Wie der ÖPNV in Neuruppin busweise zielsicher mit der Zeit geht…

Geht es um den ÖPNV, ist nicht eben selten von Verspätung die Rede. Bei Bahnen mehr als bei Bussen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Die Formen der Klage und des Geredes ebenfalls. Nun aber gibt es in Neuruppin im Busverkehr einen Fall höchster Pünktlichkeit. Eine Haltestelle an der Karl-Marx-Straße trägt die Bezeichnung “Schinkelplatz”. Dabei ist der Name noch lange nicht in allen Köpfen angekommen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Touristen aus Bremen ist es aufgefallen, als sie sich kürzlich am Kirchplatz wähnten. Auf dem Schild für den öffentlichen Nahverkehr aber heißt die Haltestelle längst “Schinkelplatz”. Gültig sind die aufgelisteten Fahrplanangaben seit dem 1. August 2026. Und es kann durchaus passieren, wie hier abgelichtet, dass man nahe an der Evangelischen Schule plötzlich einen Bus der Linie 759 sieht, der den “Schinkelplatz” als Ziel im Schilde führt. Wo soll der sein? Eine Kartenlandschaft im Internet kennt inzwischen gleich drei Schinkelplätze: den in 16775 Gransee, den in 10117 Berlin Mitte und den in 16816 Neuruppin. Die Kulturkirche wird im Internet längst unter Schinkelplatz 1 geführt. Und der Kirchplatz? Einfach gelöscht?

Zieladresse “Schinkelplatz” für den Bus der Linie 759.

Ob beim Gedenken im Oktober 2025 an den Tod von Karl Friedrich Schinkel im Jahr 1841 oder bei der Verleihung des Schinkelpreises 2026, mehrfach war bereits öffentlich vom “Schinkelplatz” die Rede, etwa aus dem Munde von Bürgermeister Nico Ruhle (SPD). Fragende Gesichter waren nicht zu beobachten, schon gar nicht unmittelbar vor dem Denkmal, wenn dort Blumen niedergelegt werden. Schinkelstraße und Schinkelplatz berühren sich hautnah. Und das Denkmal ist so angelegt, als betrachte der Geehrte seinen Platz, ausgestattet mit der Gerätschaft des Zeichners. Zur Schinkelstraße soll er noch nie geschaut haben. Die Platzierung des Denkmals von Max Wiese ist eine Geschichte für sich.

Familienfest auf dem ehemaligen Pfarrkirchplatz im Mai 2025.
Fotos: VHS

In Internet lässt sich lesen, was der Bürgermeister der Fontanestadt bekannt gibt:
“Gestaltung des Pfarrkirchplatzes (jetzt: Schinkelplatz); hier: Realisierungswettbewerb zur Umgestaltung des ehemaligen Busbahnhofs (Drucksache-Nr.: 2002/16 5. Ergänzung) 1. Die Stadtverordnetenversammlung der Fontanestadt Neuruppin beschließt, die Umgestaltung des ehemaligen Busbahnhofs am Schinkelplatz als prioritäre Maßnahme im Rahmen der Altstadtsanierung umzusetzen. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, zur weiteren Planung als nächsten Schritt einen freiraumplanerischen Wettbewerb durchzuführen.”
Soweit das Amtsdeutsch mit eingebürgertem Schinkelplatz. Der Volksmund hat natürlich auch seine eigenen Möglichkeiten, Zeichen zu setzen. Schreiben etwa die aufgeregten Erstis von der Medizinischen Hochschule Brandenburg aus Neuruppin nach Hause oder in die Welt, sie hätten bei Studienbeginn Ende September 2026 erstmal auf dem Schinkelplatz unter den Augen des Geehrten Besinnung gesucht, zieht das Kreise. Dass der Name Schinkelplatz auch in der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft immer häufiger zu hören ist, nimmt nicht wunder. Und der interaktive Stadtplan kennt den Schinkelplatz auch schon.

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