Zunächst nur Kunstlicht in der Osternacht rund um die Kirche St. Trinitatis.
Es geht auf 22 Uhr zu. Die Kirchentür ist leicht geöffnet. Tiefe Dunkelheit herrscht im Gotteshaus. Rücksichtsvoll gehen die Menschen zu den vorderen Bankreihen. Bewegende Momente. Es wird dauern, bis Matthias Noack die Orgel erklingen lässt. Und kräftige Männerstimmen zu hören sind mit geistlichen Gesängen. Und bis Worte des Geistlichen Thomas Klemm-Wollny anlässlich der liturgischen Andacht die Seelen erreichen.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
Es war Ostersamstag. Es war kühl. Die Gemeinde hatte eingeladen. Und zahlreiche Menschen versammelten sich unter dem Kreuz, später auch im Altarraum, um in Ritualen teilzuhaben an der Auferstehung Jesu.
Ostermontag waren noch mehr Menschen in der Klosterkirche versammelt. Es gab am Nachmittag eine musikalische Vesper mit Matthias Noack an der Orgel und Harald Bölk an der Trompete. Was am Samstag aus Dunkelheit und tiefen Gesängen hervorgebrochen war mit befreiender Kraft als Zeichen der Auferstehung Jesu, was durch Kerzen, Blumen und Brot nicht nur symbolisch gefasst wurde, konnte die Ostertage erfassen. Ob ein Osterspaziergang dazugehörte? Johann Wolfgang Goethe, selbst eher kirchenkritisch, hat im “Faust” den Durchbruch in Versen gefasst, an die man am Sonntag auch In Neuruppin und Umgebung denken durfte:
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle an’s Licht gebracht.

Fotos: VHS
Manches, was an Orgel und Trompete dargeboten wurde, wirkte wie Fanfarenklang, wie Jubelgesang und Überschwang. Werke von Jean Baptiste Janaille, Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Denis Bedard waren zu hören. “Christus vincit” wird zur Siegeshymne – unbewaffnet, rein spirituell. Ein Stück Menschenliebe. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen in diesen Tagen voller Kriegswirren.
Pfarrerin Anna Ferrario griff auf Worte der Kölner Theologin Dorothe Sölle zurück, um dem Unglaublichen der Auferstehung näher zu kommen. Nicht durch Laborversuche und Messreihen. Durch Glaubenskraft und Herzenskunde. Und damit kam sie dem Alltag ganz nah: Angst überwinden, auch vor dem Sterben, einander beistehen, Nähe wagen, nichts beweisen müssen, darin zeige sich etwas vom Wunder der Auferstehung Jesu, von der Kraft und der Herrlichkeit – weit über die Ostertage hinaus…
