Eine ziemlich erfolgreiche Facebook-Intervention. Screenshot – Otto Wynen
Vier Tage auf Facebook genügen, um die Schattenseiten digitaler Debatten kennenzulernen. Eine persönliche Glosse über politische Auseinandersetzungen, menschliche Begegnungen und die Frage, warum das wirkliche Leben meist der bessere Ort für Gespräche ist.
Von Otto Wynen
Eigentlich, ja eigentlich führe ich ein himmlisches Leben. Mit guten Freunden und Bekannten, auch mit Verwandten und manchmal auch mit Unbekannten. Wir reden viel miteinander, schmieden Pläne oder organisieren irgendwelche Veranstaltungen, von denen wir glauben, dass sie unsere kleine Kleinstadtwelt bereichern könnten. Also alles bello wie wir uns gelegentlich augenzwinkernd gegenseitig versichern.
Wäre da nicht diese Wahl. Die Wahl des Landrats. Ach, wer weiß schon, was so ein Landrat (alles) tut? Wer interessiert sich überhaupt für Kommunalpolitik? Vermutlich sind es nur wenige – und das ist besser gesagt: wäre auch nicht weiter schlimm. Drohte da nicht die Übernahme der politischen Macht durch die AfD. Nun gehöre ich gar nicht zu den Menschen, die ein Gleichheitszeichen zwischen AfD und Faschismus setzen. Überhaupt nicht. Zumindest in meinem Bekanntenkreis sind bestimmt einige AfD-Wähler. Einige bekennen es auch offen. Sie sollen trotzdem meine Bekannten bleiben. Ich werde auch nicht ständig versuchen, sie zu missionieren. Ich möchte, dass die menschlichen Beziehungen über allen politischen Bekenntnissen stehen.

Foto: historisches Foto Quelle: Ulli Bredow
Zurück zur Wahl. Ralf Reinhardt oder Thorsten Arndt. Da dachte ich, müsste ich mich vielleicht doch mal ein bisschen einmischen. Vor Jahr und Tag hatte ich auf Facebook ein paar Seiten eingerichtet, um Veranstaltungen anzukündigen oder mich in Diskussionen einzumischen. Ich ahnte ja nicht (obwohl ich es hätte wissen können), wie es auf Facebook zugeht. Es ist buchstäblich die Hölle. Eine Diskurshölle. Eine Kommunikationshölle. Und kaum hat man etwas geschrieben, stürzen aus allen Ecken kläffende Höllenhunde, rhetorische Wadenbeißer. Bestien, die weiß Gott woher kommen. Sie toben, lügen, verleumden, bedrohen, täuschen, fälschen, prahlen und, das ist das Furchterregende – sie sind die wahren Herrscher über Facebook. Wenn man noch alle seine Sinne beisammen hat und beisammen halten möchte, ergreift man schleunigst die Flucht. Auf Facebook ist nahezu keine vernünftige Auseinandersetzung möglich.
Ich habe es trotz meiner damaligen Erfahrung noch einmal versucht – und bin heilfroh, nach diesem Kurztrip in die Hölle wieder in der Wirklichkeit zu sein.
Ich habe – aus eigenem Antrieb und ohne Auftrag – einfach ein paar Tage, genauer gesagt: 4 Tage Wahlwerbung für Ralf Reinhardt gemacht. Ganz einfach, weil ich ihn für die bessere Wahl halte. Aber ich betone noch einmal ganz deutlich – und das habe ich auch auf Facebook geschrieben: Thorsten Arndt ist zwar ein AfD-Mann, aber er ist ganz sicher kein Monster. Kein „Un-Mensch“. Ich habe ihn bei zwei Auftritten als jovialen, manchmal etwas verunsicherten Mann „kennengelernt“. Kurzum: er unterscheidet sich nicht groß von der Mehrzahl anderer Menschen. Auch nicht von mir. Er taugt aus meiner Sicht nur einfach für diesen Job nicht. So, wie auch ich nicht für diesen Job tauge.
Den Blick in den Höllenpfuhl Facebook habe ich Donnerstagabend beendet. Leider befürchte ich, eines Tages wieder hinabsteigen zu müssen. Dann nämlich, wenn wir verhindern wollen, dass – ich sag´s jetzt mal pathetisch – unser Heimatland Brandenburg in die Hände der AfD fällt. Dazu müssen wir uns allerdings auch noch einiges einfallen lassen.
