Susanne Krell nach der Begrüßung der Gäste mit einigen Erläuterungen.
Françoise Eléonore Dejean de Manville, Comtesse de Sabran, kann sich in Paris nicht mehr sicher fühlen. Die Revolution von 1789 kommt nicht zur Ruhe. Zum Glück für die Mehrheit der Menschen, aber für Privilegierte und Verstrickte eine akute und massive Lebensbedrohung. Die Möglichkeit, so Prinz Heinrich bei einer Begegnung in Spa, auf Schloss Rheinsberg Zuflucht zu finden, nimmt die Comtesse 1792 wahr. Als Installationskünstlerin hat sich Susanne Krell des Falles angenommen.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
In Rheinsberg gedenkt man in diesem Jahr der Geburt des Kronprinzen Friedrich Heinrich Ludwig vor 300 Jahren. Das Porträt der Comtesse hat im Rheinsberger Schloss eher eine randständige Bedeutung. Das wollte Susanne Krell ändern. Mit künstlerischen Mitteln. Also wurde gründlich recherchiert. Und kreativ konzipiert. Und mit unterschiedlichen Mitteln installiert. KI kommt zum Einsatz dank Peter Kautz. Leider blieb die Gruppe der Interessierten überschaubar bei der Vernissage am Karfreitag. Für Seh- und Sichtweisen will die Neuruppiner Künstlerin sensibilisieren. An der Projektionswand werden handlungsstarke Bilder präsentiert. Musik jener Zeit erklingt. Wortbeiträge ergänzen die Animationen. Alle Schwächen der KI-Kunst werden gnadenlos sichtbar, etwa in Mimik und Bewegung. Man darf das mögen. Man kann das belächeln. Und fürchten.

Das suggerierte Geschichtsbild überrascht: Die Lage in Paris habe sich dramatisch verschlechtert, heißt es. Originaltext, KI-Ton. Subjektiv richtig, wenn man auf der goldenen Seite steht. Die Wirklichkeit im Paris jener Jahre ist wesentlich komplizierter. Georg Büchner und Peter Weiss haben sich mit dem Stoff als Dramatiker auseinandergesetzt. Susanne Krell fokussiert sich auf den Weg der Comtesse und deren Sohn. Der geliebte Mann kommt ins Spiel. Aus Rheinsberg werden Szenen des höfischen Treibens entfaltet. Die Comtesse wirkt dabei allerdings belastet. So ist der Stoff nicht etwa zur Romanze geworden. Wie mögen Rheinsberger Schülerinnen und Schüler reagieren, falls ihre Lehrkräfte den Weg zum Schloss finden?

Fotos: VHS
Im Vorfeld der Installation hatte Susanne Krell dafür geworben, heutige oder noch nicht so weit zurückliegende Wege nach Rheinsberg zu schildern und einzusenden. Umzug oder Ausflug, vielleicht Zuflucht? Was bereits vorliegt, wurde nicht explizit in die Vernissage einbezogen. Aber das locker aushängende Material kann gelesen werden. Zwei Frottagen an der Wand geben einen anderen Blick frei auf den Weg der Comtesse – einmal aus Paris, dann von der Festung Ehrenbreitstein oberhalb des Rheins bei Koblenz.
Die Gäste gingen nach der mit Applaus bedachten Vernissage zur Comtesse. Ob die Installation, deren Zustandekommen vom Landkreis, der Sparkasse, dem örtlichen Kulturverein und der Schlossverwaltung unterstützt wurde, sich ausgewirkt hat auf die Begegnung? Wie nah wir ihr noch kommen können, war eine Leitfrage. Die Antwort kennen die Gäste. Bis zum 31. Mai 2026 ist die Installation im Schloss zugänglich.
