Schinkelvortrag, Schinkelversgeflüster und schwere Niederschläge…

Um Schinkels Persönlichkeit ging es im Museum Neuruppin. Auf Schinkels Strahlkraft hoffte man am Neuen Markt beim “Marktgeflüster”. Im Museum stellte Schinkel-Preisträger Jan Mende sein Buch über den Sohn Neuruppins vor. Wer sich danach auf den Weg zum Gastronomieevent mit Musik machte, das noch bis Samstag währt, erlebte “Remmi von Demmi”. Größer könnte ein Kontrast kaum sein. Der einsetzende Starkregen verringerte den Zuspruch erheblich.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

“Großer Künstler – ‘einsame Seele” sind die Leitworte, mit denen Jan Mende gezielt Akzente setzt. Sein Werk über Schinkel ist hier bereits vorgestellt worden, ebenso die Begründung der Preisträgerschaft 2026. Mende orientierte sich bei seiner von Museumsmitarbeiterin Aglaia Zimmermann eingeleiteten Präsentation stark am Druckwerk, auch im Hinblick auf das hingebeamte Bildmaterial.

Kunstexperte Dr. Jan Mende zu Gast im Museum Neuruppin.

Wesentliche Verlautbarungen über Schinkel kommen aus den Resonanzräumen der Architektur, der Literatur und der preußischen Obrigkeit jener Zeit. Es entsteht ein stark gemischtes Bild. Ein endgültiges Urteil wird natürlich nicht gefällt, auch nicht, als man sich mit Mende der ausgreifenden Schinkelwohnung oben in der Bauakademie nähert. Mit Hilfe der sogenannten KI soll es in nicht allzuferner Zukunft eine virtuelle Begehung geben. Ob es gelingt, die fünf Jahre Leben und Dahinscheiden wirklich menschlich nahe zu bringen?
Ein anderer regionaler Bezug: Unter den Künstlern, die Schinkel porträtierten, ist auch Wilhelm Hensel, der im Alter von zwei Jahren durch den Dienstantritt seines Vaters als Pfarrer 1796 nach Linum kam und dort bis 1809 lebte. Eine Buchpräsentation in der Bücherei in Fehrbellin hätte in Hensels Schinkelbildnissen und ihren Adaptionen sicher einen markanten Bezugspunkt gehabt, schon durch die Leidensmiene und das Leitwort der Einsamkeit. Clemens Brentano war es, der auf Karl Friedrich Schinkels Sensibilität ausdrücklich hinwies. Die Beziehung der beiden Künstler ist nicht nur von Jens Bisky intensiv durchleuchtet worden. Natürlich hielt man für Interessierte das lesenswerte Werk von Jan Mende zum käuflichen Erwerb bereit.

Altmateral von “Remmi von Demmi” auf dem Neuen Markt.

Nun also “Schinkels Marktgeflüster”. Material hätte es durchaus gegeben, wenn unter dem Motto tatsächlich Poesie aus der Schinkelzeit und Tonkunst hätten zusammenfinden sollen – vorneweg “An Schinkel” von Clemens Brentano. Lassen wir doch den schwierigen eitlen Mann, den drängelnden Brieffreund von Luise Hensel, erstmal versweise zu Wort kommen:

Du selbst wohl magst in heitrer Festlichkeit
Der Frucht und Blumen Schnur mit Band umschlingen,
Und so vom Turme hin zum Turme schwingen
Den himmelfrohen Blicken zum Geleit,
Wenn des Momentes kühne Heiterkeit
Von Gipfeln hin zu Gipfeln möchte springen,
Und nach der Vögel Lied in Blumenringen
Sich schaukeln schwebend überm Erdenstreit.

So sei hinüber dann zu Dir gekreist
Mein Liederband von einem Gipfel ab,
Dess‘ Lavastrom die Rinde überm Grab
Erstarrter Mitwelt oft Dir aufgeeist.
Sei treu begrüßt Du nie erschöpfter Geist,
Dem das Verhältnis seinen Meisterstab,
Das Unermeßliche zu messen, gab,
Daß Ew’ges sich in Grenzen schön erweist.

Hier würde “Remmi von Demmi” vermutlich nicht ansetzen. Und richtig: Volksmusik, Liebeslieder und Hitparadenhits wurden den Gästen entgegengeworfen wie krachende Recyclingware. “Heidi” musste dran glauben, alterspubertäre Spitzzüngigkeit inclusive, es gab “Haiwai”-Kost mit kleiner Wortkriegsspielerei und pralle Seemannslust auf Sankt Pauli. Also Reeperbahnschmalz bis zum Hals statt Rap oder Chanson, aber alles immer im Sauseschritt und wahnsinnig gut drauf, der kaspernde Clown!

Stundenweise offene Tür bei der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft.
Fotos: VHS

Nur Abergläubige werden, was dann mit einsetzender Dunkelheit niederkam, für eine Strafe des Himmels für so viel Radau oder Remmidemmi halten. Derweil war unter schützendem Zeltdach gegenüber vom Predigerwitwenhaus, dem Sitz der Schinkel Gesellschaft, über “Schinkel Rot” manches Lobeswort zu hören. Und die Hoffnung auf Besserung. Des Wetters. Auf dass es wirklich “himmelfrohe Blicke” gibt.

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