Eine zuverlässige und häufigere Bahnverbindung nach Berlin gilt als wichtiger Standortfaktor für Neuruppin und den gesamten Nordwesten Brandenburgs.
Der Ruf nach einer besseren Bahnanbindung Neuruppins wird lauter. Haus & Grund OPR fordert mehr öffentlichen Druck, auch CDU und Bündnis 90/Die Grünen stellen sich hinter den Halbstundentakt. Entscheidend könnte nun sein, ob aus den vielen einzelnen Stimmen eine breite Initiative der Region entsteht.
Von macron
Die Diskussion um eine bessere Bahnanbindung Neuruppins an Berlin gewinnt an Breite. Neben Fahrgästen, Kommunalpolitik und den Initiatoren der Petition für einen Halbstundentakt meldet sich nun auch Haus & Grund Ostprignitz-Ruppin deutlich zu Wort. Der Eigentümerverband fordert ein gemeinsames Auftreten der Region, um gegenüber der Landesregierung mehr Nachdruck für einen schnelleren Ausbau der Strecke zu entwickeln. Verbandsvorsitzender Ingo Karbe hatte sich dazu vor wenigen Tagen mit Landrat Ralf Reinhardt ausgetauscht. Seine Schlussfolgerung: Einzelne Gespräche und Appelle reichen offenbar nicht aus. Fahrgäste, Kommunen, Unternehmen, Vereine und Verbände müssten gemeinsam deutlich machen, welche Bedeutung eine zuverlässige Bahnverbindung für Neuruppin und den gesamten Nordwesten Brandenburgs hat.
„Wir können nicht noch länger warten, mit der Hinhaltetaktik muss endlich Schluss sein“
Ingo Karbe IN der MAZ
Für Haus & Grund ist der Prignitz-Express dabei weit mehr als ein Verkehrsthema. Eine schnelle und verlässliche Verbindung nach Berlin beeinflusst aus Sicht des Verbandes auch die künftige Entwicklung der Region. Gerade junge Familien, die einen Wohnort außerhalb der Hauptstadt suchen, seien auf gute Verkehrsverbindungen angewiesen. Damit berühre die Qualität des Bahnangebots zugleich Fragen von Zuzug, wirtschaftlicher Entwicklung und Immobilienwerten.
„Die Benachteiligung des gesamten Nordwestens muss aufhören.“
Landrat Ralf Reinhardt
Auch Landrat Ralf Reinhardt drängt seit längerem auf Verbesserungen. Gegenüber der MAZ erklärte er: „Die Benachteiligung des gesamten Nordwestens muss aufhören.“ Zugleich setzt auch er darauf, dass die Forderungen aus der Region künftig mit größerer öffentlicher Geschlossenheit vorgetragen werden.

An den grundsätzlichen Planungen für eine Taktverdichtung hat sich bislang nichts geändert. Vorgesehen ist, die heute in Kremmen endende RB55 bis Neuruppin West zu verlängern. Gemeinsam mit dem RE6 könnten damit zwei Zugverbindungen pro Stunde zwischen Neuruppin und Hennigsdorf angeboten werden. Voraussetzung ist allerdings der Ausbau der Strecke zwischen Kremmen und Neuruppin, unter anderem mit zusätzlichen Möglichkeiten für Zugbegegnungen. Unsicher bleibt vor allem der Zeitpunkt der Umsetzung. Frühere Planungen sahen deutlich schnellere Verbesserungen vor. Inzwischen haben sich die Erwartungen immer weiter nach hinten verschoben. Während die Verlängerung der RB55 weiterhin Bestandteil der Verkehrsplanung ist, werden in der Region inzwischen Termine weit im kommenden Jahrzehnt genannt.
Der Unmut darüber wächst auch deshalb, weil die bestehende Verbindung weiterhin erhebliche Qualitätsprobleme aufweist. Nach den von der MAZ veröffentlichten Zahlen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg gehörte der RE6 im Juni 2026 zu den unzuverlässigsten Regionalbahnlinien des Landes. Nur 61,7 Prozent der Züge galten als pünktlich. Gleichzeitig fanden lediglich 93,5 Prozent der vorgesehenen Fahrten statt.

Fotos: macron
Der geplante Ausbau soll daher nicht nur mehr Züge ermöglichen. Zusätzliche Kreuzungsmöglichkeiten und eine modernisierte Infrastruktur könnten auch dazu beitragen, den bestehenden Betrieb stabiler und verlässlicher zu machen.
Auch politisch wird die Forderung inzwischen über Parteigrenzen hinweg getragen. Bündnis 90/Die Grünen in Neuruppin haben den Halbstundentakt zu einem ihrer zentralen verkehrspolitischen Themen gemacht und unterstützen die Forderung nach einer deutlich besseren Anbindung der Stadt an Berlin. Ebenso setzen sie sich dafür ein, dass gegenüber Land und Verkehrsministerium der Druck auf eine frühere Umsetzung erhöht wird.
Gerade für eine Region wie die Prignitz und Ostprignitz-Ruppin ist eine verlässliche Anbindung an Berlin kein ,Wünsch-dir-was‘
Sebastian Steineke
Aus der CDU kommt ebenfalls ein klares Signal. Sebastian Steineke machte in einer Antwort auf eine Anfrage deutlich, dass eine verlässliche Bahnanbindung für die Region weit mehr als eine Komfortfrage sei. „Gerade für eine Region wie die Prignitz und Ostprignitz-Ruppin ist eine verlässliche Anbindung an Berlin kein ,Wünsch-dir-was‘, sondern eine echte Standort- und Zukunftsfrage, für Pendler ebenso wie für Unternehmen, Auszubildende und Studierende“, schreibt Steineke. Er kündigte zugleich an, das Thema innerhalb seiner Partei und des CDU-Landesverbandes einzubringen und mit der Landtagsfraktion zu besprechen. Entscheidend sei jedoch auch der Druck auf das brandenburgische Verkehrsministerium. „Dort müssen wir gemeinsam immer wieder vorstellig werden, damit sich an der Situation etwas ändert“, so Steineke.
Damit zeichnet sich zunehmend ein partei- und verbandsübergreifender Konsens ab. Haus & Grund, Landrat Ralf Reinhardt, Vertreter von CDU und Bündnis 90/Die Grünen sowie die Initiatoren und Unterstützer der Petition verfolgen in einem entscheidenden Punkt dasselbe Ziel: Neuruppin und der Nordwesten Brandenburgs brauchen eine bessere, zuverlässigere und häufigere Bahnverbindung nach Berlin.
Gerade diese breite Übereinstimmung macht allerdings auch deutlich, woran es bislang noch fehlt. Politische Zustimmung und einzelne Initiativen haben bisher nicht dazu geführt, dass der Ausbau spürbar schneller vorankommt. Soll sich die Priorität des Projektes in Potsdam verändern, muss aus der Zustimmung vieler Akteure auch sichtbarer öffentlicher Druck entstehen.
Der Aufruf von Haus & Grund trifft deshalb einen wichtigen Punkt. Die Forderung nach dem Halbstundentakt darf nicht allein ein Anliegen von Parteien, Verbänden oder besonders engagierten Einzelpersonen bleiben. Gefragt sind auch Unternehmen, Vereine, Schulen, Pendlerinnen und Pendler und möglichst viele Bürgerinnen und Bürger aus Neuruppin und der Region. Denn beim Ausbau des RE6 und der geplanten Verlängerung der RB55 geht es längst nicht nur um einen zusätzlichen Zug pro Stunde. Es geht um die Frage, wie gut Neuruppin künftig an Berlin angebunden ist – und welchen Stellenwert der Nordwesten Brandenburgs in der Verkehrspolitik des Landes erhält.








Eine gute, verlässliche Zuganbindung von Neuruppin nach Berlin ist absolut wichtig.
Ich selbst fahre täglich nach Berlin zur Arbeit wie die meisten Bahnfahrenden im RE 6.
Was genau ist wichtig?
> Eine direkte Anbindung rein nach Berlin im Zug, sollte nicht länger als 1 bis 1,5 Std dauern.
> Nur ein Halbstundentakt bis Hennigsdorf allein reicht nicht, da auch die S-Bahn zu oft ausfällt!
> eine alternative Route über Löwenberg, für Berufspendler die direkt nach Berlin Mitte müssen, ist
unabdingbar!
> Denkbar wäre auch ein Ausbau der S-Bahn-Strecke bis Neuruppin im Halbstundentakt.
Nur zur Info, Luftlinie ist Berlin von Neuruppin 58 km entfernt , Strecken technisch 90 Kilometer.
Aktuell braucht man je Tour aktuell 2-3 Std, je nachdem ob und wann ein Zug fährt. Bei einen 9 Std Arbeitstag nicht zumutbar.
Damit geht der Fokus auch auf den Zustand der Züge selbst, die 80% der Zeit aufgrund technischer Defekte ausfallen.
Es ist also zwingend eine generelle Lösung des Problems erforderlich.
Die Region OPR wird sonst demographisch einfach abgehängt !
Also Druck, Presse-Aufmerksamkeit, Unterschriften-Petition (gern auch von der Stadtverwaltung organisiert 🙂
Bin gespannt, ob der Ausbau der Strecke wirklich auf den Weg gebracht wird-
VG Ana
Gut, dass sich nun weitere entschlossene Stimmen für eine „zügige“ Realisierung des 30 Minuten Taktes finden.
Ich schlage vor, einen lauten, bunten und sichtbaren Protestzug auf die Straße zu bringen. Der Schienenweg läßt es ja nicht zu. Am besten in Region starten und bis Potsdam zum Verkehrsminister fahren, um das Thema deutlich zu machen.