In Sorge um die Tiere der Welt: die Kinderkantorei 3 und die Pianistin.
Die biblische Schöpfungsgeschichte liefert den Stoff für das Musical “Der achte Tag” von Anne Riedler. Mit dem Titel geht die Erinnerung der Menschen an ihre Verantwortung einher. Achter Tag ist immer seit jener gigantischen Projektwoche Gottes, achter Tag ist Alltag, ist allüberall. Jeder Moment zählt. Dass die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl genau 40 Jahr zurückliegt, verlieh der Darbietung der Kinder noch größere Eindringlichkeit.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Für den Gottesdienst als Rahmen war Pastorin Gabriele Zieme-Diederich zuständig. Die musikalische Gesamtleitung lag in den Händen von Matthias Noack. Am Piano begleitete Juliane Felsch-Grunow den Gesang der Kinder, die gemeinsam die Kinderkantorei 3 bilden. Geschickt wurde eine echte Taufe in die Dramaturgie einbezogen, geht es doch um das Wunder des Lebens als Geschenk Gottes, verbunden mit dem Appell, die Schöpfung zu erhalten.
“Wohlstand, Wohlstand, Wachstum, Wachstum!”, schmettern die Kinder. Da ist schon achter Tag. An den sieben Tagen zuvor hatten sie ganz andere Töne angestimmt. Und Mimik und Gestik chorisch ins Spiel gebracht. Das kam sehr gut an, das war zu spüren. Und das alles bei einer beeindruckenden Textmenge und Strophenlänge. Respekt!
Nun am achten Tag, da sieht vieles finster aus, wenn man sich nicht vom Glanz der Produkte blenden lässt wie blöd. Deshalb die Zäsur, deshalb die Warnung mit Worten vom Wohlleben in Achtlosigkeit. Matthias Noack hatte schon bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste daran erinnert, dass sich am 26. April 1986 die verheerende Nuklearkatastrophe im Atomreaktor von Tschernobyl ereignet hatte. Ein Vermächtnis. Und grenzüberschreitend. Strahlung kümmerte sich ’86 nicht um Mauer und Stacheldraht zwischen den politischen Blöcken oder um politische Gräben, wie sie auch derzeit Welt und Alltag prägen.

Fotos: VHS
Lieder wie das vom “Wasser des Lebens” ließen die Gemeinde singend teilhaben an Dank und Hoffnung, aber auch an Gefährdung und Verantwortung. Die Pastorin betonte, es gehe beim Rekurs auf die biblische Schöpfungsgeschichte heutzutage selbstredend nicht etwa darum, die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften zurückzuweisen. Im Gegenteil! Aber der Glaube speist sich eben nicht aus einer Formelsammlung oder dem Periodensystem. Man setzt tiefer an. Oder höher. Und sieht des Menschen Möglichkeiten. Auch ehedem angenommene Unmöglichkeiten. Wenn die singenden Kinder Sterne emporhalten oder die Sonne und den (inzwischen umflogenen) Mond oder allerlei Tiere und ihr Gotteslob erklingen lassen, wird spürbar, wie kostbar die Schöpfung ist, aber auch, wie ungemein schwierig die Entscheidung für einen verantwortbaren Weg ist und bleibt.
Aber es gibt auch banale Beispiele. Nehmen wir den Beamer. Nehmen wir diese Stromverschwendung! Die textsicheren spielfreudigen Kinder vermögen auf ihre Art viel mehr als der Bildwerfer und sie erreichen gemeinsam mit der Pianistin Herz und Verstand – sehr geschickt von der Bank aus dirigiert. Der Applaus für das ganze Ensemble fiel anhaltend und herzlich aus.
Wer sich einen eigenen Eindruck vom “Achten Tag” verschaffen will, hat am 3. Mai 2026 ab 10.15 Uhr in der St. Laurentius Kirche in Rheinsberg dazu Gelegenheit. Der Tschernobyltag liegt dann schon eine Woche zurück. Aber das Atomkraftwerk Rheinsberg liegt ja recht nah. Der Appell zu Menschenliebe, zu Mäßigung und Naturerhaltung, die Hoffnung auf Frieden und Friedfertigkeit finden ohnehin überall Grund.
