Mit einem musikalischen Gottesdienst wurde Paul Gerhardt gewürdigt

Songs oder Hits wird man die Lieder von Paul Gerhardt lieber nicht nennen. Sonst gibt’s Ärger mit Strenggläubigen. Aber die Musik gewordene Ermutigung “Geh aus, mein Herz, und suche Freud’” ist eben bekannt. Dazu gab es sogar schon Parodien, von wegen Sigmund Freud und so. In der Klosterkirche erinnerte man mit einem musikalischen Gottesdienst an den religiösen Dichter und Theologen Paul Gerhardt, der vor 350 Jahren verstarb. Die Veranstaltung war gut besucht. Der Applaus fiel verdientermaßen anhaltend aus.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Paul Gerhardt ist kein Unbekannter. Wie oft liest man den Namen kleingedruckt unter einem Kirchenlied! Beim musikalischen Gottesdienst in der Klosterkirche ging es aber um mehr. Pfarrer Thomas Klemm-Wollny gab in Etappen Einblick in das wechselvolle Leben von Paul Gerhardt. Der Trinitatis-Chor Neuruppin und der Kirchenchor Alt Ruppin sangen unter der Leitung von Matthias Noack so bekannte Lieder wie “O Haupt voll Blut und Wunden”, man erreichte die Herzen. Der souveräne Dirigent begleitete die Darbietung an den Tasten.eines Elektropianos. Ulrike Apitz, Annemarie Nippraschk und Claudia Leisching waren an ihren Violinen und einem Violoncello zu erleben. Sehr gefühlvoll, nie dominant, aber unverzichtbar. Die Gemeinde wurde ermutigt, sich am Kanongesang zu beteiligen. Nicht allein hier zeigte sich eine Entspanntheit, die durchaus zur Botschaft Gerhardts passt. Frömmigkeit ist für ihn keine Formel, kein Ritual. Echte Emotionen sollen ausgedrückt und geweckt werden. Und das gelingt dem Ensemble auf anrührende Weise.

Informationen über Paul Gerhardt von Thomas Klemm-Wollny.

Mitmachen war also möglich. Matthias Noack orientiert sich bei der Gruppierung ganz entspannnt an Rechts und Links und Männern und Frauen. Die Lieder der geschlechtsoffenen Gesellschaft werden sicher noch geschrieben. Schon jetzt sind ja alle gemeint, wirklich alle, wenn gesungen wird: “Warum sollt’ ich mich denn grämen?” Oder sich schämen? Oder sich lähmen lassen? Zuversicht und Hoffnung sind die Botschaft. Und das im 30jährigen Krieg und kurz darauf. Oder gerade dann? Gerade in größter Not?
Hochinteressant war auch, was Klemm-Wollny über die Konflikte zwischen Reformierten und Lutheranern verlauten ließ und wie sich Paul Gerhardt, der in Wittenberg studiert hatte, positionierte. Aufrecht! Hinzu kamen Schicksalsschläge. Doch insgesamt lässt sich dieses Leben als Erfolgsgeschichte erzählen. Und die eingängige Musik wird zum Mittelpunkt der Würdigung. Das gefiel.

Kanongesang in der Klosterkirche – Matthias Noack dirigierte
Fotos: VHS

Manches Wort, manche Wendung mag sonderbar wirken, etwa “herfür” oder “fleußt” oder “welke Blum’”. Ein Leitwort wie “Heil” hat alle Debatten über die nötigen Grenzen gegenüber heillosen Hetzern überstanden. “Stärk’ uns’re Füß’ und Hände” wirkt dabei eher wie Fitness. Doch spätestens durch die Darbietung ist zu spüren, dass es ums Ganze geht, um Herz und Verstand, um Sinn und Klang, um Individuelles und Verbindendes und vor allem um die Freude am Leben, des Leides und des Leidens eingedenk, offen füreinander und miteinander verbunden. Paul Gerhardt lebt in Projekten dieser Art – eben Ostern mal anders und immer wieder, aber nie gleich, nie routiniert. Etwas Werbung für einen Kirch- oder Konzertbesuch in Alt Ruppin gehörte auch zum Gesangsgottesdienst.

Auch interessant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert