Volles Haus bei Schinkel: “Die extreme Rechte” Thema im Politischen Salon

Schinkel schaute recht zufrieden. Der Raum füllte sich immer mehr. Doch die erstaunliche Resonanz galt nicht ihm. Zum Politischen Salon war eingeladen worden. Thema: “Die extreme Rechte”. Als Referent stand Thomas Weidlich zur Verfügung. Sein Anliegen war es, Handlungsperspektiven im Umgang mit krass Andersdenkenden zu entfalten.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Weidlich arbeitet als Berater im Büro für Integration und Toleranz. Selbst, wie er sagt, nicht bei TikTok unterwegs, sieht er dort inzwischen einen medialen Kosmos, der immer mehr Menschen fasziniert, vor allem jüngere, vor allem verunsicherte. Anhand von Plakaten wurden die Leitbilder der deutschnationalen “Normalität” skizziert – männliche Stärke, gepaart mit einer bestimmten äußerlichen Härte, weibliche Attraktivität, verknüpft mit Selbstbescheidung. Die Influencer und Influencerinnen hätten Erfolg mit ihren Identitäts- und Sinnangeboten. Und die Follower und Followerinnen fühlten sich “rebellisch”, sogar im Hinblick auf die Moderne, auf Kunst und Kultur, so wie die AfD sich als einzige wahre Opposition in Deutschland sieht. Sie ist auf dem Vormarsch.
Als Antwort auf den Internetkult mit Millionen Klicks denkt Weidlich selbst nicht an Videos auf TikTok aus dem weltoffenen Milieu. Er setzt konzeptionell im Alltag an, in der Lebenswelt. Am Gartenzaun, im Hausflur, an der Kasse, auf der Straße, im Cafe. “Niemanden abwerten”, ist für ihn Prinzip. Es gibt Workshops, wo man so etwas übt. Oder wenigstens versucht. Für ein Rollenspiel aus diesem Geiste war’s ein bisschen zu voll und zu eng im Schinkelhaus.
Im Hinblick auf den Schulalltag gibt es Vorgaben, zumindest in Brandenburg, die Lehrkräfte seit 2024 dazu verpflichten, “die Verherrlichung des Nationalsozialismus sowie antisemitische und rassistische Vorfälle unverzüglich dem Schulamt zu melden”. Eine pensionierte Lehrerin betonte später, für sie hätte das Vertrauen der Schüler und Schülerinnen Vorrang. Also keine Meldung? Geht es um strafbare Handlungen oder ihre Vorbereitung, liege der Fall allerdings anders, ergänzte der Referent.

Der Referent und Otto Wynen vom Veranstaltungsteam im Schinkelhaus.
Fotos: VHS

Für Weidlich ist der Begriff “Rechtsextremist” viel zu pauschal, wenn es sich um Mitmenschen dreht, von denen man annehmen könne oder wisse, dass sie die AfD wählen oder stark sympathisieren. Auch sie sind Individuen. Haben ihre Lebensgeschichte. Er setzt auf Begegnung. Und die Versammelten ermutigte er ganz am Ende auch erneut dazu. Aber er warnte eindringlich vor Selbstüberforderung, gerade weil es kaum um schnelle Erfolge gehen könne. Um Missionierung auch nicht. Weidlich erinnerte daran, dass die Emotionen entscheidend seien für des Menschen Tun und Lassen. Also auch das Lebensgefühl. Die Prägung. Auf der Ebene von Parlament und Legislative plädiert Thomas Weidlich allerdings für die Brandmauer. Die Diskussion um einen Verbotsantrag im Falle der AfD wurde nicht aufgegriffen.
In der Aussprache ging es auch um Erfahrungen mit radikalem Rechtsextremismus in den ersten Jahren nach der sogenannten Wiedervereinigung. Um einst und oft immer noch fehlende Ehrlichkeit in Familien im Hinblick auf Täterschaft und Mitläufertum in der NS-Zeit. Um altersabhängige Nutzungserlaubnis, siehe Australien. Um die Macht der Netzgiganten. Um Framing und Entfremdung. Um Wege zur Jugend, etwa durch die Kunst. Um Fälle von Gewaltandrohung statt Gesprächsbereitschaft – irgendwo unterwegs. Und um Rückgrat. Auf die Schulen richten sich weiterhin Hoffnungen, zumal ganztags. Auf den zurzeit in Brandenburg zuständigen Minister eher nicht.
Der Wert von Orten der Begegnung wie etwa das Cafe Hinterhof wurde hervorgehoben – gerade bei einem fortgesetzten Siegeszug der AfD in Brandenburg. Wie bei Schinkel üblich, wenn man zu Ausstellungen einlädt, wurde zwischendurch immer mal wieder die Tür geöffnet. Frische Luft! Spontan Hinzukommende konnten allerdings von Otto Wynen und Christiane Schulz nicht begrüßt werden. Man blieb unter sich, mindestens bis zum Heimweg.

Auch interessant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert