Ausbringung von Gülle auf einem Acker. Bild von Paskvi Pixabay
Brandenburg hebt die „roten Gebiete“ beim Düngen vorläufig auf. Während Landwirte aufatmen, warnen Umweltverbände vor steigender Nitratbelastung. Auch in Ostprignitz-Ruppin zeigen Messungen erhöhte Werte im Grundwasser – mit Folgen für Trinkwasser und Seen, in denen vermehrte Algenbildung droht.
Von: macron
Wie die Zeitung Nordkurier berichtet, hat das Brandenburger Landwirtschaftsministerium die sogenannten „roten Gebiete“ mit besonderen Einschränkungen beim Düngen vorläufig aufgehoben. Diese Gebiete galten bislang als besonders nitratbelastet und unterlagen strengeren Düngeregeln.
Grundlage der Entscheidung ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgericht, das die bisherige bundesweite Regelung zur Ausweisung dieser Flächen als rechtlich zu unbestimmt bewertet hat. Damit können landwirtschaftliche Betriebe in Brandenburg zur beginnenden Düngesaison vorerst wieder nach den allgemeinen Vorgaben des Düngerechts arbeiten. Die bestehenden Umwelt- und Wasserschutzauflagen gelten jedoch weiterhin.
Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (SPD) erklärte, man habe damit vor allem Rechtssicherheit für die Betriebe geschaffen. Gleichzeitig betonte sie, dass weiterhin nach guter fachlicher Praxis und im Sinne des Gewässerschutzes gedüngt werden müsse.
Umweltverbände warnen vor Folgen für das Trinkwasser
Der Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Carsten Preuß, sieht die Entwicklung kritisch. Der Schutz des Grundwassers dulde keinen Aufschub. Nitratbelastungen zeigten bereits heute, wie verletzlich die Wasserressourcen seien. Ein zukunftsfähiges Düngerecht müsse ökologisch wirksam, rechtlich belastbar und praxistauglich sein.
Auch aus der Politik kommen Mahnungen, rasch eine neue bundesweite Regelung zu schaffen, die sich stärker am Verursacherprinzip orientiert und den Schutz von Trinkwasser und Gewässern wirksam sicherstellt.
Hohe Nitratwerte im Kreis Ostprignitz-Ruppin
Wie Auswertungen des VSR-Gewässerschutz zeigen, ist die Nitratbelastung auch im Kreis Ostprignitz-Ruppin ein ernstzunehmendes Problem. Auf Grundlage von mehreren hundert untersuchten Brunnenwasserproben aus den vergangenen Jahren wurde festgestellt, dass der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter regelmäßig überschritten wird. In einem Teil der Proben lagen die Werte sogar deutlich darüber.
Als eine Hauptursache gilt die intensive landwirtschaftliche Nutzung. Rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Kreis bestehen aus Ackerland, auf dem Nitrate leichter ausgewaschen und ins Grundwasser eingetragen werden als auf Grünland. Besonders bei starkem Niederschlag können Nährstoffe aus gedüngten Böden in tiefere Bodenschichten und schließlich ins Grundwasser gelangen.
Für private Brunnenbesitzer kann dies problematisch sein, da nitratbelastetes Wasser nicht uneingeschränkt als Trinkwasser genutzt werden darf. Langfristig erhöht eine solche Belastung auch den Aufwand und die Kosten der Trinkwasseraufbereitung.

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Nitrat fördert Algenwachstum in Seen
Die Nitratbelastung wirkt sich jedoch nicht nur auf das Grundwasser aus, sondern auch auf Seen und Fließgewässer. Gelangen überschüssige Nährstoffe aus der Landwirtschaft über das Grundwasser oder durch Abschwemmung in Seen, fördern sie dort verstärkt das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen. Fachlich spricht man von Eutrophierung.
Die Folge kann eine starke Algenblüte sein, die das ökologische Gleichgewicht der Gewässer stört. Beim Abbau der Algen wird Sauerstoff verbraucht, was zu Sauerstoffmangel im Wasser führen kann. Dies gefährdet Fische und andere Wasserorganismen. Besonders problematisch sind sogenannte Blaualgen (Cyanobakterien), die bei hohen Nährstoffkonzentrationen auftreten und giftige Stoffe bilden können. In der Vergangenheit kam es in Brandenburg immer wieder zu Badewarnungen oder Nutzungseinschränkungen an betroffenen Seen.
Gerade in einer seenreichen Region wie Ostprignitz-Ruppin ist dies ein sensibles Thema. Saubere Seen sind nicht nur für den Naturschutz wichtig, sondern auch für Tourismus, Naherholung und Lebensqualität.
Übergangslösung mit Risiken
Die vorläufige Aufhebung der „roten Gebiete“ bringt den landwirtschaftlichen Betrieben mehr Planungssicherheit. Sie darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nitratbelastung im Grundwasser und die damit verbundene Gefahr für Seen weiterhin bestehen.
Langfristig braucht es eine rechtssichere und zugleich wirksame Neuregelung der Düngevorgaben, die den Schutz von Trinkwasser, Flüssen und Seen stärker berücksichtigt. Denn der Schutz des Grundwassers ist immer auch ein Schutz der Seen – und damit eine Investition in Umwelt, Gesundheit und die Zukunft der Region.
