Neuneuruppiner Michael Sohn, auf Klarheit und Aschaulichkeit bedacht.
Michael Sohn ist kein Kind der Region. Aber seit ein paar Jahren wohnt er in Neuruppin. Nun hat der gebürtige Ostberliner sein Werk “Kähne auf dem Rhin”, das hier bereits begutachtet wurde, einem recht großen Publikum im Museum Neuruppin vorstellen können. Am Ende gab es einige Fragen. Nicht, weil die Lücken so groß waren. Im Gegenteil: Sohn hatte echtes Interesse geweckt.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Eigentlich ist Michael Sohn Designer. Industriedesigner. Er könnte einem schweren alten Torfkahn sicherlich mit Leichtigkeit Flügel verleihen. Oder ein schönes Gesicht. Im Museum Neuruppin aber sprach er als Hobbyhistoriker. Thema: “Kähne auf dem Rhin”. Untertitel: “Frachtschifffahrt im Ruppiner Land”. Maja Peers, die Leiterin des Hauses, freute sich über die tolle Resonanz. Ein alter Reporter war sogar extra aus Rheinsberg angereist, vermutlich nicht auf dem Rhin.

Kähne im Waldgefilde. Also Binnenschifferromantik? Keineswegs. Michael Sohn dürfte noch in der DDR gelernt haben, dass es primär um Produktivkräfte geht und um Produktionsverhältnisse, um Waren und um Profit. Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war von größter Dynamik. Und erfolgreich. Deshalb war Karl Marx ja so begeistert. Da ging noch was. Ehe nichts mehr geht.
Selbst Dörfer wie Linum wurden vom Zauber erfasst. Man hatte Torf. Unternehmer unternahmen allerlei, um ins Geschäft zu kommen. Torf will transportiert sein. In Berlin gab es Nachfrage. Und sonstwo. Mit Bildmaterial und einigen Erläuterungen wurde das Binnenschifferwesen präsentiert. Es ging um Wasserbau, also um Ufer, Gradlinigkeit und Passierbarkeit, es ging um Schleusengebühren. Die Frösche wurden nicht gefragt. Vom Staken, vom Treideln und Segeln war die Rede. Aus Landschaft drohte schnöde Gegend zu werden.
Über einhundert Jahre Binnenschifffahrt galt es, anschaulich werden zu lassen. Sohn klammerte nicht aus, was der Beruf des Binnenschiffers für die Familien bedeutete, insbesondere für die Frauen. Später wurden einzelne Fälle herangezogen. Das berührte. Mit modernen Mitteln der IT können demografische Aspekte demonstriert werden. Dann das Motto “Aus Fischern werden Schiffer”. Mehr als ein Chiasmus. Heute könnte Animationskunst einzelne Kähne wieder auf dem Rhin in Fahrt bringen, womöglich sogar eins der Wracks aus dem Ruppiner See. Das blieb den Gästen erspart. Geschickt verstand es der Autor, Interesse für sein umfangreiches Werk zu wecken.

Fotos: VHS
Holz wird immer noch aus dem Ruppiner Land abtransportiert. Der Wald ruft (um Hilfe). Mit LKWs wird das Geschäft erledigt. Frachtschifffahrt ist längst Vergangenheit. Personentransport gibt es noch. Kleine Ausflugsfahrten. Aber Michael Sohn hat an diesem Abend ein anderes Thema. Seinem niemals ausufernden Vortrag galt ein warmherziger Applaus. Wer nach der Fragerunde noch weitere Fragen hatte oder ein paar Anmerkungen, konnte später bei kleinen Köstlichkeiten mit dem Autor ins Gespräch kommen. Die Gattin hatte allerlei angerichtet.
