Karl Friedrich Schinkel als Playmobilfigur – das brachte noch nicht den Durchbruch. Aber etwas mehr Aufmerksamkeit. Und Heiterkeit. Nun ist aus dem Baudezernat der Stadt zu hören, dass Schinkel besser ins Licht gerückt werden soll als bisher – spätestens bis zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2031. Das Denkmal von Max Wiese wäre also anders eingerahmt als bislang. Ob das Ansinnen Anklang findet?
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Das Arreal wird dominiert von der Kulturkirche, ehemals Pfarrkirche. Schinkel steht eher im Hintergrund. Aber zu übersehen ist der Sohn der Stadt natürlich nicht auf dem Kirchplatz. In stattlicher Höhe steht er da und schaut. Irgendwas hat er vor. Vermutlich nicht wenig. Ein klares Gesamtbild wie am Braschplatz ergibt sich nicht für ihn. Da hinten ist der Kunstkiosk, hier und da wird geparkt, rundherum Verkehr, da vorne wird gerastet, dort manchmal herumgelungert. Fußwege bieten Abkürzungen. Die Bäume sind eine Pracht. Die Rasenfläche ist groß. Die Friedensbotschaft der alten Eiche ist größer. An Fahnenmasten ist neben der Kirche zu erkennen, woher der Wind weht. Große Events sind auf dem Platz bislang die Ausnahme. Dabei wäre ein Theaterstück zu seinen Füßen und doch auf Augenhöhe eine wunderbare Vision. Wenn sich die Richtigen finden, spätestens 2031.
Nun ist eine besondere Bewegung in die Fontanestadt gekommen. Bürgerinnen und Bürger sollen beteiligt werden an der Umgestaltung der drei großen Plätze. Umwandlung, Umnutzung, Umwidmung lauten mögliche Leitworte. Am Kirchplatz sind die Hochbeete samt Sitzgelegenheit das auffälligste erste Zeichen. Bürgerengament und städische Impulse gingen Hand in Hand. Liebe gehört auch dazu. Und Verantwortungsgefühl. Der Prozess geht weiter, das zeigen die Worte von Jan Juraschek, die kürzlich in einer Zeitung Verbreitung fanden: “Der Kirchplatz hat viel mehr Potenzial, als er heute vermittelt. Potenzial, mehr Leben in diesen Teil der Altstadt zu bringen.”
Etwa indem man anders und intensiver an Schinkel erinnert? Vor dem verheerenden Feuer von 1787 stand das Pfarrhaus auf dem heutigen Kirchplatz. Straßen und Gassen verliefen anders. Wo genau der kleine Karl Friedrich gespielt hat, ist nicht überliefert. Pfarrer Schinkel, der Vater, verstarb kurz nach der Katastrophe. Dorothea Schinkel und ihre Kinder fanden im Predigerwitwenhaus in der Fischbänkentraße Unterschlupf – eine bewegende Familiengeschichte, die nach ein paar Jahren in Berlin weitergeht und im Falle Karl Friedrichs europäisch inspiriert wird, was die Künste und die kreativen Kräfte angeht, vorneweg die Baukunst.

Fotos: VHS
In der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft treffen die Ideen rund um das Denkmalarreal auf offene Ohren, ist man selbst doch nicht nur im Vorstand um Otto Wynen und Matthias Frinken aktiv mit der Frage befasst, wie eine Öffnung des gemeinnützigen Vereins aussehen kann, die mehr Menschen erreicht und doch ihr Fundament in Schinkels Vermächtnis behält. Ein Schinkel-Platz? Oder Karl-Friedrich-Schinkel-Platz? Die Diskussion hat begonnen, doch mit dem Namen allein wäre noch nicht viel gewonnen.
In jenem Blatt las man, an Schinkel erinnere in Neuruppin bis auf die Schinkelstraße und das Denkmal wenig. Stimmt. Und stimmt überhaupt nicht. Wer die Schinkelstadt besuchen will und von der Autobahn aus südlicher Richtung kommt, sieht zuerst das Schinkel-Gymnasium. Fünfzig Jahre ist der Zweckbau an der Käthe-Kollwitz-Straße alt. Nicht nur über und aus dieser Schule Neuruppins ist in der Restpresse regelmäßig (fast) nichts zu lesen. Begreifen sich die jungen Leute überhaupt als Schinkelschüler und Schinkelschülerinnen?
“Die Schülerinnen und Schüler des Kunstleistungskurses 12 gestalteten zum 30. April 1999 ein Schaufenster der Geschäftsstelle”, heißt es in Heft 5 der Mitteilungen der Gesellschaft. Also wo die Gesellschaft ihren Sitz hat. Das ist lange her. Der vom damaligen Schulleiter Jörg-Ulrich Feller erwähnte Auftrag, in der Schülerschaft ein Bewusstsein von der Bedeutung Schinkels zu schaffen, ist geblieben, gerade weil die Namensgebung nun schon 33 Jahre zurückliegt. An Möglichkeiten ist kein Mangel, nicht nur im Hinblick auf die Initiative der Stadt. Ob Schinkelschule oder Schinkelplatz – man kann den ewig jungen Mann da auf dem Sockel einfach nicht oft genug zitieren: “Überall ist man nur da wahrhaft lebendig, wo man Neues schafft.” Nicht als Selbstzweck, nicht als PR-Trick, sondern orientiert an seinem Vermächtnis, kreativ, wertebewusst und kulturell einer offenen Gesellschaft verpflichtet.


Ein paar Gedanken von mir zum Artikel über den Kirchplatz, die mich nach dem Lesen bewegen Ich arbeite seit zehn Jahren am Kirchplatz, laufe fast jeden Tag mindestens einmal über ihn. Ich fände es schade, wenn der Kirchplatz grundsätzlich sein Gesicht verlieren würde. Für mich hat er hat sehr wohl ein Bild und eine klare Struktur, auf alle Fälle hinter der Kulturkirche, mit seinen sich kreuzenden Wegen und den umlaufenden Baumreihen. Zudem besitzt der Kirchplatz nach meinem Erleben eine ganz eigene Aufenthaltsqualität und das nicht nur zu den regelmäßig stattfindenden Familienfesten – wenn Alte wie Junge unter der beeindruckenden Eiche, ganz in ihrem Sinne, friedlich im kühlenden Schatten einen Plausch halten, von Schinkel freundlich beobachtet. Oder wenn Touristengruppen interessiert und voller Tatendrang dreinschauenden jungen Karl Friedrich emporblicken. Oder wenn Leute sich ein Buch aus dem Buchschrank nehmen und gleich vor Ort darin schmökern oder stehen bleiben, um im neu überarbeiteten Kunstkiosk die neueste Ausstellung zu betrachten. Der Kunstkiosk ist im Übrigen für mich in seiner Bescheidenheit ein umso wichtigerer und einzigartiger Kulturort – wo Kunst den Alltag der Menschen ganz selbstverständlich kreuzt, wo verschiedenste Kunstschaffende kostenfrei ein Ausstellungsort haben und wo deren Kunstwerke mit den Betrachter*innen ganz unkompliziert und ohne räumliche oder finanzielle Hindernisse in Berührung kommen. Und selbst das Buseck trägt, wie ich finde zur Lebendigkeit des Platzes bei. Einer alltäglichen Lebendigkeit, die sich nicht auf Jubiläen beschränkt.
Der Kirchplatz wirkt bei allem aber nie hektisch, sondern strahlt zugleich eine ganz eigene Ruhe aus, auch das für mich eine Qualität des Platzes.
Sicher könnte manches neugestaltet oder überarbeitet werden. Ich denke an die Seite des ehemaligen Busbahnhofes und sicher könnte man, im Sinne eines einheitlicheren Bildes, die alten in die Jahre gekommenen Bänke unter der Eiche durch neue Bänke, wie vor dem Schinkeldenkmal ersetzen. Eine zusätzliche Bepflanzung links und rechts der Wege könnte wohlmöglich den Gesamteindruck noch verbessern. Eine Tafel, die an das Geburtshaus Schinkels erinnert fände sicher schließlich auch noch einen guten Platz.
Alles in allem kann man, sicher das eine oder andere Detail verändern aber wie scheinbar der Platz als solches in seiner jetzigen Gestalt und Funktion in Frage gestellt zu werden scheint, es gab ja auch einen diesbezüglichen Artikel in der MAZ, überrascht mich doch.
Ich mag den (jetzigen) Kirchplatz.
Für mich gebe es im Blick auf das Schinkeljubiläum im Übrigen eine andere städtebauliche Herausforderung, die einheitliche Gestaltung der Bürgersteige auf der Karl-Marx-Straße vom Rheinsberger Tor bis zum Fontaneplatz, auf das die erhofften Gäste mit Lust zum Schinkeldenkmal und anschließend weiter zu Fontane schlendern mögen. Ein paar mehr Bäume würden da wahrscheinlich schon eine ganze Menge hermachen.