Mit Pauken und Orgelpfeifen: Felix Anton Lehnert und Andreas Mitschke.
Die Sachsenwoche ging weiter. Am Dienstag hatte emBRASSment aus Leipzig die Menschen in der Klosterkirche begeistert. Am Freitag wurden ganz andere Töne an ganz anderen Instrumenten von Felix Anton Lehnert und Andreas Mitschke zu Gehör gebracht. Der Beifall des leider deutlich kleineren Auditoriums zeigte, dass auch diese beiden Leipziger zu gefallen wussten. Dabei boten sie, wagemutig und experimentierfreudig, wie sie sind, auch Gewöhnungsbedürftiges.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Kirchenmusikdirektor Matthias Noack stammt selbst auch aus Sachsen. Das könnte erklären, warum immer wieder Künstler und Künstlerinnen aus Leipzig in Neuruppin gastieren. Aber es gehört sicherlich auch dazu, dass die Klosterkirche in Neuruppin einfach eine gute Adresse ist. Die Orgel, die Akustik, die Atmosphäre, die Gastfreundschaft, die Resonanz – einfach toll. So war auch Lehnert und seinem Begleiter an der Orgel anzumerken, dass sie sich sehr wohl- und angenommen fühlten.
Der Blick Richtung Altar zeigt breit aufgereiht nebeneinander Pauken, Becken und Marimba. Im Programm werden Schwerpunkte gesetzt. Nur kein Gerenne. Immer wieder spielt der Schlagwerker, der sein Examen einst mit Auszeichnung gemacht hat, mit mehreren Schlägeln auf der Marimba. Das wirkt meisterhaft. Die Augen können kaum folgen. Gut, dass sich Andreas Mitschke an der Orgel ein wenig zurücknimmt. Die Toccata d-moll von Johann Sebastian Bach gibt ihm Gelegenheit, als Solist zu glänzen. Sonderapplaus!

Zum Repertoire des Duos gehören Kompositionen wie das wuchtige Konzert für Pauken von Jaromir Weinberger, hier mit Orgelbegleitung, und die teils beschwingte, teils bedächtige Meditation für Marimba und Orgel von Paul Creston. Einen Tag eher zur gleichen Zeit wäre Lehnert sicherlich für die Sonnenfinsternis verantwortlich gemacht worden. Man weiß doch, dass Zauberer so aussehen. Der Höhepunkt des Abends war sicherlich die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Hier musste auch der Organist nicht mehr an sich halten. Es blitzte, es krachte, es zischte und war doch ohne Frevel. Ein Fest wurde gefeiert. Rein musikalisch. Da jubilierte man auch in den Reihen und ließ sich anstecken von so viel Spritzigkeit und Lebenslust.
Eine aparte Begegnung von Marimba und Orgel hatte es vorher gegeben. Bebuka nennt Helmut Bornefeld seine Komposition. Ohne Programminformation hatte man an ein enttäuschend verlaufendes Rendezvous gedacht. Annäherung und Ablehnung. Disharmonie und Frustration. Kein Einvernehmen. Für den modernen Komponisten aber, so die Veranstalter, geht es um gefährdete Kulturen. Um ein Gespür für verloren Gehendes. Alles Liebliche wäre störend. Harmonie wäre das Letzte.

Fotos: VHS
“Sternstunden der Menschheit” nannte Stefan Zweig 1927 ein paar exzellente Miniaturen. “Sternstunden der Orgel” gibt es im Rahmen der Reihe der Sommerkonzerte am 18. August ab 19.30 Uhr in St. Trinitatis. Juliane Felsch-Grunow wird zu hören sein. Ihre Wirkungsstätte ist sonst die Kirche in Rheinsberg. Als Sprecher wirkt Pfarrer Thomas Klemm-Wollny mit. Im Programmheft steht wirklich: “Schnallen Sie sich an, der Countdown beginnt. Zehn, neun, acht…” Seit wann spricht man Deutsch, wenn’s um’s All geht. Also um alles?







