“Papier und Licht” – eine Rauminstallation im Kunstkiosk für späte Stunden

Einen Kunstkiosk dieser Art hat kaum eine Stadt zu bieten. Bis zum 31. März 2026 heißt das Motto “Papier und Licht”. Was tags kaum ins Auge springt, gewinnt in der Dunkelheit an Ausdruckskraft, auch durch Lichttechnik. Die Verantwortlichen überlassen es den Betrachtenden, die Objekte zu den knapp aufgeführten Titeln im Raum wiederzufinden. Einfach ist das nicht.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Die Künstler und Künstlerinnen Peter Fennel, Katrin Mason Brown, Barbara Toepper-Fennel, Martina Wuntele und Franziska Zänker zeichnen für diese Rauminstallation verantwortlich. Titel werden auf einem kleinen Plakat aufgelistet. Wer die Werke lieber unmittelbar auf sich wirken lassen will, findet bei Dunkelheit mancherlei Sehenswertes, auch ohne Titel und Jahr an Ort und Stelle. Etwa dieses Gewirr von Armen und Händen, von Körpern, von Köpfen. Tagsüber ist es fast ohne Kontur. Bei Dunkelheit aber spurt man die Dynamik, die in dem Werk steckt. Die Gesten sprechen an, auch wenn kein Wort fällt, also nichts notiert ist. Sprechblasen wären das Letzte. Guernica lässt grüßen.

Nur eine Luftnummer mit Absturzgefahr?

So viele Werke auf so engem Raum, das macht es schwer, sich auf ein Werk zu fokussieren. Was wie ein fliegender Fisch wirkt, ist unübersehbar. Luftschiffe werden schon seit vielen Jahrzehnten den Fischen nachempfunden. Im Licht wird der Corpus durchschaubar. Licht macht Strukturen sichtbar. Schatten kommen ins Spiel. Ein Regenschauer rührt nicht an der Komposition, und doch ist alles anders, wenn Wasser am Glas herunterrinnt. Gut, dass das Papier geschützt ist. Es hat ja kaum Substanz, ist nicht widerständig, ist sensibel wie dünne Haut. Und selbst mehr als nur Material. Da, die spitz zulaufenden schlanken Kegel tanzen aus der Reihe! So reglos, wie sie sind. Wie im Rampenlicht der Bühnenwelt zeigt sich, wie wichtig Fokussierung ist. Echte Bewegung würde alles aufbrechen, das Stillleben stören. Mögliche Entwicklungen machen neugierig.

Die sensiblen Objekte sind geschützt vor dem Regen.
Fotos: VHS

Um 7.07 Uhr ist derzeit mit Sonnenaufgang zu rechnen. Dann ist der Zauber nicht völlig verloren, aber vermindert. Von einer Vernissage war seitens der Stadt nichts zu hören oder zu lesen. Eine Auftaktveranstaltung könnte Wege anbahnen zur modernen Kunst dieser Art. Nicht nur bei dieser Installation. Natürlich geht es auch ohne. Aber nicht ohne Muße und Neugierde. Jede Deutung muss frei sein.
Ob die Verantwortlichen der Stadt überhaupt selbst mal hingehen zum Kunstkiosk, um zu erfassen, was hier geboten wird, Monat für Monat? Es lohnt sich eigentlich immer, gerade wegen der Verschiedenheit der Motive und der Mittel. Gefühlt hatte die Präsentation der Treppenhäuser eindeutig die größte Resonanz. Bis ins Jahr 2027 soll nichts mehr frei sein im Terminkalender der Zuständigen. Das ist ein sehr gutes Zeichen.

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