Berliner Kulturwissenschaftler Jan Mende ist der Schinkel-Preisträger 2026

“Es war nicht Schinkels eigentliche Natur, in Gesellschaft zu glänzen”, schreibt Jan Mende. Nun steht der Berliner Kulturwissenschaftler selbst im Rampenlicht. Am 13. März wird ihm der Schinkel-Preis 2026 in der Kulturkirche verliehen. Man hatte es schon geahnt nach der überaus anregenden Lekture des 2025 erschienenen Werks “Karl Friedrich Schinkel – Großer Künstler, ‘einsame Seele’?”

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Mit der Bekanntgabe des Preisträgers verknüpft die Stadt Neuruppin den Hinweis, dass nun auch die Vorbereitungen für das große Schinkel-Jubiläumsjahr 2031 beginnen. Karl Friedrich Schinkel kam am 13. März 1781 in Neuruppin zur Welt. Es darf damit gerechnet werden, dass am 13. März 2026 in der Kulturkirche auch zu “Schinkel250” ein paar Anmerkungen gemacht werden. Die Veranstaltung, die um 18 Uhr beginnt, ist öffentlich. Man bittet um Anmeldung. Näheres im Internet unter der Adresse https://www.schinkel250.de .

Jan Mende, Schinkelpreisträger 2026, hier im Jahr 2024
Quelle: Wikipedia

“Schinkel war ein Workoholic”, weiß Mende. Und Frühaufsteher. Und manchmal wohl ein wenig eigenmächtig. Und eigensinnig. Selbst 1964 in Ostberlin geboren, hat Mende sich nach einer Lehre in Tiefdruck für ein Hochschulstudium der Museumskunde in Leipzig entschieden. 2013 wurde er an der Universität Potsdam promoviert. Als Ausstellungsmacher und Programmkurator hat er reichlich Erfahrungen gesammelt. Ein Mann des Müßiggangs scheint er selbst also auch nicht zu sein. Vor allem aber ist er kein blinder Verehrer von Schinkel – wie auch, wenn es um Architektur, Malerei und Möbeldesign geht, um nur drei Schwerpunkte des Wirkens und Schaffens von Schinkel zu nennen. Kritische Stimmen bezieht Mende ein, etwa die Mäkelei über die nicht optimale Akustik in großen Schinkelkirchen. Eigentlich ist das Schinkel-Werk Mendes ein weit ausgreifender Essay mit einem gut verträglichen Maß an Psychologie. Bildmaterial wird geschickt eingefügt.

Schinkel250 – profilbewusst unter Verwendung eines Bühnenbildes von KFS.
Screenshot von der Website Schinkel250.

Jan Mende kann auch ganz anders. Das zeigt sein kompaktes Werk “Die Tonwarenfabrik – Tobias Chr. Feilner in Berlin”. Eine weitere Unterzeile weckt Interesse – sicher nicht allein in den Schinkelstädten Berlin und Neuruppin: “Kunst und Industrie im Zeitalter Schinkels”. Als Herausgeber zeichnet Jan Mende für den Band “Friedrich Gilly 1772 – 1800” verantwortlich. Sein eigener Beitrag zeigt schon in der Überschrift eine gewisse Lockerheit, fast reporterartig: “Ganz vorn dabei!” Friedrich blieb nicht viel gemeinsame Zeit mit Karl Friedrich. Aber es gab Impulse und es blieben offene Projekte, als der Sohn des Architekten David Gilly mit nur 28 Jahren verstarb. Der Sammelband zeigt, wie man 2022 an der Spree an 250 Jahre Friedrich Gilly erinnerte. Das wird man sicher auch im von Jan Juraschek geleiteten Baudezernat der Stadt Neuruppin genaustens studieren.
Die Begründung der Jury für die Preisvergabe im Jahr 2026 an Jan Mende wird Anna Marie Pfäfflin vom Kupferstichkabinett Berlin vortragen. Als Lobredner konnte Wolfgang Augustyn von der Ludwig-Maximilians-Universität München gewonnen werden. Und der Preisträger kommt zu Wort, auch als Mensch. Mario Zetzsche, der Amtsleiter für Kultur und noch viel mehr, moderiert, Easy Over musiziert. Ein Stehempfang steht am Ende der Festveranstaltung.

Spiel mal mit Playmobil: für Schinkel250 sicher nicht die einzige Gestaltung.
Foto: VHS

Der eigentliche Auftakt am Schinkel-Geburtstag ist bereits um 11 Uhr. Die „Stadtentdecker“ der Rosa-Luxemburg-Schule stellen ihren neuen Schinkel-Actionbound am Denkmal vor. Um 16 Uhr heißt dort das Stichwort “Geburtstagsgruß”. Die Stadt ist durch Bürgermeister Nico Ruhle vertreten. Matthias Frinken wird für die Schinkel-Gesellschaft sprechen.
Impulse von drei Aktionsexpertinnen eröffnen ab 16.30 Uhr in der Kulturkirche den Ideenprozess für das Gedenkprojekt Schinkel250. Seitens der Schinkel-Gesellschaft wird man sicher reichlich Formulare mit Beitrittserklärungen auslegen. Für Otto Wynen vom Vorstand ist klar: “Schinkel250 fällt nicht vom Himmel.” Deshalb war die Freude im Vorstand riesig, als fast ein Dutzend Elfjährige von der Rosa-Luxemburg-Schule mit ihrer Lehrerin und Uta Bartsch (“Kunst unterwegs”) kürzlich in der Fischbänkenstraße auftauchten, um mehr über das Feuer von 1787 und die Brandspuren im Leben des jungen Karl Friedrich zu hören, der wie seine vier Geschwister plötzlich Halbwaise war. Von Mutter und Vater wird bei Schinkel250 sicher auch zu sprechen sein. Und – um nur ein Beispiel zu nennen – vom alten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin. Ein Feuer hatte dafür gesorgt, dass Karl Friedrich Schinkel zeigen konnte, was er kann. Wahnsinnig viel. Abverlangte er sich, seiner Frau Susanne und ihren gemeinsamen Kindern eigentlich manchmal zu viel des Guten? Und warum diese Riesenwohnung oben in der Bauakademie, dem Himmel so nah? Mehr bei Mende…

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