Voller Tatendrang und Zuversicht: Mario Zetzsche und Nico Ruhle.
Caspar David Friedrich hat es schon hinter sich, Heinrich von Kleist und Karl Friedrich Schinkel haben es noch vor sich: ein großes Namensjahr mit Würdigung, möglichst weiter Ausstrahlung und identitätsstiftender Wirkung. Seitens der Stadt Neuruppin hatte man Expertinnen eingeladen, um Impulse zu erhalten. Humor gehörte auch zu diesem Auftakt fünf Jahre vor dem 250. Geburtstag des Sohnes dieser Stadt.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Eigene Erfahrung hat man schon, vorneweg Moderator Mario Zetzsche vom Amt für Kultur und Tourismus. 2019 war Fontane-Jahr, nicht nur in Neuruppin. Im eigenen Erfolg allein wollte man sich aber nicht sonnen. Deshalb die Einladungen. Das Motto: “Incipe Schinkel!” Auf, das Projekt Schinkel 250 beginnen!
Katja Melzer aus Potsdam erläuterte das Selbstverständnis der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte. Susanne Papenfuß vom Kulturamt Greifswald hatte absagen müssen. Kein “Mönch am Meer”. Aber auf das Kleist-Jahr 2027 in Frankfurt an der Oder konnte schon mit Projektkoordinatorin Elena Sinanina und ihrer Begleiterin geblickt werden. Um ein Einheitsrezept ging es ausdrücklich nicht, eher um Grundsätze, die helfen, nicht bremsen. Der frühe Beginn gehört selbst dazu. Und in Neuruppin ein Augenzwinkern. Kekse lagen in der Kulturkirche mit der Adresse “Schinkelplatz 1”. Bis 2031 sollen sie sicherlich nicht aufgehoben werden. Die ersten Kommentare fielen unterschiedlich aus.

Katja Melzer hob hervor, die Thematik eines solchen Gedenkjahres müsse, bei aller Bindung an den Anlass, offen und weit formuliert sein, um möglichst vielen Menschen Zugänge zu ermöglichen. Gute Vernetzung sei wichtig, am Ort, aber auch im Bundesland. Im Fall Schinkel wird es auch in Berlin nicht wenige Aktivitäten geben. Frühe Kooperation ist also geboten. Den konkreten Start empfehlen die Potsdamer zwei Jahre vor dem Auftakt.
Am Beispiel des Kleist-Projekts 2027 konnten die Versammelten später sehen, wie sich dieser konzeptionelle Ansatz konkret entwickeln lässt. Kulturelle und mediale Vielfalt werden angestrebt. Straßen und Plätze werden zu Spielstätten. Im Vorlaufjahr wird es schon einen “Prolog” geben. Im Mittelpunkt aber steht das Festival vom 29. April bis zum 21. November 2027. Ins Detail gingen Elena Sinania und ihre Kollegin nicht. Die Lebenswege und Wirkungsfelder von Kleist und Schinkel sind sehr unterschiedlich. Das konnte vernachlässigt werden. Nicht aber das Insistieren darauf, wirklich die Schranken der Kulturkreise zu überwinden. Niederschwellig einzusteigen. Spielraum zu gewähren. Generationen zu verbinden. Bezahlbarkeit zu bieten. Gerade deshalb war auch der Hinweis von Katja Melzer auf finanzielle Förderung durch das Land Brandenburg wichtig. Und auf den Wert von Sponsoring.

Fotos: VHS
Kleists Aufsatz “Über die Verfertigung der Gedanken beim Reden” hat bei solch einem Anlass durchaus Bezugspunkte. Bei “LEGO-Impuls” für 2031 konnte spielerisch die Verfertigung von Ideen entfaltet und die Manifestierung von Gefühlen beobachtet werden. Bitte notieren! Bitte abgeben! Bürgermeister Nico Ruhle begann. In der Pause setzten sich Wagemutige oder Spieltriebhafte an die Tische. Die Auswertung würde folgen, so Zetzsche. LEGO scheint also schon den Zuschlag bekommen zu haben. Alles Weitere wird sich zeigen, etwa auf dem Neuen Markt, wo Kinder mit Wasser spielen, als hätten sie Schinkels Beobachtungen in den Bergen Italiens gelesen über kluge Wasserläufe, ganz ohne Plastik…
