Hans-Norbert Gast
In Rheinsberg steht das Jahr 2026 ganz im Zeichen von Prinz Heinrich von Preußen. Es gab schon mehrfach Anlass, darüber zu berichten, ausgehend vom Geburtstag vor 300 Jahren. Ein Vortrag von Hans-Norbert Gast über Bildnisse und Texte aus drei Jahrhunderten mit Heinrich im Fokus stieß nur auf geringes Interesse. Leider! Denn der Referent ging noch über das hinaus, was Günter Rieger vor Monaten in einem ganz anderen Rahmen vielen beeindruckten Gästen präsentierte.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Der Mann vom Verein Stadtgeschichte Rheinsberg e. V. ließ sich von den leeren Stühlen die Laune nicht verderben. Gastgeberin Maja Peers auch nicht. Ein Vortrag über Prinz Heinrich von Preußen (1726–1802), den Feldherrn und Bruder von König Friedrich II., aus unterschiedlichen Perspektiven war angekündigt. Und gut ein Dutzend Gäste ging später sicherlich bereichert und beeindruckt wieder hinaus, zumal die Veranstaltung gratis war, anders als vorher verlautbarte.

Gast spannte den Bogen von zeitgenössischen Betrachtungen bis in die Gegenwart. Und Phasen geringen Interesses oder flacher Klischees wie etwa von 1933 bis 1945 und von 1945 bzw. von 1949 bis 1990 ließ er nicht unerwähnt. Aber was soll man da zeigen oder lesen? Nicht nur mit dem Jahreskalender, der Bildnisse von Kunstschaffenden aus der Region mit Prinz Heinrich als Motiv darbietet, brachte und bringt sich der Verein Stadtgeschichte in die Stadtkultur von Rheinsberg ein. Ob “h300” in Bälde selbst zum bebilderten Buch wird? Vermutlich und aus guten Gründen. Jahrzehnte hat der Prinz im Schloss gelebt und die Entwicklung der Stadt, so der Referent, ganz maßgeblich geprägt. Dass eine beeindruckende Auflistung von Titeln und Stationen “Ruppin” nennt, kann man in Rheinsberg zum Glück mit Humor sehen. Die Gäste bekamen anschauliche Eindrücke per Beamer geboten. Und der Aufsteller des Vereins war auch aufgestellt worden im Rampenlicht des Museumssaales.

Fotos: VHS
Friedrich der Große und sein kleiner Bruder Heinrich, Prinz Heinrich und die Militärgeschichte Preußens, die höfische Hochzeit des Homosexuellen und das Eheleben, Heldenbilder und Sagenumwobenes im Schloss und am See, Musensohn und Menschenfreund, Massenaufstand in Frankreich und Fluchtstätte Rheinsberg, Lebensfragen und liberale Antworten, Konflikte und Kontakte, Utopia in Amerika – Schlagworte des Abends aus Notizen und Gedanken. Wieder mal ein lohnender Besuch im Museum.
Es ist keins dieser lästigen Wortspiele: Gast hat die Gäste tatsächlich immer im Blick, besonders natürlich in Rheinsberg. In Neuruppin gab er den Zuhörenden Tipps mit auf den Weg, was antiquarische Suche und Preise anbelangt. Selbstredend kann sich das täglich ändern bei einem Roman über die Prinzenrolle und all den an diesem Abend genannten Werken. Günter Rieger hat mit seiner Edition auch Wesentliches dazu beigetragen, dass dieses Prinzenleben dem Vergessen entrissen wird.
Mit all den Aktivitäten und Publikationen im Jubiläumsjahr 2002 war es eben nicht getan am Musenhof in der Prinzenstadt. 2026 mit viel Musik und großen Events geht ins vierte Quartal. Und schon steht mit 2027 das nächste Datum im Kalender der Gedenkkultur an. Dass sich dabei dieser Prinz Heinrich für eine schlichte völkische patriarchalische Vereinnahmung nicht eignet, ist schon ein großes Glück. Seine Schwächen, seine dunklen Seiten, etwa die gezielt hässliche Präsentation einer von anderen Auserwählten, muss deshalb nicht unterschlagen werden. Gast brachte viel Licht in die Geschichte. Seine Darbietung hätte einen vollen Saal verdient gehabt.
