Dein Park – Deine Stadt: Wie Neuruppin seine Freiräume neu denkt

|

Neuruppin zeigt seit drei Jahren, wie moderne Stadtentwicklung aussehen kann: kooperativ, offen, mutig – und vor allem gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Die Abschlussveranstaltung von „Dein Park – Deine Stadt“ im Alten Gymnasium wurde zum eindrucksvollen Beweis dafür, wie lebendig eine Stadt werden kann, wenn Verwaltung, Schulen, Vereine und Bewohner*innen zusammenarbeiten.

Von: macron


Schon zu Beginn machte Projektleiter Matthias Engel im für die breite Öffentlichkeit gedachten 2.Teil der Veranstaltung deutlich, worum es im Kern geht: „Wir wollen gerne eine Stunde gemeinsam koordinativ übereinander arbeiten… und danach die Gunst des Zusammenkommens nutzen, um miteinander im Austausch zu sein.“

Eine Stadt im Wandel – und sie wächst zusammen

Bürgermeister Nico Ruhle blickte auf die zahlreichen Experimente zurück, mit denen Neuruppin temporär neue Nutzungen im Stadtraum testete – von Sportflächen bis hin zu bepflanzten Aufenthaltsbereichen. Besonders beeindruckt habe ihn, so Hülle, wie aktivierend selbst kleine Interventionen wirken können: „Der Beachvolleyballplatz war eine unglaubliche Überraschung – aktivierend, positiv, und ein Ort für so viele Gruppen.“

Diese Erkenntnis sei essenziell für die Zukunft: Vergessene Stadträume ließen sich mit kreativen Strategien wiederbeleben – aber nur, „wenn es uns gelingt, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.“

Kooperative Stadtentwicklung: Eine neue Kultur entsteht

Stadtplanerin und Prozessbegleiterin Siri Frech erläuterte in ihrer Keynote, warum Neuruppin bundesweit als Vorreiter gilt. Hier werde Stadtentwicklung nicht „für“, sondern mit den Menschen gestaltet.

„Das Wissen liegt in der Gruppe. Meine Aufgabe ist es, Energie zu spüren und gemeinsam in Bewegung zu bringen.“

Ihre Beispiele – vom Stadtpark bis zu Schulen und sogar medizinischen Einrichtungen – zeigten, wie „iterative Stadtentwicklung“ funktioniert: durch ausprobieren, anpassen, zuhören und wieder von vorn beginnen.

Michael Landeck von der evangelischen Schule berichtete über das Projekt „Parkschule“,

Die Jugendlichen gestalten mit – und verändern die Stadt

Besonders bewegend war das Interview mit Florentine, die als Schülerin begann, den Instagram-Kanal des Projekts zu betreuen, später ein Praktikum im Amt machte und heute Stadtplanung studiert. „Ich hatte nie das Gefühl, nur Praktikantin zu sein. Man wurde gefragt: Wie würdest du das machen?“ Ihr größter Wunsch: mehr nicht-kommerzielle Orte der Begegnung.

„Unsere Big-Band Nacht war einer der schönsten Sommerabende. Man kam zusammen – nicht um zu konsumieren, sondern um Musik zu hören. Davon brauchen wir mehr.“

Der Park als Klassenzimmer – Lernen unter freiem Himmel

Michael Landeck von der evangelischen Schule berichtete über das Projekt „Parkschule“, in dem Unterrichtsformate in den Park verlegt wurden. „Nicht jede Stunde funktioniert im Park – aber wenn es passt, entstehen wunderbare Lernerfahrungen.“ Von mathematischen Orientierungsläufen bis zur Waldandacht: Die Schule will das Format weiter ausbauen und auch anderen Schulen öffnen.

Der Baudezernent Jan Jurascheck versprach Fortschritte.
Fotos: macron

Forderungen aus dem Publikum – und klare Antworten

Die Bierdeckel-Fragerunde brachte Themen auf, die vielen Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind – von Entsiegelung bis Mobilität. Etwa der Wunsch nach einem autofreien Teil der Karl-Marx-Straße.
Der Baudezernent Jan Jurascheck versprach Fortschritte: „Wir werden erstmals Schutzstreifen in der Altstadt organisieren und die Planungen für die Karl-Marx-Straße vorantreiben.“ Zudem startet bereits nächste Woche ein erster Entsiegelungsabschnitt am Kirchplatz.

Dank, Dokumentation und ein Blick nach vorn

Zum Abschluss wurde die neue Baukultur-Dokumentation präsentiert – ein Stadtspaziergang durch die Freiräume, die Neuruppin künftig prägen sollen.
Baudezernent Jan Jurascheck fasste zusammen:
„Dieser Abend zeigt, dass wir das können – und dass wir daran weiterarbeiten wollen. Freiräume sind unsere gemeinsame Aufgabe.“

Fazit: Neuruppin schafft Zukunft – gemeinsam

Die Veranstaltung „Dein Park – Deine Stadt“ hat gezeigt, wie viel möglich ist, wenn Bürger*innen, Verwaltung und lokale Akteure zusammenarbeiten. Neue Räume entstehen, alte werden neu entdeckt – und das Wichtigste: Die Menschen fühlen sich wieder verantwortlich für ihre Stadt.
Oder wie es ein Teilnehmer formulierte: „Man merkt, wie die Kinder ruhiger werden, wenn sie draußen kreativ sein können. Diese Räume brauchen wir – und zwar für alle Generationen.“

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

  1. Das ist ja sehr positiv. Gut, dass die Stadt den Dialog ernst nimmt und es nicht nur heiße Luft.
    Das es der Stadt wichtig ist, wird sich an weiteren Bürgerbeteiligungen zeigen. Sichtbar sollte das im Stadtpark, auf den großen Plätzen und in den Straßen werden. Gute und behutsame Schritte, die das historische Gestaltungskonzept und aktuelle Anpassungen sorgsam, verantwortungsvoll und wirksam umsetzen. Das muss mehr sein, als ein paar Quadratmeter Asphaltbefreiung oder Pseudogrün in Palettenbeeten.
    Ich erwarte Wasserrückhalt, keine Neuversiegelungen, Grünordnungsplanung und eine Verkehssicherung an Bäumen die nicht zum Baumtot auf Raten führt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert