Nur ein Teil der gegen Nationalismus und Revanchismus Protestierenden.
“Deutschland den Deutschen!”, heißt eine Parole der Partei “Der III. Weg”. Seit ein paar Wochen in Wittstock an der Dosse mit einem Büro präsent, hatte die völkische Organisation einen Informationsstand in Neuruppin angemeldet. Die Resonanz war schwach. Dagegen fand die Protestkundgebung verschiedener Organistionen ein großes Echo. Vereinzelt kam es sogar zu Gesprächen von Kontrahenten. Doch die klare Frontstellung blieb bestehen.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Ziel der Partei ist die Schaffung eines Deutschen Sozialismus, fernab von ausbeuterischem Kapitalismus wie gleichmacherischem Kommunismus”, liest man im Parteiprogramm. Bewusst oder wie nebenbei knüpft man an eine Schrift von Oswald Spengler aus dem Jahr 1919 an. In “Preußentum und Sozialismus” liest man: “Wir brauchen kein Gerede von Bildung und Weltbürgertum, wir brauchen Härte.” So kann Nationalismus daherkommen. In “Mein Kampf” griff Adolf Hitler in hetzerischer Absicht auf Spenglers Pamphlet zurück, nicht anders die NSDAP im Programm. Die Leitworte auf den ausliegenden Materialien heißen “National. Revolutionär. Sozialistisch.” Vom Verfassungsschutz Brandenburg werde die Mehrheit der Mitglieder als gewaltbereit eingeschätzt, weiß Wikipedia.

“Kein Platz für Neonazis in unserer Stadt!”, hieß es auf einem verteilten Flugblatt. Auch in kurzen Redebeiträgen wurde das völkisch-nationalistische Weltbild ganz entschieden zurückgewiesen. Die Leitworte der Kundgebung: “Für Demokratie. Für Vielfalt. Für Menschlichkeit.” Aus dieser Haltung heraus waren in Räumen der Ruppiner Kirchengemeinde über Generationsgrenzen hinweg Plakate gestaltet worden, die noch mehr Farbe in die Kundgebung brachten. Martin Osinski erinnerte als Sprecher von “Neuruppin bleibt bunt” an finstere Tage, als das Bündnis gegründet wurde. Heute weiß man sich nicht nur mit den “Omas gegen Rechts” verbündet. Was Sabine Wagner im Hinblick auf das Frauenbild der dubiosen Partei zitierte, mutet extrem reaktionär an.
Mit der Parole “Deutschland ist größer als die BRD” zeigt die Partei auch am Infostand ihren offenen Revanchismus. Die Regierung der Bundesrepublik wird als “volksfeindlich” verächtlich gemacht. Von “Verrätern” ist auch die Rede. Einzelne Kundgebungsteilnehmer, die am Stand ins Gespräch kamen mit den einheitlich gekleideten “Wegbereitern”, berichteten von totaler Verhärtung und fehlendem Geschichtsbewusstsein. Die Stimmung wirkte für Momente extrem aufgeladen. Die Einsatzkräfte der Polizei konnten sich aber im Hintergrund halten.
Heitere, aber zugleich nachdenkliche Stimmung weckte eine Wäscheleine mit Plakaten. In lateinischer Schrift ist dort zu lesen von den Wurzeln der Demokratie in Griechenland, den arabischen Ziffern, den Rohstoffen aus Afrika fur’s Handy und der italienischen Pizza. Dass die völkische Partei sich römisch beziffert, könnte ein Indiz dafür sein, woher der Reichsgedanke kommt. Um mit dem Dritten Reich der Nazis ist man ja noch lange nicht fertig.

Fotos: VHS
Vor allem jüngere Teilnehmer und Teilnehmerinnen äußerten am Rand der durch lockere Politsongs eingerahmten Kundgebung ihre Verwunderung darüber, dass die Partei “Der III. Weg” erlaubt ist. Wichtiger Unterrichtsstoff! Schwieriges Thema! Natürlich ist es verständlich, wenn einer der Redner angesichts der Hetze und der Menschenverachtung meint, die ausliegenden Papiere gehörten am besten gleich in den Müll. Andererseits sind sie Stoff für wichtige Lektionen über Neonazis und deren Weltbild. Die politischen Brandstifter verschenken übrigens auch Feuerzeuge in der Farbe der Jagdkultur…
