Wahrscheinlichkeitsrechnung und Notfallrettungsdienst im Raum OPR

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Wenn es auf der Straße kracht und Menschen zu Schaden kommen, kann jede Sekunde wichtig sein, um noch helfen zu können. Was im Modell ein Zahlenspiel ist mit ganz unterschiedlichen Variablen, ist im Ernstfall von ganz konkreten Bedingungen und menschlichem Handeln abhängig. Ein Beispiel ist die Stationierung von Rettungshubschraubern.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Als es vor ein paar Tagen auf der Straße Zur Mesche zu einem Unfall kommt, bei dem eine ältere Fahrradfahrerin am Kopf verletzt wird, dauert es nur wenige Minuten, bis die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Notarztwagen am Unfallort sind. Als Zeuge der verschiedenen Maßnahmen konnte man nur staunen über die wenige verlorene Zeit und die Behendigkeit.
Zehn Rettungswachen gibt es in OPR. Rund 20.000 Einsätze gibt es pro Jahr, so die in der Lokalpresse zu lesenden Angaben des Landrates Ralf Reinhardt. Demnach können die Einsatzkräfte in nur 82 Prozent der Fälle innerhalb einer Viertelstunde am Einsatzort eintreffen. Die gesetzte Norm liegt bei 95 Prozent. Ideal wären natürlich 100 Prozent, noch besser wären 10 Minuten. Im Modellrechnen ist ein wesentlicher Faktor die Stationierung von Rettungshubschraubern. In Wirklichkeit auch. Zahl und Platzierung, Ausstattung und Besetzung sollten zur relativen Optimierung der Notfallversorgung beitragen.
Der Landrat bringt hier (erneut) Neuruppin als Standort ins Spiel, um der Maßgabe, dass es keine Benachteiligung geben dürfe, gerecht zu werden. Folgt man der kritisch getönten Argumentation von Landkreisseite, ist klar, dass das Land Brandenburg hier seiner Pflicht noch nicht entsprochen hat. Zuständig ist das Innenministerium, an dessen Spitze seit Mai 2025 Rene Wilke steht. Der Hinweis auf die zu geringe Auslastung der bereits vorhandenen fünf Hubschrauber wird auf Landkreisseite nicht als Rechtfertigung für die Nichtstationierung eines sechsten Hubschraubers akzeptiert. Notfallversorgung habe Priorität. Wirtschaftlichkeit ist nicht etwa unwichtig, aber eben untergeordnet. Positive Bewegung gibt es laut Landrat bei der Stationierung von Rettungswagen. Die 95 %-Marge werde aber auch damit nicht erreicht.
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Ein Rettungshubschrauber im Ruhemodus beim Behördenzentrum.
Fotos: VHS

Anfang November landete ein Rettungshubschrauber hinter dem Behördenzentrum. Der Anlass offenbarte sich dem einfachen Passanten nicht. Anscheinend kein Notfall. Ein älterer Spaziergänger scherzte angesichts des Lärms: “Schluss mit dem Büroschlaf!” Die Rotorblätter kamen zur Ruhe. Da fiel ein kluges Wort, ganz ohne Schaulustigkeit: “Gut, wenn der Rettungshubschrauber nah stationiert ist. Noch besser, wenn er nicht so oft los muss.” Es ist schließlich die Not, die ruft, und ein Mensch, egal wer, der Hilfe braucht…

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