Für wen sind die 2.507 Autoparkplätze in Neuruppins Innenstadt gedacht? Die Stadt hatte am vergangenen Mittwoch zu einer Auftakt-Veranstaltung zur Parkraumbewirtschaftung eingeladen. Etwa 50 Stadtverordnete, Anwohner, Geschäftsleute Bürgerinnen und Bürger diskutierten, wie nahes Parken und eine gute Aufenthaltsqualität in der historischen Innenstadt zugleich möglich sind.
Von: Cornelia Schwerin
Wie Anwohner*innen, in Neuruppin arbeitenden Pendler oder Kunden sich den begrenzten öffentlichen Raum aufteilen, wusste Alexander Gardyan Chef der IKS Mobilitätsplanung. Das Kasseler Ingenieurbüro wurde von der Stadt Neuruppin mit der Studie beauftragt. Eine sogenannte „Standarderhebung“ am 14. Oktober erfasste die Zahl der parkenden Autos, ihre Herkunft und die Parkdauer in Neuruppin. Die Hälfte aller Parkplätze in der Innenstadt werde von Anwohnern belegt. 858 Plätze nutzen Besucher der Stadt oder Anwohner gemeinsam. Auffällig ist, dass die Job-Pendler durchaus ganztägig zeitlich begrenzte Parkplätze auch in der Einkaufsmeile belegen und damit den kurz parkenden Kunden den Platz streitig machen. Die Parkplätze in der Innenstadt sind mit über 80 Prozent ausgelastet und kommen zuweilen an ihre Grenzen. Rund um die Kulturkirche und am Kulturhaus sei der Parkplatzdruck bei Veranstaltungen besonders hoch. Doch während die kostenfreien Plätze der Innenstadt ein knappes Gut sind, wird das fünf Minuten entfernte kostenpflichtige Parkhaus an der Fontane-Therme weder von Pendlern noch von Besuchern der Stadt genutzt.
Kunden, Pendler und Anwohner im Wettbewerb um den begrenzten Raum
„Ist die Diskussion schon festgefahren, bevor sie begonnen hat?“ fragte Stadtplaner Alexander Gardyan die Anwesenden mit Blick auf die mediale Berichterstattung, die mehr Parkplätze und die Einführung von Parkraumgebühren für Neuruppin forderte. Doch die interessierten Bürgerinnen und Bürger überzeugten beim Auftakt mit gleichermaßen kontroversen wie sachlichen Beiträgen, dass die Debatte um Parkraumbewirtschaftung offen ist und gerade erst beginnt.
Denn wem in dieser Stadt beim Parken Vorrang gegeben werden soll, ist eine Frage der Perspektive von Anwohnern, Kunden, Geschäftsbetreibern und Pendlern. Bedeuten mehr Parkplätze in der Innenstadt auch einen höheren Umsatz für die Geschäftsleute? So einfach sei das nicht zu beantworten, erklärt Alexander Gardyan. 1994 fanden noch 56 Prozent der Neuruppiner es sehr wichtig, in unmittelbarer Nähe der Geschäfte zu parken. 2025 gaben bei der von der IKS Mobilitätsplanung durchgeführten Umfrage 90 Prozent an, sie fänden es unproblematisch fünf Minuten bis zur Innenstadt zu laufen. Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt oder eine gute fußläufige Erreichbarkeit kann für Kunden wie Geschäftstreibende mehr Gewicht haben ein Parkplatz vor dem Geschäft.

Foto: Cornelia Schwerin
Eine Parkzone fürs Anwohnerparken reicht
Doch wie wurde der Druck auf die Parkplätze befördert? in der Innenstadt entstanden durch die Sanierungen und Neubau mehr Wohnungen. Größere Autos und zunehmende Zweit- und Drittwagen in einer Familie kämen hinzu, sagt NWG Chef Robert Liefke. Besonders prekär sei die Situation in der Bewohnerzone 4 und 5, stellte das Gutachten fest. In Zone 4 seien über Nacht 45 Autos mehr geparkt worden, als es überhaupt Anwohner-Stellplätze gibt. Wildes Parken auf Bürgersteigen, zugestellte Ausfahrten, unübersichtliche Kreuzungen seien die Folge.
Unterstützung fand bei den Anwesenden der Vorschlag, die fünf Parkzonen zu einer großen Parkzone zu bündeln. Anwohner könnten so Parkplätze der ganzen Innenstadt nutzen, nicht nur die der Parkzone. Zur Verbesserung der Situation schlug Robert Liefke vor, dass pro Familie nur ein Bewohnerparkplatz in der Innenstadt vergeben wird.
Skeptisch reagierten viele auf die Frage, ob es nicht besser wäre, wie schon vor etwa dreißig Jahren probiert, Parkgebühren einzuführen. „Warum sollen Parkplätze in einer Stadt kostenfrei angeboten werden, während Standbetreiber auf dem Markt Gebühren zahlen?“, fragte Stadtplaner Gardyan. Die Parkscheibenregelung würde nur begrenzt gut in Neuruppin funktionieren. 290 aufgestellte Schilder mit ganz unterschiedlicher Parkdauer seien zu viel. Oft gehe auch die einstündige Parkdauer an den Bedürfnissen vorbei. Darauf verwies auch Carlo Vocke, Betreiber des Modehaus Bruns: Es fehle für die Mitarbeitenden, die mit dem Auto aus dem Umland anreisen, einfach an Parkraum.

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Fahrräder bei der Parkraumbewirtschaftung mit denken
Immer wieder kam die Frage auf, wie Nah- und Fahrradverkehr gestärkt werden können. Für mehr Leihfahrräder und die Stärkung des innerstädtischen Nahverkehrs plädierte Michael Gayck, der den Verein Klima und Alltag unterstützt. Auch die momentane Situation des Fahrradparkens untersuchte das Büro, um den Bedarf an Abstellanlagen zu erfassen. Laut Studie gibt es im Innenstadtbereich 550 Fahrradparkplätze. Mehr Bedarf in diesem Bereich sehen die Stadtplaner vor allem am Bahnhof, an der Therme und in der Innenstadt. Insbesondere überdachte Fahrradplätze fehlten. „Wir müssen in Neuruppin das Fahrradkonzept und den Parkraum nochmal besser zusammen denken“, sagt Christiane Schulz von Esta Ruppin.
Genau das ist es, was die Macher des Konzeptes und die Stadt sich erhoffen: eine breite Beteiligung aller, die in Neuruppin leben, arbeiten oder die Stadt besuchen. Die Diskussion soll in Gang kommen und eine weitere öffentliche Anhörungen sowie eine Veranstaltung nur für Gewerbetreibende sind geplant.
Unter https://www.umfrageonline.com/c/Neuruppin-Beteiligung können alle Interessierten Vorschläge machen, Verbesserungen anregen und an einer Umfrage teilnehmen. Der politische Salon der Evangelischen Erwachsenenbildung am 26. Januar, um 19 Uhr, wird sich ebenfalls mit der Parkraumbewirtschaftung befassen.
26.1.2025, 19 Uhr: Politischer Salon, 16816 Neuruppin, Fischbänkenstraße 8







