lastenräder, Fahrradanhänger oder ältere Menschen problematisch seien.
„Wir müssen den Seedamm in Bewegung bringen“,
Jan Juraschek
Juraschek räumte ein, dass die Situation auf dem Seedamm unbefriedigend sei. „Wir müssen den Seedamm in Bewegung bringen“, sagte er und verwies darauf, dass die Stadt das Thema bereits mehrfach gegenüber dem Land Brandenburg adressiert habe. Bislang fehle es jedoch an konkreten Planungen und Finanzierungszusagen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass kurzfristige Verbesserungen ebenso diskutiert werden müssten wie langfristige Lösungen. Aus der Runde kamen Vorschläge für Tempo 30, veränderte Ampelschaltungen oder eine flexiblere Nutzung der vorhandenen Verkehrsflächen. Andere warben für eine umfassende Neuplanung des gesamten Bereichs vom Seedamm bis zur Lindenallee.
Immer wieder wurde deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger nicht nur bessere Radwege wünschen, sondern sich auch stärker an den Planungen beteiligen möchten. Genau diesen Gedanken griff Juraschek auf. Er machte während der Veranstaltung mehrfach deutlich, wie wichtig ihm die Beteiligung der Bürgerschaft bei Fragen der Stadtentwicklung ist. Ideen und Erfahrungen aus dem Alltag seien unverzichtbar, um gute Lösungen zu entwickeln. Verwaltung, Politik, Verbände und Bürgerschaft müssten dabei gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Besonders positiv wurde von den Teilnehmenden aufgenommen, dass die Stadtverwaltung die Förderung des Radverkehrs inzwischen konsequent mitdenkt. Ein Teilnehmer brachte dies auf den Punkt: „Das Positivste finde ich, dass Verwaltung, Stadtplanung und Baudezernent in diese Richtung denken.“ Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Projekte nur dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Juraschek warb daher für einen offenen Dialog und eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit – gerade bei so wichtigen Vorhaben wie der zukünftigen Gestaltung des Seedamms.
Neben dem Radverkehr wurde auch darüber diskutiert, wie unterschiedliche Mobilitätsformen künftig besser miteinander verknüpft werden können. Mehrere Teilnehmende machten deutlich, dass Radfahrende, Fußgänger:innen, Nutzer:innen des öffentlichen Nahverkehrs sowie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften.
Ein Teilnehmer lobte ausdrücklich, „dass Verwaltung, Stadtplanung und Baudezernent in diese Richtung denken“, nämlich Mobilität als gemeinsames System zu betrachten und nicht nur einzelne Verkehrsarten isoliert zu fördern.
Als positives Beispiel wurden sogenannte „Miteinander-Wege“ genannt, auf denen sich Radfahrende, zu Fuß Gehende, Menschen mit Rollatoren, Kinderwagen oder Scootern gleichberechtigt bewegen können. Nach Angaben Jurascheks prüft die Stadt bereits, an welchen Stellen solche Lösungen künftig umgesetzt werden könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Barrierefreiheit. Mehrere Teilnehmende verwiesen darauf, dass nicht nur Radfahrende von abgesenkten Bordsteinen und gut nutzbaren Wegen profitieren. Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen seien ebenso auf eine durchgängige und hindernisfreie Infrastruktur angewiesen. Juraschek räumte ein, dass es in Neuruppin trotz zahlreicher Verbesserungen noch viele problematische Stellen gebe. Gleichzeitig verwies er auf die Herausforderung, die unterschiedlichen Bedürfnisse miteinander in Einklang zu bringen. So benötigten blinde Menschen beispielsweise tastbare Bordsteinkanten zur Orientierung, während Rollstuhlfahrende und Radfahrende möglichst niveaugleiche Übergänge bevorzugen. Ziel müsse daher sein, Lösungen zu entwickeln, die möglichst vielen Nutzergruppen gerecht werden.
Am Ende der Radtour stand so die gemeinsame Suche nach Lösungen im Mittelpunkt. Aus einer STADTRADELN-Ausfahrt wurde so ein lebendiger Bürgerdialog über die Mobilität der Zukunft in Neuruppin.
