“Nach dem Brande” – vor dem Tag der friedlich befeuerten Gewaltfreiheit…
Eigentlich ist der internationale Aktionstag gegen Gewalt gegen Mädchen und Frauen erst am 14. Februar. In Neuruppin legten zahlreiche Jugendliche schon einen Tag früher los auf dem Schulplatz. Der letzte Schultag vor dem Wochenende schien geeigneter für eine Aktion, die ihre Basis in der Evangelischen Schule hat.
Von Volkmar Heuer-Strathmann
“Wir sind Mütter, wir sind Töchter”, geht der Song. Ein mitreißender Rhythmus! Ein paar Jungen sind auch in den Reihen und machen mit. Alle tanzen aus Liebe, tanzen für Gerechtigkeit und vor allem gegen jede Form von Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Sie tanzen ihren Traum. So hört man es und sieht es. Winterwetter? Kein Thema!
Über strukturelle Gewalt könnte man vorab auch ein paar Worte verlieren. Noch in der Schulordnung des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums aus dem Jahre 1908 ist von Mädchen nicht die Rede. Alle Bestimmungen richten sich auf die Abrichtung der Jungen. “Alle Schüler sind innerhalb und außerhalb der Anstalt der Schulzucht sämtlicher Lehrer unterstellt.” Lehrerinnen gab es nicht am Gymnasium. Die Abrichtung der Mädchen erfolgte an anderer Stelle, ganz im Sinne der traditionellen Frauenrolle. Gewalt zu ertragen, das gehörte zum heimlichen Lehrplan.

Fotos: VHS
Bei “One Billion Rising” geht es um mehr als die biederen Konventionen. Die jüngsten Zahlen über Gewalt in Beziehungen sind in den Medien vielfach wiederholt worden. Die Daten inklusive Dunkelzone könnten erstarren lassen. Doch daraus würde keine Stärke entstehen. Das aber ist eins der Ziele von “One Billion Rising”. In rund 150 Städten wird in der Bundesrepublik getanzt – von Ahaus bis Zweibrücken. Und in Neuruppin war zu erleben, wie Musik und Tanz die jungen Leute beflügeln kann. Passanten blieben stehen. Man erkundigte sich. Nur der König Friedrich Wilhelm II. wirkte ein wenig unberührt.
