Viel zu schmale Radwege und Einengungen an den Brücken machen die Fahrt über den Seedamm zu einem Risiko, Foto: macron
Beim Treffen der Regionalgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Neuruppin stand vor allem die Verkehrssituation auf dem Seedamm im Mittelpunkt einer intensiven Diskussion. Zahlreiche Teilnehmende äußerten deutliche Kritik an den bestehenden Engstellen auf den Brückenbereichen und beschrieben die Situation insbesondere für Radfahrende und Fußgänger als gefährlich und nicht mehr zeitgemäß.
Von macron
Wie der Märker vom 16.05.2026 berichtet hatte die Regionalgruppe des ADFC in die Christian-Wenger-Rosenau-Stiftung eingeladen. Neben Fragen rund um Radwege, Stadtplanung und Beteiligungsverfahren entwickelte sich schnell eine lebhafte Debatte über die Zukunft des Seedamms – einer der wichtigsten Verkehrsachsen zwischen Altstadt und Seeufer. Viele der Anwesenden kritisierten, dass gerade an den beiden Brückenabschnitten kaum ausreichend Platz für einen sicheren Fuß- und Radverkehr vorhanden sei. Besonders bei Begegnungsverkehr entstünden regelmäßig gefährliche Situationen.
Nach Informationen von Stadt und Land passieren täglich rund 8.000 Kraftfahrzeuge den Seedamm. Baudezernent Jan Juraschek verwies darauf, dass die aktuellen Fahrradzählungen auf dem Seedamm inzwischen Größenordnungen erreichen, wie sie sonst eher aus klassischen Fahrradstädten wie Münster bekannt sind. Hinzu kommt ein lebhafter Fußverkehr, der die Verbindung zwischen Innenstadt, Wohngebieten und Seeufer nutzen. Gerade diese hohe gleichzeitige Belastung aller Verkehrsarten macht die Situation auf dem Seedamm seit Jahren zu einem zentralen Thema der Stadtentwicklung.
Diskutiert wurden beim ADFC-Treffen unterschiedlichste Lösungsansätze – von zusätzlichen Rad- und Fußgängerbrücken über eine Verbreiterung des Damms bis hin zu einer Reduzierung des motorisierten Verkehrs auf nur eine Fahrspur. Auch ampelgeregelte Varianten oder sogenannte „Balkonlösungen“ an den bestehenden Brückenbauwerken wurden angesprochen. Einige Teilnehmende brachten sogar die Idee ein, den Seedamm langfristig ausschließlich für Fuß- und Radverkehr freizugeben. Ziel aller Überlegungen sei es, die Verkehrssicherheit deutlich zu erhöhen und den Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Nahverkehr stärker zu berücksichtigen.

Deutlich wurde im Verlauf des Treffens auch die Unzufriedenheit vieler Beteiligter mit bisherigen Beteiligungsformaten der Stadtentwicklung. Mehrfach fiel der Vorwurf, öffentliche Beteiligungen würden oft nur unzureichend wahrgenommen oder kämen bei den Bürgerinnen und Bürgern kaum an. Der ADFC kündigte deshalb an, sich künftig stärker in Planungsprozesse einzubringen und die Diskussionen breiter öffentlich zu führen.
Andererseits wurde auch deutlich, dass das Konzept der Umweltverbundstraße beim Umbau der Karl Marx Straße und der Steinstraße bei keinem der Anwesenden bekannt war, obwohl die Stadt Neuruppin gerade auch zu diesen Themen mehrere Veranstaltungen mit Bürgerbeteiligung angeboten hatte. Diese Erkenntnis bewog die Anwesenden sich in Zukunft stärker in diese Projekte einzubringen.
Auch Bündnis 90/Die Grünen stehen nach Informationen aus dem Umfeld der Gespräche bereits mit der Stadtverwaltung im Austausch, um Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf dem Seedamm zu evaluieren. Dabei gehe es insbesondere um sichere Lösungen für Fuß- und Radverkehr sowie um eine insgesamt verträglichere Verkehrsführung auf dem stark frequentierten Abschnitt.
Das Treffen machte deutlich, dass die Diskussion um den Seedamm längst nicht mehr nur eine Frage einzelner Verkehrsarten ist. Vielmehr geht es zunehmend um die grundsätzliche Frage, wie sich Mobilität, Aufenthaltsqualität und Sicherheit in Neuruppin künftig miteinander verbinden lassen.
