Frühlingshafte Pause vor dem Stechlinseecenter in Neuglobsow Foto: macron
Mehr als 300 Teilnehmer:innen folgten der Einladung zum 18. Kleinen Naturschutztag ins Stechlinseecenter nach Neuglobsow. Schon beim Betreten des Hauses war die besondere Atmosphäre spürbar: angeregte Gespräche bei Kaffee, erwartungsvolle Stimmung im Saal und ein gemeinsames Bewusstsein für die großen Herausforderungen unserer Zeit.
Von: macron
Im Mittelpunkt standen die drängenden Fragen von Lebensraumzerstörung, Artenrückgang und Klimawandel – Themen, die im offiziellen Programm klar benannt wurden . Doch was diesen Tag besonders machte, war nicht nur die fachliche Tiefe der Vorträge, sondern die sichtbare Entschlossenheit so vieler Menschen, Verantwortung zu übernehmen und die von Menschen verursachten Schäden aktiv auszugleichen.
Abschied von Dr. Mario Schrumpf
Gleichzeitig war die Veranstaltung ein besonderer Moment des Abschieds: Es war die letzte offizielle Veranstaltung von Dr. Mario Schrumpf, dem langjährigen Teamleiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land in Menz.
Sein Bericht „Aktuelles im Naturpark“ war geprägt von Erfahrung, Weitsicht und persönlichem Engagement. Viele der Anwesenden würdigten seine Arbeit, die den Naturpark in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt hat. Der Applaus am Ende war nicht nur Dank, sondern auch Anerkennung für ein nachhaltiges Wirken im regionalen Naturschutz.

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Mykorrhiza – Wie Pilze und Pflanzen gemeinsam die Welt eroberten
Ein wissenschaftliches Highlight war der Vortrag von Dr. Leonie Weber von der Rheinsberger Preussenquelle GmbH mit dem Titel:
„Mykorrhiza – wie Pilze und Pflanzen gemeinsam die Welt eroberten“.
Anschaulich erklärte sie die Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen – ein evolutionärer Erfolgsfaktor, der es Pflanzen überhaupt erst ermöglichte, Land zu besiedeln. Mykorrhiza-Pilze versorgen Pflanzen mit Nährstoffen, insbesondere Phosphor, und erhalten im Gegenzug Zucker.
Besonders eindrücklich war der Hinweis auf die Folgen moderner Landwirtschaft:
Durch intensive Phosphat-Flüssigdüngung verlieren Pflanzen zunehmend die Fähigkeit, diese natürliche Symbiose einzugehen. Wenn Nährstoffe künstlich und dauerhaft im Übermaß verfügbar sind, „verlernen“ Pflanzen gewissermaßen die Kooperation mit Pilzen. Langfristig schwächt das die Bodenökosysteme und macht landwirtschaftliche Systeme anfälliger.
Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie tiefgreifend menschliche Eingriffe selbst feinste ökologische Netzwerke verändern – und wie wichtig ein Umdenken in der Landnutzung ist.
Forellen und Niederschlag – Nicht immer ist der Biber schuld
Im Programm wurde der Einfluss des Bibers auf die Laichdynamik der Forelle thematisiert . Doch ein weiterer entscheidender Faktor wurde in den Diskussionen deutlich:
Nicht nur der Biber beeinflusst die Laichbedingungen der Forelle – zunehmend sind es fehlende Niederschläge. Sinkende Wasserstände, austrocknende Nebengewässer und höhere Wassertemperaturen beeinträchtigen die Reproduktion der Forelle erheblich.
Wo früher ausreichend durchströmte Kiesbereiche vorhanden waren, fehlen heute geeignete Laichhabitate – nicht wegen Dämmen, sondern wegen Wassermangels. Dieses Beispiel machte deutlich, wie stark klimatische Veränderungen inzwischen in aquatische Ökosysteme eingreifen.

Douda K, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
Echt krass: mehr Raum für die Bachmuschel im oberen Rhin
Ein weiteres beeindruckendes Beispiel für praktischen Naturschutz war die Vorstellung von Maßnahmen zur Förderung der Bachmuschel im oberen Rhin .
Durch das gezielte Einbringen von Totholz und Bachkieseln wird die Gewässerstruktur verbessert. Totholz verlangsamt die Strömung, schafft Rückzugsräume und fördert Sedimentumlagerungen. Kies sorgt für bessere Sauerstoffverhältnisse im Gewässergrund – entscheidend für Muscheln und ihre Wirtsfische.
Solche Maßnahmen verbessern nicht nur die Lebensbedingungen der Bachmuschel, sondern steigern insgesamt die Wasserqualität und Biodiversität. Sie zeigen exemplarisch, wie durch gezielte, wissenschaftlich begleitete Eingriffe verlorene Lebensräume wiederhergestellt werden können.
Eindruck eines Tages voller Engagement
Was diesen Naturkundetag besonders prägte, war die beeindruckende Zahl engagierter Menschen: Forschende, Praktiker:innen, Ehrenamtliche und Behördenvertreter:innen – alle vereint durch das Ziel, Lebensräume zu erhalten und wiederherzustellen.
Die Veranstaltung zeigte:
Die Herausforderungen sind groß – doch ebenso groß ist die Bereitschaft, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und konkrete Maßnahmen umzusetzen.
Der 18. Kleine Naturschutztag war damit weit mehr als eine Fachtagung. Er war ein lebendiges Zeichen dafür, dass Naturschutz nicht Resignation bedeutet, sondern aktives Gestalten – gemeinsam, wissenschaftlich fundiert und mit großer Leidenschaft.

Es wäre super, wenn auch die Ruppiner Lokalpolitik und die Stadtverwaltung den Wert dieses Netzwerks und des schönen Naturparks für sich entdecken. Das Potenzial als Tor zum Naturpark ist für eine nachhaltige Entwicklung groß. Machen wir es sichtbar und nutzen es!