Mondscheinromantik und allerlei Naschwerk beim sechsten Sommerkonzert

Ein Saxophon mal ganz sanft? Fast nur ein Hauch? Eine Harfe ohne dieses Brave? Die Engelszungen verführerisch süß? Und ein Wiegenlied als melodischer Muntermacher im Abendlicht? Ralf Benschu und Jessyca Flemming wussten mit ihren Instrumenten in der Klosterkirche sehr zu gefallen. Eine humorvolle Moderation gehörte auch zum Erfolgsprogramm. Dabei soll sie doch aus Berlin stammen. Das Motto des Abends gab es erst als Zugabe für alle Tage: “What a wonderful world!”

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Klar, in jedem großen Orchester gibt’s Randexistenzen. Schattenfiguren. Übertönte. Verbitterte. Zerknitterte. Als Harfenistin könnte Jessyca Flemming sicherlich ein Lied davon singen. In der überfüllten Klosterkirche beließ sie es bei kleinen humorvollen Hinweisen und etwas Instrumentenkunde. Die Konzertharfe ist ihr einfach lieb und teuer. Um Beinarbeit ging’s auch bei dieser Elfe. Als Solistin gab sie den “Barefoot wanderer” von Kathryn Cater und erhielt rauschenden Beifall für den sicheren Gang durch’s Gesträuch der Welt.
“Den Alltag für eine Weile loslassen” – das wünschte Anne Nippraschk vom Sommerkonzertreihenbegleitteam dem Auditorium. Selbst auf Höhe der Winterkirche saßen Sommergäste, um wie all die anderen bei den musikalischen “Süßigkeiten” von Carlos Machado bloß nicht an die Zuckersteuer zu denken, sondern einfach dahinzuschmelzen. Das “Wiegenlied” von Gabriel Fauré, arrangiert für das Duo, zeigte die beiden Musikliebhabenden in tiefer Harmonie und großer Munterkeit. Bloß jetzt zur Tagesschauzeit kein Gedanke an “Leiheltern”!

Ziemlich beste Freundinnen.

Die Klosterkirche wird für gut eine Stunde Sehnsuchtsort und Hort der Geborgenheit. Deshalb vorab das verheißungsvolle Wort von der “Begegnung von Kunst und Glaube”. Die Kerzen sind nicht zufällig zum Leuchten gebracht worden neben dem Kreuz Jesu. Aus Touristenmund waren schon vorher Lobesworte über die selige Atmosphäre in St. Trinitatis zu hören. Dann das Abendlicht, die Höflichkeit, die frohe Erwartung!
Wortlos kommt Poesie ins Spiel, wenn nach Camille Saint-Saëns “Lieben wir uns” angestimmt wird ohne Satzzeichen. Laute der Einvernehmlichkeit. Die Töne verschmelzen noch inniger beim “Betrachten des aufsteigenden Mondes”. Goethe und Eichendorff hat er ja auch nicht ruhen lassen damals als Federhalter. So eingestimmt, geht’s dann hinein in den kühnen Keltengesang, zum Tanz wird gelockt. Bei “Harry’s empty glass” von James Rae konnte es einfach nicht bleiben.

Wenn die Konzertharfe mal allein den Ton bestimmt im Gotteshaus.
Fotos: VHS

Tatsächlich gehört ja ein Orgelwein zum Angebot der Gemeinde, wahlweise auch andere Tropfen. Dass die Thekenmannschaft an der Erfolgsgeschichte der Sommerkonzertreihe mitschreibt, könnte allzu leicht vergessen werden im Rausch des Musikgenusses. Am 28. Juli wird gewiss wieder alles pünktlich vorbereitet sein. Und dann noch ein paar Programmzettel mehr? “Zwischen Liturgie und Weltausstellung” greift weit aus. Es ist Johann Sebastian Bachs 276. Todestag. Und wer hat wohl zur Pariser Expo im Jahr 1878 komponiert?
Als Unsterblicher war diesmal Astor Piazolla mit von der Partie. Lieber Tango? “Libertango!” Einfach großartig! Nur Louis Armstrong, so wie Ralf Benschu ihn singen und schwärmen und lobpreisen ließ an der Bassklarinette als Zugabe mit sanftem Harfengesang, das wirkte noch etwas unsterblicher, selbst durch die geöffnete Ausgangstür. Am 4. August 2026 wird der Einzigartige schon 125. Kein Alter – vor Gott…

Das Motto des Abends gab es erst als Zugabe für alle Tage: “What a wonderful world!”
Video: macron

Weitere Konzertausschnitte der Sommerkonzerte 2026 gibt es hier: https://www.youtube.com/playlist?list=PLeHiZB5ixhJk

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