Landrat besucht Putenfarm Kartzfehn: Einblicke in Tradition, Tierhaltung und Zukunftspläne

Landrat Ralf Reinhardt besuchte die Putenfarm der Kartzfehn Märkische Puten GmbH in Gühlen-Glienicke und informierte sich gemeinsam mit Neuruppins Bürgermeister Nico Ruhle über die aktuelle Lage des Traditionsunternehmens. Die Familie Storck gab Einblicke in Herausforderungen wie Fachkräftemangel und fehlenden Wohnraum sowie in ihre Pläne, den Standort durch moderne, größere Ställe zu erneuern – bei gleichbleibender Tierzahl und weniger versiegelter Fläche. Der Besuch zeigte erneut, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft für die Entwicklung der Region ist.

Von: macron

Zum Abschluss seiner diesjährigen Unternehmensbesuche machte Landrat Ralf Reinhardt Station in Gühlen-Glienicke, wo die Kartzfehn Märkische Puten GmbH seit Jahrzehnten ein bedeutender Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor ist. Begleitet wurde er von Neuruppins Bürgermeister Nico Ruhle, REG-Geschäftsführer Steffen Müller und Wirtschaftsförderin Wiebke Nowack.

Vor Ort gaben Unternehmenschef Thomas Storck, seine Frau Dr. Barbara Storck, Verwaltungsleiterin Christina Licht und Veterinär Daniel Diephaus Einblick in die Arbeit und die Herausforderungen des Betriebs.

Ein Unternehmen mit langer Geschichte

Die Wurzeln von Kartzfehn reichen zurück bis ins Jahr 1922, seit 1957 gehört die Putenhaltung zum Kern des Betriebs – damals inspiriert von US-Modellen, jedoch immer mit Fokus auf die Zerlegung statt der Vermarktung ganzer Tiere. Den Standort in Gühlen-Glienicke übernahm das Unternehmen 1991 vom früheren VEB-Betrieb.

Fachkräfte gesucht – und Wohnraum gleich mit

Ein großes Thema vor Ort: der Personalmangel. Qualifizierte Mitarbeitende sind schwer zu finden, viele kommen aus dem Ausland – doch es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. Bisher mietete das Unternehmen Hotelzimmer und Ferienwohnungen an, was hohe Kosten verursacht.
Inzwischen schafft Kartzfehn selbst Abhilfe und stellt eigenen Wohnraum bereit, indem Wohnungen angemietet und ausgestattet werden.
„Das rechnet sich langfristig“, betonte Thomas Storck.

Flexibilität in der Brüterei schützt vor Verlusten

Besonders eindrücklich war der Einblick in die Brütereistruktur des Unternehmens. Da mehrere Standorte betrieben werden, kann in Zeiten strenger Auflagen – etwa bei Vogelgrippe – flexibel auf andere Brütereien ausgewichen werden.
So lassen sich Verluste durch vernichtete Bruteier und Küken vermeiden.
Ein wichtiges Thema, denn Bruteier sind derzeit knapp: Auch in Nachbarländern mussten wegen Vogelgrippe komplette Elterntierbestände getötet werden, was Angebot und Betriebe stark belastet.

Zukunftspläne: Weniger Gebäude, gleiche Tierzahl

Familiär geprägt und klar auf die nächste Generation ausgerichtet, investiert Kartzfehn weiter am Standort.
Geplant ist eine Modernisierung der Putenställe in Neuglienicke:

  • Alte, kleine Stallanlagen sollen durch wenige, größere Gebäude ersetzt werden.
  • Die Tierzahl bleibt gleich, die Haltung soll aber effizienter und tierschonender werden.
  • Neue Ställe erfüllen moderne energetische Standards.
  • Weniger Gebäude bedeuten auch weniger versiegelte Fläche – ein Plus für Umwelt und Landschaft.

Sorge vor Konzentration in der Branche

Im Gespräch wurde außerdem die zunehmende Abhängigkeit der Branche von wenigen Großschlachtereien thematisiert. Deutschlandweit gibt es mittlerweile nur noch drei große Unternehmen, die Puten schlachten und vermarkten – eine Entwicklung, die viele Betriebe kritisch sehen.

Bedeutung des Dialogs

Zum Abschluss unterstrichen alle Beteiligten, wie wichtig der regelmäßige Austausch zwischen Verwaltung und Wirtschaft ist.
Nur im offenen Gespräch, so der Tenor, könne die Region langfristig attraktiv für Unternehmen bleiben.

Quelle: REG Nordwestbrandenburg

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