“Neuruppin – Unsere Kirchen” – ein beeindruckendes Werk mit Tiefenschärfe

Die Klosterkirche ist das Wahrzeichen der Stadt Neuruppin. Hoch aufragend steht sie da. Das Bild prägt sich ein. Aber wie sieht es eigentlich mit der St. Georgs Kapelle aus? Und mit der Herz-Jesu-Kirche? Und was ist das Besondere an den Kirchen in Wulkow und Wuthenow? Dreizehn Gotteshäuser ganz unterschiedlicher Art haben Maria Döring und Günter Rieger ins Visier genommen. Die Vorstellung des Werks “Neuruppin – Unsere Kirchen” dürfte die Kauflust noch gesteigert haben.

Von Volkmar Heuer-Strathmann

Zunächst sprach Günter Rieger. Wie sehr das Werk “Neuruppin – Unsere Kirchen” von seinen Fotografien lebt, konnte er selbst schlecht sagen. Hier sei es betont. Wer befürchtet, bloß die früher üblichen Ansichtskartenmotive dargeboten zu bekommen, dürfte sehr positiv überrascht werden. Der Blick gilt dem Ganzen, aber auch dem Detail, Ortsatmosphäre wird eingefangen, Perspektiven werden variiert, man wird in die jeweilige Gemeinde eingeführt. Bilder und Texte finden eine ideale Ergänzung, denn auch Maria Döring macht sich auf den Weg, um sich näher auf das jeweilige Objekt einzulassen. Da geht man gerne mit.

Günter Rieger – ein Garant für stimmungsvolle Bilder und Motivvielfalt.

Pfarrer Thomas Klemm-Wollny, der zahlreiche Interessierte in der Klosterkirche begrüßen konnte, macht in seinem Geleitwort sehr deutlich, dass es um weit mehr geht als Baugeschichte. Schutzraum für Schmerz könne Kirche sein, Ort größten Glücks bei Trauung oder Taufe oder eben eine Konzerthalle der besonderen Art. Die Anfänge liegen in Jahrhunderten, die uns nicht ganz leicht zugänglich sind. Da hilft Maria Döring. Und sie kann auf Dokumente, auf Gemälde oder Reliquien zurückgreifen. Die Gäste bekamen Kostproben aus der Dorfkirche Wulkow. In einem Fall musste zunächst offen bleiben, wer abgebildet wurde. Den kleinen Zwischenruf “Trump” kann man gerade noch unterdrücken.
Intensiver ging Döring auf die St. Georgs Kapelle ein. Nutzungsarten und Eigentumsvarianten wurden offenbar. Dass das mit viel Idealismus, aber auch mit privater Finanzkraft wiederhergestellte Kleinod dahinsiechen könnte, mag man sich nicht vorstellen. Die NWG, so Döring über die derzeitigen Eigentümer, sei offen für Vorschläge.

Der ideale Ort: Thomas Klemm-Wollny und Maria Döring in der Klosterkirche.
Foto: VHS

Kirchenbaugeschichte wurde Anfang des 19. Jahrhunderts entscheidend von Karl Friedrich Schinkel geprägt. Das Wort von der “Normalkirche” findet nicht allein in Krangen Gestalt. Dort ohne Turm. Dafür springt in Molchow nur ein Turm ins Auge, allerdings anderen Typs. Mit der Siechenkapelle und der Kulturkirche, einst Pfarrkirche, ist man wieder mitten in der Fontanestadt. Eine Karte am Ende des Buchs liefert noch einmal den ganzen Aufriss. Es gibt Literaturhinweise. Und man erfährt, dass auch Frank Jüttner und Uta Bartsch ein paar Bilder zur Verfügung gestellt haben.
Ein Wort noch oder zwei zu Bankreihen und Gestühl. Sie bleiben in der Regel unbesetzt. Das hat rechtliche Gründe. So viel Leere vor Gott, das mag befremden. Wo aber Menschen zu sehen sind, etwa beim Klassikkonzert in der Kulturkirche oder bei einem kirchlichen Gemeindefest am Gotteshaus, ist die Atmosphäre zu spüren. Dass die Erhaltung von Kirchen als Zentrum einer Glaubensgemeinde in Zukunft schwieriger werden könnte, weiß man. Umso wertvoller das vorliegende Werk, denn “Neuruppin – unsere Kirchen” zeigt ganz ohne Pathos oder Provinzherrlichkeit, was verloren ginge, auch im Hinblick auf Alt-Ruppin, Bechlin, Storbeck oder Treskow, wenn eines Tages…

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