Im Zeichen des Kreuzes: Organist Uwe Metlitzky
Eine Meditation war angekündigt worden. Und die Orgelklänge mochten durchaus meditativ wirken. Die wenigen Versammelten aber konnten primär kluge geistige Anregungen mit geistlichem Hintergrund mitnehmen am Sonntag Palmarum. Die Passionswoche hat damit erst angefangen. Und mit seinen Worten gegen den Fatalismus traf der Redner sicherlich ein fatales Zeitgefühl.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Glaube – Liebe – Gral” lauteten die Leitworte. Heinz-Joachim Lohmann erläutete den Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Versroman “Parzival” von Wolfram von Eschenbach und der Oper “Parsifal” von Richard Wagner. Gral stehe in diesem Trikolon für Hoffnung. An der Orgel gab es vorab von Uwe Metlitzky eine Kostprobe zu jedem Motiv. Das Vorspiel zur Oper folgte. Der Deutungsspielraum wird weit gefasst, folgt man dem Programmzettel der beiden Akteure. Instrumentalmusik ist demnach frei von Semantik.
Passionszeit ist Leidenszeit. Dass der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung Jesu, eigentlich der Höhepunkt des kirchlichen Kalenders sei, habe man immer mehr verdrängt. Ostersonntag sei der zentrale Bezugspunkt geworden, also die Auferstehung. Sozialpsychologische Zusammenhänge wurden angedeutet. Für den Redner ist entscheidend, dass der Fatalismus sich nicht Bahn bricht. Handlungsmöglichkeiten könnte gerade auch der Blick auf Ostern eröffnen. Entsprechend wurde auch enthusiastisch gespielt an der Orgel, kontrastiert durch zäh fließende dunkle Flüsse.
Ob die Wirkung der Klänge von Worten abhängt, die man darüber legt, lassen wir hier gerne offen. Umgekehrt wird eher ein Schnürschuh daraus. Lohmann sieht im Liebesmotiv bei Wagner eine sublime Liebe, keine sinnliche. Eine Vereinigung mit Gott klinge an. Ganz anders der fanfarenartige Sound der vom christlichen Glauben getragenen und im Gral symbolisierten Hoffnung. Nicht weggespielt werden konnte die unerbittliche Kühle des Kirchenraumes. Ob deshalb nur zwei Dutzend Menschen gekommen waren?

Fotos: VHS
Heinz-Joachim Lohmann ging ausdrücklich auf den Antisemitismus von Wagner ein. Dessen Gesinnungsaufsatz “Das Judentum in der Musik” nennt er “Lehrbuch des Nationalsozialismus”. Wagner deshalb nicht zu verstoßen, das bedeutet für den Redner die Möglichkeit, sich auseinanderzusetzen. Brandmauern werden anders verputzt. Ein diskussionswürdiger Ansatz, der sicher seine Grenzen in Hass und Hetze hätte. Aber an der Orgel? Den Gral, sein Potenzial siedelt Lohmann an jenseits der beiden Irrwege, die einzelnen Menschen könnten alles bewerkstelligen oder eben absolut gar nichts. Wir machten uns in beiden Richtungen gerne etwas vor. Das Motiv des “Glaubens” indessen kam eingangs so kraftvoll und wuchtig von oben daher, als sollte das Sündenregister geöffnet werden. Dabei beließ es der Organist jedoch nicht, schon gar nicht bei feinsinnigen “Impressions” von Michael Schütz.
Ob am Ende geklatscht wurde, hat der frierende Berichterstatter schon nicht mehr mitbekommen. Aber er glaubt es felsenfest – schon Kirchenmusikdirektor Matthias Noack zuliebe, der sich diesmal mit Umblättern begnügen durfte. Die kommenden Tage werden ihm mehr abverlangen. Über die einzelnen Veranstaltungen informiert die Homepage der Kirchengemeinde.
